Exklusiv zum Autodiebstahl in den USA: Einsame Spitze

Bekanntlich ist in den USA alles größer als anderswo: die Steaks, der Patriotismus und die Bäume an der Westküste zum Beispiel. Darauf sind die Amerikaner zu Recht stolz. Dass sie jedoch mit einem anderen, weniger ruhmreichen Rekord ebenfalls an der Weltspitze liegen, passt zwar ins Bild, gefällt ihnen aber überhaupt nicht: Jüngste Zahlen aus dem vergangenen Jahr belegen, dass zwischen New York und Los Angeles alle 45 Sekunden ein Auto seinen Besitzer wechselt. Nicht freiwillig, sondern weil böse Buben – oft auch Mädels – ihre Hände im Spiel haben. Zum Vergleich: In Deutschland wurde im vergangenen Jahr lediglich alle halbe Stunde ein Auto geklaut, und das empfinden wir immer noch als schlimm.
Dabei gibt die amerikanische Diebstahlstatistik 2013 für Autos gegenüber der von 2006 zu Hoffnungen Anlass, denn damals verschwanden 1,2 Millionen Personenwagen – alle 26 Sekunden einer. Aber auch das gab Grund zum Optimismus, weil 2004 noch 40 000 Wagen mehr die Verlustlisten gefüllt hatten.

Haben FBI und die oberste Sicherheitsbehörde der Versicherungen in den USA recht, dann liegt bei fast der Hälfte aller Autodiebstähle die Schuld bei den Besitzern der Fahrzeuge selbst. In regelmäßigen Abständen beispielsweise müssen Sheriffs und Behörden Schulmädchen-Weisheiten in Bezug auf die Diebstahlsicherungen der Autos verkünden, weil sich viele Autohalter in diesen Punkten mehr als schlampig verhalten: „Lassen Sie die Autoschlüssel nicht im Zündschloss stecken, schließen Sie die Fenster, verriegeln Sie die Türen, und parken Sie nachts in gut beleuchteten Gegenden.“

Besonders der erste Punkt lässt im Sommer und im Winter die Diebstahlquoten explodieren: Ein weit verbreitete Unsitte ist nämlich immer dann in den Vorstädten zu beobachten, wenn die Temperaturen besonders hoch oder besonders niedrig sind. Dann stehen die Autos mit laufendem Motor in der Garageneinfahrt, damit man im Winter ins kuschelig warm aufgeheizte und im Sommer durch die Klimaanlage tiefgekühlte Auto steigen kann. „Potenzielle Diebe fahren gezielt durch die Siedlungen und suchen leere Autos mit laufenden Motoren“, hat die Polizei beobachtet. Allein in Maryland werden im vergangenen Winter 4000 Autos gestohlen, weil ihre Besitzer sie nur schnell aufwärmen wollten. In Maryland und einigen anderen Bundesstaaten kostet es deshalb neuerdings 70 Dollar Strafe, wenn ein herrenloses Auto mit laufendem Motor erwischt wird.

Anderswo in den USA gehen Autodiebe mit Brachialgewalt vor. Detroit zum Beispiel trägt neuerdings den wenig schmeichelhaften Beinamen „Carjack City“ (frei übersetzt: Stadt der Autoräuber). In der vom Bankrott heimgesuchten Autostadt erscheinen bis an die Zähne bewaffnete Gangster vorzugsweise an Tankstellen und nehmen den Besitzern die frisch betankten Fahrzeuge ab. 720 solcher Fälle zählte die Polizei im vergangenen Jahr, und auch in anderen Städten ist Carjacking im Kommen. In Memphis/Tennessee gab es zur gleichen Zeit 400 und in Newark/New Jersey 382 ähnliche Fälle.

Doch welche Autos liegen in der Gunst amerikanischer Autodiebe ganz oben? Exotische Luxusschlitten aus dem Ausland oder Straßenkreuzer heimischer Produktion? Mitnichten. Es sind vielmehr ganz normale Allerweltautos, wobei die Hitparade so aussieht:

1. Honda Accord (2013 gestohlen: 53 995)
2. Honda Civic (45 001)
3. Chevrolet Pickup (27 809)
4. Ford Pickup (26 494)
5. Toyota Camry (14 420)
6. Dodge Pickup (11 347)
7. Dodge Caravan (10 911)
8. Jeep Cherokee (9272)
9. Toyota Corolla (9010)
10. Nissan Altima (8892)

Wie können sich die Amerikaner gegen den grassierenden Autodiebstahl schützen? Wegfahrsperren und ähnliche elektronische Mechanismen sind auch in den USA längst ebenso üblich wie in Europa. Allerdings lassen die sich inzwischen mit speziellen Computer-Werkzeugen, von denen es im Internet weltweit jede Menge zu kaufen gibt, leicht knacken. Wie das ARD-Magazin „Kontraste“ berichtete, nutzen sie in Europa vorzugsweise professionelle Autoschieber aus Litauen, die ihre heiße Ware komplett oder als Einzelteil-Ersatzteillager meist problemlos nach Kasachstan exportieren. In den USA stehen sie dagegen bei jugendlichen Gangs hoch im Kurs, die ihre Beute gerne zu Spritztouren verwenden.

In drei Fällen aus den vergangenen Monaten stellte sich allerdings eine Einrichtung zur Verhinderung von Autodiebstählen als hilfreich heraus, mit der zuvor wohl kaum jemand gerechnet hatte.
Fall eins: In Seattle hatte es ein Mann auf einen Porsche 911 Turbo abgesehen. Er zwang den Besitzer des teuren Sportwagens auszusteigen, um selbst mit dem Gefährt davon zu fahren. Doch dann flüchtete der Dieb zu Fuß. Fall zwei: In San Diego wurde ein Pärchen überfallen und aufgefordert die Autoschlüssel, ein Mobiltelefon und eine Geldbörse zu übergeben. Der Räuber setzte sich ins Auto, verließ es dann aber wieder schlagartig und wünschte den Opfern „einen schönen Tag noch“. Die Wertgegenstände nahm er mit. Fall drei: In Springfield im US-Bundesstaat Massachusetts überfielen drei unbekannte Täter einen Mann bei der Mahlzeiten-Auslieferung eines China-Restaurants. Sie forderten das Essen und die Wagenschlüssel. Als die Täter jedoch in den Wagen sprangen, machten sie eine unliebsame Überraschung. Das Auto hatte – ebenso wie die beiden anderen in Seattle und San Diego – ein Schaltgetriebe. Und damit konnten sie genauso wenig umgehen wie ihre Kollegen in den Bundesstaaten Washington und Kalifornien. Die drei mussten mit dem Essen vorlieb nehmen und auf das Auto verzichten. In den USA ist der Anteil an Fahrzeugen, die mit Automatikgetriebe ausgestattet sind im Vergleich zu Europa, extrem hoch. Das wurde den dämlichen Autodieben zum Verhängnis. (ampnet/hrr)

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Honda Civic.

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Beitrag zuletzt aktualisiert am 10. September 2014

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