Le Jog 2013: Mit Iltis und Abendkleid durch Großbritannien

Der einzige, der sich in dieser Woche so richtig wohlfühlt bei der Oldtimer-Rallye „Le Jog“ in Großbritannien, dürfte der Iltis sein. Traditionell geht es vom Land´s End in Cornwall, der Südwest-Spitze Englands, durch Wales bis John O´Groats im nördlichsten Winkel Schottlands. Zur Legende wurde der geländegängige Volkswagen bereits 1980, als Freddy Graf Kottulinsky und Gerhard Löffelmann mit ihm die legendäre Wüstenrallye Paris-Dakar gewannen. Ihre Leistung wussten zumindest Millionen von jungen Männern in der Bundesrepublik zu schätzen. Sie kannten den Nicht-Komfort des Iltis bereits von ihren Monaten „beim Bund“. Heute gehört ein Iltis zum rollenden Museum von Volkswagen Classic und nimmt europaweit an bekannten Oldtimer-Veranstaltungen teil. Pilotiert wird der VW-Veteran bei der Le Jog von Steffi Edelhoff. Sandra Wukovich ist für die Navigation zuständig. Und beide zusammen sind dieses Jahr eines von drei reinen Frauenteams, so dass es zum ersten Mal eine Frauenwertung bei der wohl härtesten Oldtimer-Rallye Europas gibt.
Die beiden Frauen sind bereits 2012 die „Aicha de Gazelles“ gefahren. Dabei handelt es sich um die einzige reine Frauen-Rallye der Welt. Sie führt durch die Wüsten Marokkos. Als Newcomer erreichten sie immerhin Platz 42 von 170 Teams. „Das war ein echtes Erlebnis, aber das System ist keine Herausforderung mehr; da ging es nur noch darum, schneller zu werden“, berichtet die Wolfsburgerin Sandra Wukovich über die Vorgeschichte. Dann kam Steffi Edelhoff mit der Idee, die Le Jog zu fahren, da sie bis dahin noch nie eine derartig gute Navigatorin, die nur nach Karten fahren kann, erlebt hatte.

Als Vorbereitung mussten ein kurzes Navigationstraining und einige Gespräche mit einem erfahrenen Le-Jog-Hasen genügen. Kurz danach traf bereits ein dickes Paket in Wolfsburg ein: 25 Karten bilden den Fahr-Korridor vom Atlantik bis zur Nordsee. Die Navigation erfolgt über das Gitterliniennetz und das Abmessen mit einem Lineal. Lediglich die Start- und Endpunkte einer Etappe sind bekannt. Ansonsten muss anhand von Tabellen mit Anweisungen gefahren werden. Häufig werden an einem Tag mehrfach Aufgabenzettel mit Sonderprüfungen an die Teilnehmer vergeben. Dann gilt es trotz Linksverkehr, Gelände und Witterung zu allen Tages- und Nachtzeiten den richtigen Weg zu finden. Elektronische Hilfsmittel sind ebenso verboten wie ein begleitendes Service-Team. Alle notwendigen Reparaturen müssen von den beiden Frauen im Gelände erledigt werden. Das hätte bereits am zweiten Tag der Rallye beinahe zur Disqualifikation geführt. Nach einem Totalausfall der Bordelektrik musste in Dunkelheit und strömenden Regen ein „Turbobooster“ zum Einsatz gebracht werden. Diese Reparatur hatte Konsequenzen: Orientierungsverlust. Mühsam und unter hohem Zeitaufwand kämpften sich die beiden Frauen zurück auf den richtigen Weg nach Norden. Im letzten Moment erreichten sie das Tagesziel. Endlich im Hotel verblieben zwei Stunden für einen wenig erholsamen Schlaf.

Mit dabei unter dem Stoffdach des Iltis sind neben der wetterfesten Kleidung zwei Abendkleider, denn natürlich werden der Auftakt- und der Abschlußabend stilecht im „British Style“ begangen: „Black Tie“ für die Herren und Abendkleid für die Damen. Tagsüber fahren die beiden Frauen in pinken Rennoveralls, um ihre gemeinnützige Botschaft nachdrücklich zu visualisieren. Alle bisherigen Expeditionen werden als Kommunikationsmittel genutzt, um vor Ort mit Menschen in Kontakt zu kommen, die es sich nicht erlauben können, auf Konferenzen zu reisen. Bei den Fahrten auf dem Afrikanischen Kontinent steht dabei die Anti-AIDS-Arbeit im Mittelpunkt. Daran anknüpfend ist es das Ziel mit dem Verein „Pink Petrol“ das neue Zeichen zu setzen, dass es auch um eine ganzheitliche Bildung gehen muss. So wird in Südafrika zur Zeit eine Schule gebaut. Ergänzt wird diese durch „Safe Houses“ für junge Menschen, die unter gewalttätigen, wie sexuellen Übergriffen leiden. Oder auch durch Waisenhäuser für über 18-Jährige, die in Sicherheit und in Obhut eine Ausbildung machen oder ein Studium aufnehmen können. Dabei geht es darum, wie Wukovich noch einmal unterstreicht, „jungen Menschen und vor allem jungen Mädchen klar zu machen: Jeder Mensch entscheidet selbst, was ihn interessiert, was er gerne tun möchte und wozu er sich berufen fühlt“.

Der Weg ist das Ziel – das ist sowohl die Botschaft von Pink Petrol als auch bei der Le Jog. So haben die beiden Frauen auch die entscheidenden Helferlein für das Fahren auf den Britischen Inseln angepasst. Kleine selbstklebende Pfeile erinnern die Steffi Edelhoff stets an den englischen Linksverkehr – selbstverständlich in Pink. (ampnet/av)

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Beitrag zuletzt aktualisiert am 11. Dezember 2013

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