E85 Kraftstoff

E85 ist ein Kraftstoff, der zu 85 Prozent aus Ethanol und zu 15 Prozent aus Benzin besteht. E85, auch Bioethanol genannt, wird hergestellt aus Pflanzen wie Getreide oder Zuckerrohr oder aus Abfällen aus der Holzverarbeitung.

Vorteilhafte Kraftstoffeigenschaften sind die hohe Klopffestigkeit bei der Verbrennung und die zirka 90-prozentige Verminderung aller Abgaskomponenten. Schwefeldioxid entsteht bei der Verbrennung sogar überhaupt nicht mehr.

Dank der höheren Oktanzahl von 104 lässt sich bei einem entsprechenden Motormanagement die Leistung erhöhen.

E85 ist für den Einsatz in sogenannten Flexible Fuel-Fahrzeugen (FFV) entwickelt worden. Die Leistungsfähigkeit von E85-Kraftstoff ist um etwa 20 bis 30 % niedriger als bei herkömmlichen Kraftstoffen.

Über 18 E85-taugliche FlexiFuel-Modelle sind derzeit auf dem deutschen Markt im Angebot – von Audi, Bentley, Ford, Opel, Saab und Volvo. Offizielle Angaben zur Zahl der FlexiFuel-Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen liegen nicht vor, da diese bislang nicht in der KFZ-Statistik des Kraftfahrtbundesamtes erfasst werden.

Energiesteuer für E85 Kraftstoff

Das in der Kraftstoffsorte E85 enthaltene Bioethanol war bis zum 31.12.2015 von der Energiesteuer befreit und wurde daher an der Tankstelle zu einem niedrigeren Preis angeboten als in den Sorten Super und Super E10, in denen der Bioethanolanteil schon immer der vollen Energiesteuer unterlag.

Seitens der Bundesregierung war keine Bereitschaft zu erkennen, die Steuerbegünstigung von E85 zu verlängern. Im deutschen Benzinmarkt konnte sich E85 nicht so gut wie z.B. in Schweden oder Frankreich etablieren. So erreichte der Absatz von E85 im Jahr 2012 zwar einen Höchstwert von 21.925 Tonnen, dies entsprach allerdings nur einem Anteil am Benzinmarkt von 0,11 Prozent. Im Jahr 2014 fiel der Marktanteil auf knapp 0,06 Prozent (10.243 Tonnen).

E85 konnte sich im deutschen Markt nicht gut etablieren, weil:

  • Die Auswahl an „Flex Fuel Vehicles“ (FFV) ging ab 2013 zurück. Noch 2011 gab es Modelle von Audi, Ford, Opel, Saab, Volvo und Volkswagen. Anders als in Brasilien und einigen europäischen Nachbarländern, wie z.B. in Frankreich, werden in Deutschland aktuell keine gängigen Marken mehr als FFV angeboten.
  • Zu wenige Tankstellen: E85 wurde nur an freien Tankstellen angeboten (ca. 300 von nahezu 15.000). Die großen Mineralölmarken, auf die rund 50 % aller Tankstellen in Deutschland entfallen, zeigten hingegen kein Interesse.

Foto: e85 Kraftstoff an der TankstelleAngesichts der Tatsache, dass Bioethanol einer der Kraftstoffe mit den geringsten Treibhausgasemissionen ist, ist es bedauerlich, dass der deutsche Gesetzgeber eine Verlängerung der Steuerermäßigung für E85 nicht in Betracht gezogen hat. Dies ist umso unverständlicher, wenn man bedenkt, dass der Kraftstoff ab dem Jahr 2016 um 22 ct pro Liter höher besteuert wird als Dieselkraftstoff, der einen ca. zweifach höheren Treibhausgasausstoß pro Kilometer verursacht. Auch mit Blick auf das erklärte Ziel der Bundesregierung, die Treibhausgasemissionen im Transportsektor zu senken, ist die Ende 2015 ausgelaufene Energiesteuerbefreiung des in E85 enthaltenen Bioethanol kontraproduktiv.

Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten von E85

E85 ist ein Qualitätskraftstoff mit einem sehr hohen Anteil an Bioethanol im fossilen Benzin. Dank der hohen Oktanzahl von 104 (ROZ) steigt der Wirkungsgrad des Motors, das Leistungspotenzial wird bestmöglich genutzt.

