Im Bücherregal: Alpine A 110 – kleine Flunder ganz groß

Keine Frage, der A 110 von Alpine ist eine Automobilikone. Er ist nicht ganz so berühmt wie Porsche 911 oder Jaguar E-Type, aber nicht weniger faszinierend. Nicht einmal 3,90 Meter lang und kaum hüfthoch sorgte die Flunder aus Frankreich vor allem im Rallyesport für Furore – und war auch 20 Jahre nach Erscheinen immer noch für den einen oder anderen Motorsporterfolg gut. Enguerrand Lecesne hat dem berühmtesten Sportwagen des Landes der 60er und 70er Jahre nun ein Buch gewidmet. Es heißt schlicht „Alpine A 110“.
Schon früh fuhr der 1963 aus dem A 108 entwickelte A 110 Berlinette erste Motorsporterfolge ein. Als Renault dann 1968 seine Motorsportabteilung und die Unterstützung von Alpine-Gründer Jean Rédélé wieder aufgab, war die große Zeit des A 110 noch gar nicht gekommen. Dass die größten Triumphe erst drei und fünf Jahre später gefeiert wurden, spricht für die besonderen dynamischen Qualitäten des Autos. Bis in die 80er Jahre hinein war der Alpine noch von Privatfahrern begehrt, die mit ihm nicht zuletzt bei Bergrennen immer noch ein Wörtchen mitzureden hatten.

Die erste große Ruhmesstunde schlug 1971, nachdem sich ein Jahr zuvor mit dem Vizemeistertitel hinter Porsche der Weg angedeutet hatte: Nach einem Dreifach-Auftaktsieg bei der Rallye Monte Carlo wurde Alpine endlich Rallye-Europameister der Konstrukteure (den Fahrertitel gab es damals noch nicht). Was folgte, war ein Absturz: Probleme mit dem Getriebe warfen die Berlinette 1972 im doppelten Sinne des Wortes aus dem Rennen – nur um sich ein Jahr später mit dem Weltmeistertitel wieder zurückzumelden.

Ein Jahr darauf kaufte Renault die Firma von Jean Rédélé und die motorsportlichen Prioritäten verschoben sich zu Ungunsten des kleinen Autos. 1976 wurde letztmalig offiziell ein Werkswagen eingesetzt. Dass der A 110 aber noch lange nicht zum alten Eisen gehörte, bewies er im Folgejahr, als er in der nationalen Rallyecross-Meisterschaft den zweiten Platz hinter dem Nachfolgemodell A 310 V6 belegte. In den beiden Jahren darauf reichte es dann sogar zum Sieg.

Enguerrand Lecesne hat vor allem eines: jede Menge Bilder zusammengetragen und mit akribischer Recherche so gut wie alle wichtigen Fahrer, Werkspiloten und Privatiers gleichermaßen, aufgelistet. Sie kommen in den Portraits teilweise selbst zu Wort und geben ihre persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse mit der meist blau lackierten Flunder wieder. Neben der peniblen Auflistung jeder Saison spürt der Autor auch so manchem ehemaligen Werkswagen und seinem zweiten Leben in Privathänden nach. Nur eines sollte der Leser nicht erwarten: die Entwicklungsgeschichte des Alpine A 110. Die schenkt sich der Autor bis auf die Nennung der in den Rennen jeweils eingesetzten Motoren. Ihm geht es nur um den Rennruhm eines kleinen Autos von wahrer Größe.

„Alpine A 110“ von Enguerrand Lecesne ist im Heel-Verlag erschienen. Das Buch hat 192 Seiten mit rund 220 Abbildungen und kostet 29,95 Euro. (ampnet/jri)

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Beitrag zuletzt aktualisiert am 22. Dezember 2013

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