Sekundenschlaf vermeiden

Der Sekundenschlaf beschreibt das kurzzeitige einnicken (einschlafen) des Fahrers am Steuer. Müdigkeit am Steuer ist ein unterschätztes Unfallrisiko im Straßenverkehr. In der Unfallstatistik wird Übermüdung für nur 0,5 Prozent aller schweren Unfälle als Ursache deklariert. Die Dunkelziffer liegt laut Experten jedoch weitaus höher. Jeder übermüdete Autofahrer hat das Risiko dem Sekundenschlaf zu verfallen und so zur Gefahr für andere zu werden. Dabei steigt das unfallrisiko ähnlich stark wie bei Alkohol.

„Das Risiko, am Steuer einzuschlafen und dadurch zu verunglücken, ist erwiesenermaßen mit einem schlafenden Beifahrer deutlich höher als mit einem wachen, der den Fahrer bei Laune hält.“ Schlafforscher Jürgen Zulley

Brennende Augenlider, häufiges Gähnen und unwillkürliches Frösteln gehören zu den klassischen Anzeichen für Müdigkeit, die wir alle kennen und schon einmal beim Autofahren erlebt haben. Dabei sollte man sich selbst genau beobachten um nicht vom plötzlichen Sekundenschlaf überrascht zu werden. Bei zufallenden Augen, plötzlichem Erschrecken und ruckartigen, unwillkürlichen Kopfbewegungen war der Fahrer bereits im Sekundenschlaf.

Autofahrer im Mikroschlaf
Zufallenden Augen, plötzlichem Erschrecken und ruckartigen, unwillkürlichen Kopfbewegungen sind anzeichen dafür dass man als Fahrer schon im Mikroschlaf war.

Typische Warnsignale:

  • häufiges Gähnen
  • plötzliches Frösteln
  • starkes Bewegungsbedürfnis
  • Schwierigkeiten die Spur zu halten
  • das Gefühl dass die Straße sich verengt

Laut einer Umfrage des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) ist jeder vierte Autofahrer schon mindestens einmal am Steuer eingenickt.

Gerade zur Reisezeit betrifft dies viele Autofahrer. Das Problem: Die meisten Autofahrer überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten. Dabei führt Müdigkeit nicht nur zu Konzentrationsproblemen, sondern auch zu einer verminderten Reaktionszeit.

Das kurze einnicken von drei Sekunden bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h bedeutet über 80 Meter Blindflug. In dieser kurzen Zeit können ein schwerer Unfall verursacht und Menschenleben gefährdet werden. Dennoch unterschätzen viele diese Gefahr:

Müdigkeit am Steuer findet wenig beachtung

Foto: Müde Fahrerin DVR
Wer unterwegs erste Anzeichen von Übermüdung wie häufiges Gähnen und schwere Augenlider verspürt, sollte dringend eine Pause einlegen und kurz schlafen.
  • 45 % glauben, Müdigkeit durch Fahrerfahrung ausgleichen zu können
  • 43 % der Autofahrer meinen sie merken den Sekundenschlaf
  • 17 % fahren trotz Müdigkeit weiter

Wenn die Fahrt gegen die inneren Uhr angetreten wird, ist die Gefahr von Sekundenschlaf besonders groß. Zwischen zwei und fünf Uhr morgens sowie am Nachmittag gegen 14 Uhr (Tagesmüdigkeit) befindet sich der Mensch in einem biologischen Tief. Dies sollten Autoreisende bei Fahrten in die Ferien beachten. In der Nacht aufzubrechen, um den großen Staus zu entgehen, geht im Zweifelsfall auf Kosten der Sicherheit. Aber auch außerhalb dieser Zeiten können Autofahrer unter schlafmangel leiden, vor allem dann, wenn die Fahrt lange dauert und die Strecke besonders monoton verläuft.

