Genf 2014: Auftakt für einen lebhaften Autofrühling

Über einen wesentlich kraftvolleren und lebhafteren „Autofrühling“ als vor einem Jahr freute sich Matthias Wissmann bei der Pressekonferenz des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) heute zum Auftakt des Genfer Autosalons. Die Perspektiven hätten sich deutlich aufgehellt. So fasse der westeuropäische Pkw-Markt nach einer langen Durststrecke wieder Tritt. Im Januar legte der Pkw-Neuwagenabsatz in Westeuropa um knapp fünf Prozent auf gut 897 100 Einheiten zu. Das ist der fünfte Monate in Folge mit einem Pluszeichen.
Deutschland erreichte ein Plus von gut sieben Prozent, Großbritannien und Spanien legten um jeweils rund acht Prozent zu. Frankreich weist einen Zuwachs von knapp einem Prozent auf, in Italien sind es gut drei Prozent. Neben Frankreich, Spanien und Italien sind es vor allem Portugal (+32 %), Griechenland (+15 %) und Irland (+33 %), die im Januar zweistellige Wachstumsraten aufwiesen.

Im Februar erhöhten sich die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland um vier Prozent auf 209 400 Einheiten, in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres ist ein Plus von sechs Prozent auf 415 400 Neuwagen zu verzeichnen. Der Inlandsauftragseingang stieg im Februar um 13 Prozent, die Auslandsorder erhöhten sich laut Wissmann um acht Prozent. Der Export legte im Februar um sieben Prozent auf 379 800 Einheiten zu, in den ersten beiden Monaten beträgt das Wachstum neun Prozent (723 200 Einheiten). Die Neuwagenproduktion im Inland stieg im Februar ebenfalls um sieben Prozent auf 493 200 Einheiten, seit Jahresbeginn liefen insgesamt 935 600 Neuwagen vom Band (+9 %).

Die gute Auslastung der Produktion führt dazu, dass die Zahl der Mitarbeiter in den Stammbelegschaften im Inland Ende 2013 mit rund 761 300 Beschäftigten um knapp 16 000 Mitarbeiter höher liegt als im Vorjahresmonat.

Die deutsche Automobilindustrie hat in Westeuropa einen Marktanteil von gut 50 Prozent. „Wenn die Automobilnachfrage in Europa wieder zulegt, profitieren davon vor allem die deutschen Konzernmarken“, stellte der VDA-Präsident fest. Das wirke sich auch positiv auf unsere Inlandsfertigung aus. Der Verband rechnet für dieses Jahr mit einem Zuwachs der Pkw-Inlandsproduktion von zwei Prozent auf 5,55 Millionen Einheiten. Die Pkw-Exporte werden demnach voraussichtlich ebenfalls um zwei Prozent auf 4,28 Millionen. Fahrzeuge zulegen. Gut drei Viertel aller Autos, die in Deutschland produziert werden, gehen damit in den Export. Der Weltmarktanteil der deutschen Pkw beträgt knapp 20 Prozent, im Premiumsegment liegt er weltweit bei nahezu 80 Prozent.

Doch Matthias Wissmann sieht auch Schatten: „Es mehren sich die Anzeichen dafür, dass der Produktionsstandort Deutschland gerade für Zulieferer mehr und mehr unter Druck gerät. Niemand sollte sich daher der Illusion hingeben, die aktuelle Stärke Deutschlands als Industriestandort sei naturgegeben. Im Gegenteil, Deutschland muss sich seine Wettbewerbsfähigkeit täglich neu erarbeiten.“ Bei den Rahmenbedingungen bestünde durchaus Anlass zur Sorge. „Wir brauchen bezahlbare Energiepreise, wir sehen mit Sorge die Entwicklung der Lohnstückkosten, und wir brauchen einen weiterhin flexiblen Arbeitsmarkt“, so der VDA-Präsident. So sei der Strompreis ist durch die staatlichen Belastungen und wegen der „aus dem Ruder gelaufenen EEG-Förderung“ teilweise doppelt bis dreifach so hoch wie in Nachbarländern oder in den USA. Wenig überzeugend sei es aber, für diese Reform die Eigenstromproduktion der Industrie zu verteuern. Nicht nur die energieintensiven Betriebe, auch andere Branchen, wie die Automobilindustrie, hätten inzwischen eigene Kraftwerke. Diese Eigenstromproduktion sei hocheffizient, weil die Abwärme gleichzeitig für die Produktion genutzt werden kann.

Die internationale Wettbewerbsfähigkeit eines Standortes werde, neben den Energiekosten, stark durch die Entwicklung der Lohnstückkosten beeinflusst. Im Zeitraum 2005 bis 2012 legten die realen Lohnstückkosten, etwa in Frankreich und Italien, deutlich zu, während in Deutschland die Lohnstückkosten in diesem Zeitraum nahezu konstant geblieben seien. Doch auf diesem Wettbewerbsvorteil könne man sich nicht ausruhen. So seien 2012 auch in Deutschland die Lohnstückkosten wieder gestiegen. Wissmann: „Wenn wir mittelfristig unseren hohen industriellen Wertschöpfungsanteil in Deutschland halten wollen, müssen wir sowohl die Energiekosten als auch die Arbeitskosten im Griff halten.“ (ampnet/jri)

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Beitrag zuletzt aktualisiert am 3. März 2014

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