Aus technischen Gründen schwankt der Anteil von Bioethanol in Ländern mit kalten und wärmeren Jahreszeiten zwischen mindestens 70 Prozent im Winter und höchstens 86 Prozent im Sommer. Damit der Kaltstart auch bei niedrigen Temperaturen gelingt, wird Bioethanol in Deutschland nicht als Reinkraftstoff (E100) angeboten.

Damit E85 getankt werden kann, müssen alle Materialien im Kraftstoffkreislauf eines Fahrzeugs – Tank, Kraftstoffpumpe, Kraftstoffleitungen, Einspritzventile – ethanoltauglich sein. Die dafür entwickelten Fahrzeuge werden als Flexi Fuel Vehicles, kurz FFV, bezeichnet, weil sie flexibel auf Kraftstoff eingestellt sind: Ein Sensor erkennt das Benzin-Bioethanol-Mischungsverhältnis im Tank. Das Motormanagement passt den Zündzeitpunkt automatisch an die Zusammensetzung des Gemischs an. So kann E85 und Benzin in jedem beliebigen Mischungsverhältnis getankt werden. (Bis 2014 wurden in Deutschland FFV-Neuwagen von Audi, Bentley, Dacia, Ford, Opel, Peugeot, Renault, Saab und Volvo angeboten.)

E85 hat wegen seines hohen Bioethanolgehalts eine besonders vorteilhafte Klimabilanz: Eine Beispielrechnung auf Basis der Standardwerte gemäß EU-Richtlinie 2009/28 zeigt, dass bei einer jährlichen Fahrleistung von 10.000 km mit dem Audi A4 2.0 TFSI flexible fuel eine beträchtliche Menge CO2 gegenüber dem Betrieb mit fossilem Benzin eingespart wird: 875 kg/Jahr.

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E85 wird in folgenden EU-Nachbarländern angeboten: Belgien, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Lettland, Niederlande, Norwegen, Tschechien, Österreich, Schweden, Spanien, Ungarn.

Probleme mit Ethanol

Alkohol, das weiß jeder, kann schachmatt setzen, wenn über den persönlichen Eichstrich getrunken wird. Bekanntlich ist Ethanol nichts anderes als Alkohol. Mag sich mancher auch darüber amüsieren, dass Hochprozentigem – dem Benzin beigemischt – gar Motoren zum Opfer fallen sollen, für den Autofahrer hat solcher Sachverhalt ernsten Hintergrund. Ihn interessiert, was hinter der beunruhigenden Botschaft von Automobilherstellern steckt, dass nicht alle Motoren den in Deutschland avisierten Sprit E10 schadlos verdauten. Wir haben einmal nachgefragt, beim größten europäischen Automobilkonzern mit einer breiten Motorenpalette, bei Volkswagen.

Die Antwort ist in der Tat nicht einfach, weil es Motoren unterschiedlicher Jahrgänge und Konzepte gibt. Grund genug, dass sich eine pauschale Freigabe für den Betrieb mit Ethanol in irgendeinem Mischungsverhältnis mit herkömmlichem Kraftstoff von vornherein verbietet. Vermutlich trifft zu, dass mancher Autobesitzer der Ansicht ist, ihm müsse sich die gesamte Ethanol-Problematik gar nicht unbedingt erschließen. Wissen wolle er lediglich, ob das eigene Auto ohne Bedenken mit E10 betankt werden dürfe oder nicht. Kursierende Aussagen dazu sind widersprüchlich. Das verunsichert.

So mancher Autofahrer, vor allem als Pkw-Besitzer, möchte aber durchaus Verständnis dafür gewinnen, ab wann und warum ein bestimmter Ethanol-Anteil im herkömmlichen Kraftstoff dem Motor schaden kann. Warum ist Ethanol so aggressiv?

VW verweist zunächst darauf, dass Ethanol sogenannte Alkoholat-Korrosion gegenüber Aluminium auslöst, wenn es Bedingungen gibt, die solchen Vorgang fördern. Das können beispielsweise Strömungsgeschwindigkeiten und Temperaturen sein. Kleiner Trost: Alkoholat-Korrosion führt zu Langzeitschäden an Kraftstoffleitungen, nicht aber am Rumpfmotor.