Um der Gefahr von Müdigkeit am Steuer vorzubeugen, ist eine gute Planung nötig. Die Fahrt sollte nur ausgeschlafen angetreten werden und beispielsweise nicht nach einem langen Arbeitstag. Während der Fahrt sind regelmäßige Pausen wichtig. Der ADAC empfiehlt den Schlafdefizit durch eine Pause auszugleichen. Alle zwei Stunden sollte man eine Pause einlegen und sich dabei an der frischen Luft bewegen. Wer müde ist und den schlafmangel schon bemerkt, kann ein Nickerchen zwischen 10 und 20 Minuten machen. Wer noch mehrere hundert Kilometer vor sich hat, sollte eine außerplanmäßige Übernachtung einlegen. Das ist viel sicherer als beim Sekundenschlaf einen Unfall zu haben.

Zur Aufklärung startete der DVR mit Unterstützung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sowie weiterer Partner die Kampagne „Vorsicht Sekundenschlaf!“ gegen Müdigkeit am Steuer gestartet.

Ziel ist es alle Autofahrerinnen und Autofahrer auf die Gefahr von Müdigkeit am Steuer aufmerksam zu machen und zu zeigen, dass langfristig vor allem das Sicherstellen eines gesunden Wechsels von Schlaf- und Wachzeiten und akut vor allem eine Pause mit einem Kurzschlaf oder etwas Bewegung dagegen hilft. Denn nur wer ausgeschlafen und konzentriert unterwegs ist, schützt sich und andere Verkehrsteilnehmer und kommt sicher am Ziel an. Mehr Informationen auf der Webseite.

Fahrerassistenzsysteme können auf ein verändertes Fahrverhalten hinweisen. Spurhalteassistent und Auffahrwarnsysteme haben jedoch nur eine unterstützende Funktion und können einen Einschlafunfall nicht verhindern.

4 Mythen zum Sekundenschlaf

Mythos 1: Wer Kaffee oder Energydrinks trinkt, schläft nicht ein
Falsch: Koffein kann die Aufmerksamkeit nur kurzfristig erhöhen. Es ist in Kaffee, Energydrinks, schwarzem Tee und Schokolade enthalten. 30 Minuten nach der Einnahme beginnt die Wirkung und hält für circa zwei bis drei Stunden an. Wer sehr schläfrig ist, kann jedoch trotz Koffeins in einen Sekundenschlaf fallen.
Autofahrer merken, wenn sie kurz vor dem Einschlafen sind
Falsch: Die Müdigkeit bemerkt man, das Einschlafen selbst nicht. Wer müde ist, schläft irgendwann auch ein. Der Zeitpunkt lässt sich nicht vorhersagen, es passiert plötzlich. Bereits eine Sekunde kann dabei tödlich sein.
Wer genügend Fahrpraxis hat, kann die Müdigkeit ausgleichen
Falsch: Ähnlich wie alkoholisierte Autofahrer merken schläfrige Fahrer nicht, wie beeinträchtigt sie tatsächlich sind und überschätzen ihre Fähigkeiten. Auch wer viel Erfahrung hat, gefährdet somit sich und andere Verkehrsteilnehmer.
Bei Übermüdung hilft es, ein Fenster zu öffnen oder die Musik laut aufzudrehen
Falsch: Zwar können beide Maßnahmen den Fahrer für kurze Zeit fitter machen. Der Effekt ist allerdings schnell vorüber. Außerdem unterschätzen Autofahrer dabei noch mehr, wie müde sie tatsächlich sind.

Um fit zu bleiben, sind ausreichend Flüssigkeit und eine leichte Kost wichtig. Zum Trinken empfehlen sich Wasser, Fruchtschorle und ungesüßte Früchtetees. Urlauber sollten für die Pausen gut verdauliche Zwischenmahlzeiten wie Obst, Rohkost und Vollkornbrötchen einpacken.


Beitrag zuletzt aktualisiert am 31. August 2018

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