Kommentar: Vergehen, Verbrechen, Kapitalverbrechen

Seit Wochen bestimmen die vier Buchstaben des ADAC die Schlagzeilen. In Funk und Fernsehen haben sich Magazine und Moderatoren auf den einst als unfehlbar geltenden Club eingeschossen. Im Radio brüllt – wie im Mittagsmagazin des Westdeutschen Rundfunks geschehen – der Hochschulprofessor Ferdinand Dudenhöffer mit sich überschlagender Stimme den ADAC-Sprecher Klaus Reindl nieder, und TV-Allzweckwaffe Günther Jauch lädt zur besten Sendezeit eine illustre Runde mitsamt dem (inzwischen Ex-) ADAC-Präsidenten Peter Meyer zum Sonntagabend-Talk nach Berlin.
Doch aller Aufwand ist berechtigt, denn es besteht kein Zweifel: Es war ein schlimmes Vergehen, dass der einstige Motorwelt-Chefredakteur Michael Ramstetter die Zahlen der Leser, die bei der Wahl zum beliebtesten Auto der Deutschen abgestimmt hatten, massiv nach oben aufblähte. Offensichtlich schämte er sich, dass sein auflagenmäßig weit in die zweistelligen Millionenzahlen ragendes Blatt nur kümmerliche dreitausend Menschen und ein paar Gequetschte zum Mitmachen animieren konnte.

Als Straftat – also Verbrechen – im juristischen Sinne könnten möglicherweise die Freiflüge einiger ADAC-Oberen mit vereinseigenen Rettungshubschraubern oder der Ferienflug des Sohns einer ADAC-Managerin per Ambulanz-Jet nach Ägypten gelten. Und dass der Regional-Club ADAC-Hessen-Thüringen laut „Bild“ für seinen Geschäftsführer 2009 eine Villa auf einem 800 Quadratmeter großem Grundstück nach dessen Vorstellungen errichtete, hört sich auch nicht besonders koscher an.

Doch was jetzt ans Licht kommt, bringt das Fass zum Überlaufen. Die Unternehmensberatung Deloitte deckte auf, dass der ADAC-Autopreis „Gelber Engel“, mit dem der Skandal begann, mindestens fünf Jahre lang nicht nur, was die Teilnehmerzahl, sondern darüber hinaus die Rangfolge der Preisträger anging, brutal gefälscht wurde.

Da erscheint das Eingeständnis von Michael Ramstetter gegenüber der Süddeutschen Zeitung, er habe „Scheiße gebaut“, erheblich untertrieben. Was er als „Scheiße“ bezeichnet, ist in Wirklichkeit im journalistischen Sinn ein Kapitalverbrechen. Mit diesem Begriff wurden einst Untaten bezeichnet, die den Kopf kosten konnten. Ramstetter hat nämlich der gesamten Zunft der Motorjournalisten, die ohnehin keinen besonders guten Ruf genießen, mit seinen willkürlichen Manipulationen einen Bärendienst erwiesen. Wem sollen die Leser von Autozeitschriften jetzt noch glauben?

Ich, selbst Motorjournalist, ärgere mich maßlos. (ampnet/hrr)

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Hans-Robert Richarz.

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Auto-Medienportal.Net

Hans-Robert Richarz.


Beitrag zuletzt aktualisiert am 18. Februar 2014

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