Ethanol sorgt für die Versprödung von Elastomer-Dichtungen und -Leitungen, weil der Alkohol den Weichmachern zusetzt. Gefährdet sind auch Aluminiumbauteile ohne Schutzbeschichtung (Kraftstoffleitungen), im konkreten Fall etwa jene Hochdruckpumpe, die für die FSI-Motoren der ersten Generation verwendet wurde. Bei diesen Motoren seien aufgrund geänderter Anforderungen an die Einspritzung neue Hochdruckpumpen aus Aluminium zum Einsatz gekommen, die – so VW weiter – bisher für MPI-Saugmotoren (Multi Point Injektion) nicht genutzt worden seien. Die Pumpen waren in den ersten Jahren nicht durch eine chemische Schutzschicht gegen Kraftstoffe mit erhöhtem Alkoholgehalt geschützt.

Die Umstellung sei im Jahr 2004, in wenigen Ausnahmen 2006 erfolgt. Auch diese Motoren seien zunächst ja noch Saugmotoren gewesen. „Die heutigen aufgeladenen, direkt einspritzenden Motoren sind für E10 geeignet, da die Kraftstoff führenden Bauteile entsprechend ausgelegt sind.“

Die Aggressivität des Ethanols – zumindest bis zu einem bestimmten Prozentsatz – nehme mit dessen Anteil zu. Die heutige Kraftstoffnorm lasse einen Ethanolgehalt bis zu fünf Prozent zu. E5-Kraftstoff sei wesentlich unkritischer als E10. Volkswagen verweist auf das Argument, weil „nur ein sehr geringer Prozentsatz der Motoren keine E10-Eignung habe, sei „die Beschränkung auf eine Bestandsschutzsorte“ vorgesehen worden. Und da für einen Teil der Motoren ohnehin Super Plus erforderlich sei, sei als Bestandsschutzsorte Super Plus gewählt worden.

Wir fragten weiter, was passiert, wenn eines Tages an die Stelle des jetzt geplanten Kraftstoffs E10 die angenommene Qualität E20 tritt. VW erklärt: „Bei den Bestandsfahrzeugen ist mit E10 eine zulässige Grenze erreicht.“ Im Übrigen müsse neben der Ethanolverträglichkeit ja auch der Sauerstoffgehalt im Kraftstoff berücksichtigt werden, der mit zunehmender Ethanol-Zugabe steige. Bestimmte Grenzen dürften aber bei Bestandsfahrzeugen nicht überschritten werden, um die Abgasqualität und Abgasdiagnose zu gewährleisten.

Sollte Biomasse in einer Größenordnung zur Verfügung stehen, die zu einer weiteren Anhebung des Biokraftstoffanteils im Kraftstoff veranlasste, so sei das zunächst über die Verwendung von ETBE (Ethyl Tertiär Butyl Ether, ein Oktanverbesserer) bis zu einer Obergrenze von 3,7 Prozent Sauerstoff möglich. (Anmerkung von VW: Auch die „Bestandsschutzsorte“ könne über die Zugabe von ETBE zu fünf Prozent Ethanol eine ähnliche Bioquote erfüllen wie die neuen Kraftstoffsorten.)

Ohne Berücksichtigung von Bestandsfahrzeugen sei die Einführung von Kraftstoffssorten mit höherem Ethanolgehalt, angenommen zwischen 20 und 85 Prozent, für neue Fahrzeuge durchaus vorstellbar. Unter Berücksichtigung der Bestandsfahrzeuge aber käme – jetzt kommt Fachchinesisch! – „eine Blendung des Kraftstoffes mit sauerstofffreien synthetischen Kraftstoffkomponenten auf Basis von Biomasse“ infrage.

Fazit: Unter bestimmten Voraussetzungen könnte es demnach in Deutschland durchaus weitergehen mit der „Alkoholisierung“ von Pkws. Solange unterschiedlich konzipierte Motoren verschiedener Jahrgänge im Einsatz sind, haben Auto- und Motorradbesitzer aber Anspruch auf präzise Aufklärung, was sie künftig tanken dürfen und was nicht. Solchen Informationsservice ist jede Marke der Kundschaft einfach schuldig – wie er auch immer gehandhabt werden mag. (Wolfram Riedel/ar/PS)
(Entnommen aus der aktuellen Ausgabe des Branchen-Informationsdienstes PS-Automobilreport)


Beitrag zuletzt aktualisiert am 9. Mai 2020