Ford Mustang: Vom Wildpferd zum Vollblüter

Der Mustang zählt zu den innovativsten und erfolgreichsten Autos in der Geschichte von Ford. Im Januar präsentiert der US-Autobauer die sechste Generation des sportlichen Coupés, das die Amerikaner liebevoll als „Ponycar“ bezeichnen. Die nächste Generation des Mustangs ist als Weltauto konzipiert, das auch nach Europa und 2015 nach Deutschland kommen soll. 2014 jährt sich die Premiere des ersten Mustang zum 50. Mal. In den fünf Jahrzehnten hat sich die Auto-Ikone vom Wildpferd zum Vollblüter entwickelt.
Schon ein Blick auf die ersten offiziellen Fotos des neuen Mustang zeigt, dass den Designern das Kunststück gelungen ist, die klassische Form in die Moderne zu führen. Er ist auf Anhieb als Mustang erkennbar, ohne dass die Form bemühte Retroelemente zitiert. Um der neuen Strategie des Herstellers, dem „One Ford“ (ein Modell für alle Märkte) zu entsprechen, unterzogen die Entwickler ihr Paradepferd einem gründlichen Trainingsprogramm. Schlanker wird der Wagen auftreten, leichter, mit Motorhaube und Kotflügel aus Aluminium, in den Abmessungen geschrumpft und auch Vierzylinder-Turbomotoren sind kein Tabu mehr. Wegen der günstigeren Futterverwertung.

Keine Angst, für die eingefleischten Fans des „American Way of Drive“, bleiben die klassischen V6- und V8-Motoren erhalten. Der Vierzylinder-Turbobenziner aus der so genannten „Ecoboost-Familie“ ergänzt mit 2,3 Litern Hubraum und einer Leistung von 227 kW / 309 PS und einem maximalen Drehmoment von 407 Newtonmeter den 3,8-Liter-V6, der nicht nach Europa kommt. Der Sechszylinder tritt mit ähnlicher Leistung (305 PS, 394 Nm) an. Top-Motor wird der V8, der aus fünf Litern Hubraum 313 kW / 426 PS und 529 Newtonmeter maximales Drehmoment schöpft. Die identische Leistung wie das Topmodell Camaro von Chevrolet, der als härtester Konkurrent des Mustangs gilt.

Die Kraftübertragung erfolgt wahlweise per manuellem Sechs-Gang-Getriebe oder via Sechs-Gang-Automatik, die beim V8 auch eine Launch Control umfasst. Der Internationalisierung fällt nicht zuletzt die klassische hintere Starrachse zum Opfer. Die neue Einzelradaufhängung rundum verspricht eine deutliche Verbesserung der fahrdynamischen Qualitäten. Diesem Anspruch soll auch die steifere und ebenfalls komplett neu entwickelte Vorderachse genügen.

Fest steht bereits, dass Ford mit dem Mustang in Europa auch gehobenen Ansprüchen an einen Sportwagen genügen muss. Darum erhält er für die Alte Welt serienmäßig das „Performance Pack“ mit strafferer Fahrwerksabstimmung, einer optimierten Kühlanlage, 19 Zoll großen Leichtmetallfelgen sowie je nach Motorversion bis zu 380 Millimeter große Bremsscheiben und Sechs-Kolben-Sättel von Brembo.
Den Ansprüchen an einen Vollblüter genügt der neue Mustang mit zahlreichen Assistenzsystemen und das Bedienungssystem Sync mit Sprachsteuerung. Der Bogen zur Tradition schließt sich wieder im Angebot von zwei Modellversionen.

Als Ford 1964 den ersten Mustang präsentierte, wies das sportlich angehauchte Coupé für amerikanische Verhältnisse kompakte Maße mit 4,61 Metern Länge auf. Das Design schlug ein wie eine Bombe. Kunden stürmten die Filialen des Herstellers und überschwemmten die Handelsorganisation mit zigtausenden Bestellungen. Das Auto, das als Coupé wie als Cabrio verfügbar war, begründete die Fahrzeugklasse der sogenannten „Ponycars“. Im ersten Modelljahr verkaufte Ford sage und schreibe rund 680 000 Einheiten. Das Konzept eines sportlichen Coupés fand bei allen großen Herstellern Nachahmer. Vom Chevrolet Camaro über den Dodge Challenger bis zum Pontiac Firebird. War der erste Mustang auch mit zahmen 100 PS aus einem 2,8-Liter-Reihensechszlinder verfügbar, ließ die V8-Toppversion eine Herde von 270 PS über die starre Hinterachse herfallen.

Aus dem Wettrüsten unter den Hauben der Ponycars entwickelten sich die Musclecars, deren zügellosem Treiben unter den Hauben mit bis zu 450 PS starken 7,4-Liter-Bigblocks die erste Ölkrise 1973 ein Ende setzte. Schon früh mehrten die besonders gut trainierten Mustang-Versionen von Caroll-Shelby den Ruhm des Modells.

Die beiden folgenden Überarbeitungen des Mustang hielten bis 1971 an der ursprünglichen Karosserielinie fest. Modellpflege Nummer vier verzeichnete ab 1971 ein deutliches Wachstum und den Wandel vom sportlichen Ross zum eher gemächlichen Zug-Pferd. Der zweite Mustang ab 1974 verkam wegen der radikalen Fastenkur zur lahmen Mähre, die sich als Basismotorisierung mit einem 90 PS starken Vierzylinder begnügen musste. Die Karosserieform überzeugte ebenso wenig wie die der dritten Generation ab 1979. Ab 1994 hangelte sich der Mustang mit der vierten Ausgabe zu alter Performance zurück. Die Topversion Cobra R brachte es immerhin auf 390 PS.

Mit deutlichen Anklängen an das erste Modell trat der Mustang V ab 2004 an. Er leitete das Revival der Musclecars ein, dem Chevrolet mit dem aktuellen Camaro ebenso folgte wie Dodge mit dem Challenger. Im Shelby 500 mutierte der nun zur Ablösung stehende Mustang mit 662 PS zum stärksten Serienmodell von Ford überhaupt.

Nach 50 Jahren kehrt der Mustang eindeutig zu seinen Wurzeln zurück. Kompakt, modern, sportlich und begehrenswert. (ampnet/tl)

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Beitrag zuletzt aktualisiert am 5. Dezember 2013

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