Im Bücherregal: Rostgebiete

Schön und glänzend erfüllen sie ihren Besitzer mit Stolz, wenn sie neu sind. Doch auch ein Autoleben ist irgendwann zu Ende. Nicht jeden Wagen ereilt das Schicksal der Schrottpresse, manche überleben als Oldtimer – und andere wiederum werden einfach auf einer Wiese oder in einem Wald sich selbst überlassen. Autofriedhöfe nennen sich solche letzten Ruhestätten für das heilige Blechle. Und diese Rostgebiete haben es dem Berliner Autofan und Fotografen Thorsten Müller besonders angetan. „Endstation“ heißt sein jetzt erschienener Bildband.
Müller ist ein besonderes Autobuch gelungen, das den Blick auf ein im wahrsten Sinne des Wortes verborgenes Kapitel der Mobilität lenkt. Er fotografiert die Plätze mit einer Ausnahme nie in der Totalen und auch die Autos häufig nur im Ausschnitt. So entwickelt sich eine ganz eigene Ästhetik, die manchmal von Moos auf den Kotflügeln oder durch die Karosserie wachsende Bäume nochmals gesteigert wird.

Die Bilder wecken Assoziationen und kurbeln die Fantasie an: Da könnte die Front eines ausgelaugten Saab 93 ein Totenkopf sein. Wie Skelette verendeter Tiere kommen dem Betrachter viele andere Wracks vor. Ein Borgward Hansa 1800 wird da plötzlich zum niedergestreckten Mammut mit der Stoßstange als Stoßzahn.

Überall ist es Thorsten Müller gelungen, hinter der verrosteten Hülle den ursprünglichen Fahrzeugtyp zu identifizieren und mit ein paar technischen Daten sowie der gebauten Stückzahl zu benennen. Da kann es durchaus Spaß machen, zu raten, welche Rostlaube gerade zu sehen ist. Das fällt nicht immer so leicht wie beim Opel Kadett B des Titelbildes, da der Fotograf in halb Europa auf Spurensuche war. Einen Humber beispielsweise dürfte hierzulande selbst zu seinen Lebzeiten wohl kaum jemand je zu Gesicht bekommen haben.

Die Fotos strahlen eine ungewohnte Faszination und gleichzeitig Ruhe aus. Sie öffnen dem Betrachter eine völlig neue Autowelt. Merke, Autofriedhöfe sind keine Schrottplätze.

„Endstation – Die skurrilsten Autofriedhöfe Europas“ von Thorsten Müller ist im Delius-Klasing-Verlag erschienen. Das Buch hat 144 Seiten mit 150 Farbfotos und kostet 24,90 Euro. (ampnet/jri)

Bilder zum Artikel

„Endstation – Die skurrilsten Autofriedhöfe Europas“ von Thorsten Müller.

Foto:
Auto-Medienportal.Net/Delius Klasing

„Endstation – Die skurrilsten Autofriedhöfe Europas“ von Thorsten Müller.


Beitrag zuletzt aktualisiert am 22. Februar 2014

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