NCAP-Test

Der NCAP-Test ist eine wichtige Überprüfung, ob ein neues Auto bei Unfällen hinreichend sicher ist. Während früher der Schutz der Insassen die einzige Rolle gespielt hatte, umfasst die Prüfung inzwischen den Schutz der Fußgänger beim Zusammenprall. Weltweit gibt es keinen einheitlichen Global NCAP-Test, sondern den US-NCAP für Nordamerika, den Latin-NCAP für Südamerika und den Euro-NCAP für Europa. Die Bewertung erfolgt mit Sternen, wobei ein Stern für sehr unsicher und fünf Sterne für sehr sicher steht. Er wird als Crashtest mit dem kompletten Fahrzeug durchgeführt, wobei die passive und die aktive Sicherheit getestet werden. In der aktuellen Ausführung werden vier Testbereiche bewertet. Dazu zählen der Schutz erwachsener Insassen, Fußgängerschutz, Schutz von Kindern sowie Bewertung von unterstützenden Sicherheitssystemen, die nicht von Gesetzes wegen vorgeschrieben sind. Generell gilt, dass die Tests bestimmte Unfallszenarien nachbilden sollen, welche häufig in der Unfallstatistik vertreten sind.

Schutz erwachsener Insassen

Hierfür werden vier separate Crashtests durchgeführt. Zunächst wird mit dem Offset-Frontalcrash begonnen, bei dem das Fahrzeug auf eine Aluminiumbarriere prallt. Damit soll ein Zusammenstoß von zwei Fahrzeuge simuliert werden. Der zweite Test wird als Full-Width-Frontalcrash bezeichnet, wobei das Fahrzeug auf eine starre Barriere prallt. Es gelten strikte Grenzwerte für die maximal zulässigen Verzögerungskräfte, welche auf den Brustkorb wirken und eine starke Brustkorbverformung verursachen würden. Aufgrund dieser Anforderungen waren die Hersteller gezwungen, adaptive Rückhaltesysteme wie Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer zu verwenden. Bei den beiden abschließenden Crashtests werden Unfälle mit Seitenaufprall simuliert. Zunächst wird beim Fahrzeug-Seitenaufprall der Aufprall eines anderen Fahrzeugs von der Seite durch eine deformierbare Barriere gegen die Fahrertür getestet. Als letztes wird beim Pfahl-Seitenaufprall der Anprall an einen Baum oder einen Mast mit der Fahrzeugseite abgebildet. Um das Ergebnis bewerten zu können, werden Crash-Test-Dummys auf die Vordersitze gesetzt und die Sitze auf die tiefste Position eingestellt. Neben den reinen Messwerten hinsichtlich der auftretenden Belastungen auf verschiedene Körperteile wie Kopf, Beine, Brustkorb usw. werden weitere Kriterien heran gezogen. Es werden Punkte abgezogen, wenn harte und nicht verformbare Strukturen dort angebracht sind, wo die Dummys respektive die Insassen mit Knien und Schienbeinen anprallen können.

Fußgängerschutz beim NCAP-Test

Gerade Kinder sind bei diesen Unfallszenarien besonders im Fokus, da bei erwachsenen Personen vor allem der untere Körperbereich getroffen wird, bei Kindern aufgrund ihrer geringen Körperhöhe jedoch der Brust- und Kopfbereich. Da in der Vergangenheit der Fußgängerschutz nur eine untergeordnete Rolle gespielt hatte, wurden Bestnoten in der Regel nicht erreicht und meist nur drei von fünf Sternen vergeben, wobei dieselben Fahrzeuge Bestnoten für den Insassenschutz bekamen. Beim passiven Fußgängerschutz geht es darum, scharfkantige und spitze Bereich zu vermeiden. Bei den aktiven Systemen handelt es sich um Technik, die automatisch beim Aufprall aktiviert werden kann, um zum Beispiel die Motorhaube einige Zentimeter anzuheben und so mehr Raum für Deformationen zu schaffen.

Schutz von Kindern

Um den Schutz von Kindern als Insasse zu bewerten, befinden sich zwei Kinderdummys entsprechend einem 6-jährigen und einem 10-jährigen Kind auf den Rücksitzen. Sie werden in vom Fahrzeughersteller separat angebotene oder von diesem empfohlene Kindersitze gesetzt. Die Bewertung erfolgt analog zur Bewertung von erwachsenen Personen hinsichtlich der auftretenden Belastungen je nach Körperpartie. Aus diesem Grund haben inzwischen viele Hersteller eigens entwickelte und auf das Fahrzeug abgestimmte ins Programm aufgenommen. Ebenfalls ist zu bemerken, dass mehr und mehr Fahrzeuge mit fest verankerten Befestigungspunkten für Kindersitze namens ISOFIX ausgerüstet werden.

Unterstützende Sicherheitssysteme

In dieser Bewertungskategorie wird auf das in den letzten Jahren stark gewachsene Feld der unterstützenden Sicherheitssysteme eingegangen. Dafür wird die Ausstattung mit elektronischen Fahrdynamikregelungen, Geschwindigkeitsbegrenzungsanlagen, Gurtwarnern und Spurhalteassistenten getestet und positiv angerechnet. Da bestimmte Sicherheitssysteme nach einer gewissen Zeit in die gesetzlichen Anforderungen aufgenommen werden, zählen sie ab dann nicht mehr zu den unterstützenden, sondern gesetzlich vorgeschriebenen Systemen. Dies trifft auf die elektronischen Fahrdynamikregelungen zu, so dass diese aktuell nicht mehr positiv in die Bewertung einfließen, sondern bei allen getesteten Fahrzeugen vorhanden sein müssen.

Kritik am NCAP-Test

Generell gilt, dass die Bewertungen nur innerhalb einer Fahrzeugklasse zu vergleichen sind, weil die Crashtests mit Fahrzeugen in einer Klasse ausgeführt werden müssen. Daraus resultiert, dass größere und vor allem schwerere Fahrzeuge innerhalb einer Fahrzeugklasse aufgrund ihrer größeren Masse deutlich besser abschneiden als kleinere und damit leichtere Fahrzeuge. Dies spiegelt sich auch in den Unfallstatistiken wider, wo das Risiko eines tödlichen Unfalls für Insassen leichterer Fahrzeuge signifikant höher liegt. Da der Euro-NCAP bei der Fahrzeugkonzeption berücksichtigt wird, werden die Entwicklungsziele entsprechend festgelegt. Das ist zum einen positiv, weil so deutlich sicherere Fahrzeuge kommen. Zum anderen werden die Fahrzeuge aber bewusst auf die Crashtests hin optimiert. Das bedeutet, dass alle Aussagen nur im Rahmen dieser Testbedingungen gelten und bereits geringe Änderungen zu gravierenden Unterschieden führen können. So zeigte sich in einer Studie aus dem 2012, dass eine Verringerung der Überdeckung wesentlich schwerere Verletzungen zur Folge hat. Die getesteten Fahrzeuge hatten vorher beim Euro-NCAP alle die Bestnote von fünf Sternen erhalten. In der Studie bekamen nur noch zwei der elf Fahrzeuge eine gute oder akzeptable Note, die anderen fielen durch.


Beitrag zuletzt aktualisiert am 13. Februar 2017