VDA -Neujahrsempfang: Gute Perspektiven für die Autoindustrie

„Deutschland geht es gut. Die Steuereinnahmen sprudeln, die Beschäftigung ist auf Rekordniveau, der Export boomt. Doch diese gute wirtschaftliche Lage ist kein Automatismus. Im Gegenteil, Deutschland muss sich seine Wettbewerbsfähigkeit täglich neu erarbeiten“, sagte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), heute Abend auf dem VDA-Neujahrsempfang vor rund 600 Gästen in Berlin.
„Unsere Erfolgsgaranten heißen Innovation und Internationalisierung. Mit weltweiten Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen von rund 27 Milliarden Euro pro Jahr sind deutsche Hersteller und Zulieferer Technologieführer. Autos, Lkw und Zuliefererteile aus Deutschland haben international ein hohes Ansehen. Unser Weltmarktanteil bei Premiumfahrzeugen liegt bei rund 80 Prozent. Dieser Erfolg im Ausland stärkt uns auch in der Heimat: So beschäftigt die deutsche Automobilindustrie derzeit 762 700 Mitarbeiter in den Stammbelegschaften, das sind 14 600 Beschäftigte mehr als vor einem Jahr“, sagte der VDA-Präsident.

Auch für 2014 seien die Perspektiven insgesamt gut. Der Verband rechnet damit, dass der globale Pkw-Absatz um etwa drei Prozent auf rund 75 Millionen Einheiten wachsen wird. Viele wichtige Märkte legenden Prognosen nach zu, allen voran China und die USA. Einiges spreche dafür, dass auch der westeuropäische Markt langsam wieder Fahrt aufnimmt. „An diesem globalen Wachstum werden die deutschen Hersteller einen deutlichen Anteil haben“, ist sich Wissmann sicher. Allerdings werde der weltweite Wettbewerb um industrielle Wertschöpfung intensiver. Die Politik müsse dem Rechnung tragen und dazu die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. „Deutschland braucht eine kluge Standortpolitik, die Impulse für die Innovations- und Investitionskraft der Unternehmen gibt und Industrie und Mittelstand nicht schwächt“, sagte Wissmann. Dazu zählten die Begrenzung des Anstiegs der Lohnstückkosten ebenso wie bezahlbare Energiepreise und ein flexibler Arbeitsmarkt.

Kritik übte Wissmann an dem von Brüssel eingeleiteten Prüfverfahren gegen Deutschland wegen makroökonomischer Ungleichgewichte. „Der Vorwurf, Deutschland würde mit seinen Exportüberschüssen die Stabilität des Euro gefährden, geht an der Realität vorbei. Ohne die deutsche Exportstärke würde die Eurozone ein Handelsbilanzdefizit erreichen. Der Handelsbilanzüberschuss Deutschlands ist kein Ergebnis politischer Markteingriffe, sondern das Ergebnis hoher Wettbewerbsfähigkeit“, betonte Wissmann. Für Europas wirtschaftliche Zukunft sei es entscheidend, die Wettbewerbsfähigkeit aller Mitgliedstaaten zu stärken.

Es sei richtig, dass Europa beim Klimaschutz vorangehe, sagte Wissmann weiter. „Wir haben weltweit die anspruchsvollsten CO2-Reduktionsziele. Nach dem neuesten Vorschlag der Kommission sollen die CO2-Emissionen innerhalb von zehn Jahren genauso schnell sinken wie in den vorhergehenden 30 Jahren zusammen. Das nenne ich ambitioniert“, betonte der VDA-Präsident. Das richtige Ziel des Klimaschutzes dürfe aber nicht in falsche industriepolitische Entscheidungen münden. Wenn Europa auch künftig ein starker Industriestandort bleiben wolle, brauche es eine sinnvolle Balance zwischen Klimaschutz und Industriepolitik. Zudem sei ein internationales „Level Playing Field“ nötig, sonst kämen Länder außerhalb der EU zum Zuge, während Arbeitsplätze in Europa verschwinden und – zu meist schlechteren Umweltstandards – anderswo aufgebaut würden.

Wissmann ging abschließend auf die Elektromobilität ein. „Bis Ende dieses Jahres bringen allein die deutschen Hersteller 16 Serienmodelle mit Elektroantrieb auf den Markt. Die Nachfrage nimmt – vor allem in urbanen Räumen – zu.“ Nun müsse auch die Politik aktiv werden und an zwei Stellschrauben drehen: Die Unternehmen, die Elektroautos für ihre Firmenflotten anschaffen wollen, sollten durch Möglichkeiten zur Sonderabschreibung darin unterstützt werden. Und zweitens sollten Bund, Länder und Kommunen bei der Erneuerung ihres Fuhrparks mit der Anschaffung lokal emissionsfreier Autos ein Zeichen setzen. (ampnet/nic)

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Beitrag zuletzt aktualisiert am 29. Januar 2014

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