Autokauf: Neu oder Gebraucht?

Besser neu oder gebraucht?

Wer auf der Suche nach einem neuen Wagen ist, wird auf diesem Wege alle Parameter genau betrachten. Schließlich haben zahlreiche Faktoren einen Einfluss auf den Gesamtpreis, der am Ende zu bezahlen ist. Die individuelle Mobilität stellt in Deutschland bis heute ein hohes Gut dar. Aus diesem Grund sind die Verbraucher weiterhin bereit, hohe Summen in die Hand zu nehmen. Doch lohnt sich die Investition in ein neues Fahrzeug wirklich, welches noch den Neuwagenduft in sich trägt? Und was spricht für den Kauf eines Gebrauchtwagens?

Neuwagen oder gebraucht Teaser
Neu oder Gebraucht? Beide Autotypen haben vor und Nachteile. Schau dir unseren Artikel:

Durchschnittlicher Neupreis gestiegen

Wer sich für den Kauf eines neuen Wagens interessiert, muss dafür in diesen Jahren tief in die Tasche greifen. Bereits im Jahr 2017 stieg der durchschnittliche Preis eines Neuwagens auf mehr als 30.000 Euro. Im Jahr 2012 wurde dieser durchschnittliche Wert noch mit rund 26.000 Euro beziffert. Es muss somit sehr viel Eigenkapital vorhanden sein, um den Kauf überhaupt abseits von jeder Finanzierung und wirtschaftlicher Unterstützung geregelt durchführen zu können und sich die Dienste des neuen Autos zu sichern.

Nach der Meinung der Experten ist der allgemeine Anstieg der Preise jedoch nicht darauf zu schieben, dass die Hersteller mehrere tausend Euro mehr für ihre Modelle verlangen. Stattdessen erhöhte sich in Deutschland in den letzten Jahren der Anteil jener Autos, welche der Oberklasse zugeordnet werden können. Marken wie Audi, BMW, Mercedes oder Porsche ist es gelungen, sich an eine sehr breite Zielgruppe zu richten. Die teuren Karossen wirken sich schnell auf den durchschnittlichen Preis aus und treiben diesen letztlich in die Höhe. Dies zeigt sogleich, dass die Bereitschaft vorhanden ist, viel Geld in ein Auto der Oberklasse zu investieren.

Der Wertverlust ist gravierend

Verbraucher sehen andererseits den deutlichen Wertverlust, den sie mit dem Kauf eines Neuwagens gänzlich in Kauf nehmen müssen. Bereits auf den ersten 1.000 Kilometern kann der Wert des Wagens um bis zu zehn Prozent abnehmen. Wer dies nicht einfach nur hinnehmen möchte, kann sich für spezielle Formen der Finanzierung entscheiden. Dazu zählen etwa die Ballonfinanzierungen, die auf niedrigen monatlichen Raten aufbauen und keine nennenswerte Anzahlung voraussetzen. Die niedrigen Raten dienen lediglich dazu, den laufenden Wertverlust des Wagens auszugleichen. Der Restbetrag, der nach dem Ablauf des Vertrags noch offen steht, entspricht damit dem Wert des nun gebrauchten Wagens. Nun kann der Vertragspartner entweder eine Anschlussfinanzierung starten und den Wagen übernehmen, oder ihn direkt verkaufen. Mit dem Erlös sollte es möglich sein, den Restbetrag zu tilgen.

Die Ballonfinanzierung konnte in den vergangenen Jahren vor allem Menschen mit einem geringen Einkommen zugute kommen. Diese würden in besonderer Weise unter dem rapiden Wertverlust des Wagens leiden. Da dieser über die ganze Vertragslaufzeit ausgeglichen werden kann, fällt es letztlich leichter, den Erwerb des Wagens mit der eigenen finanziellen Situation in Einklang zu bringen.

Ein solcher Ausgleich des Wertverlustes ist beim Leasing kaum gegeben. Dennoch entschieden sich in den vergangenen Jahren viele Verbraucher dafür, genau diesen Weg zu gehen. Dort besteht in vielen Fällen die Gefahr einer Falscheinschätzung. Da sich der hohe Kaufpreis des gewünschten Autos aufgliedert, scheint dieser plötzlich ohne Mühen finanzierbar zu sein. Hinzu kommt die stark variierende Attraktivität der einzelnen Angebote. Inzwischen konkurrieren in diesem Sektor zahlreiche Unternehmen um die begehrtesten Angebote. Da nicht immer die Transparenz oberstes Gebot ist, bleibt es für den Kunden wichtig, einen großflächigen Vergleich anzustellen. Bleibt dieser aus, so drohen letztlich zusätzliche Kosten, die in dieser Form nicht beabsichtigt waren.

Jahreswagen als Alternative?

Gerade der Wertverlust, der auf den ersten Kilometern entsteht, stellt für Autokäufer heute ein großes Manko dar. Aus diesem Grund gibt es immer mehr Menschen, die einen Jahreswagen als die passende Alternative ansehen. Dieser war bereits rund ein Jahr auf der Straße unterwegs und hat damit den intensivsten Wertverlust bereits hinter sich. Wer zu einem solchen Fahrzeug greift, kann in der Folge auf den gefahrenen Kilometern des Vorgängers aufbauen. Die ersten Inspektionen hat das Auto in diesem Fall ebenfalls erhalten. Letztlich ergibt sich daraus eine hohe technische Zuverlässigkeit, die auch dem neuen Besitzer zugute kommt.

Doch warum entscheidet sich nun nicht jeder Suchende für die so vorteilhaften Jahreswagen? Die folgenden Einschnitte müssen bei der Entscheidung für einen Jahreswagen akzeptiert werden:

  • verkürzte Garantiezeit
  • Mietwagen mit unzähligen Fahrern werden angeboten
  • stark variierende Konditionen

Ein wesentlicher Nachteil, der mit dem Erwerb verbunden ist, liegt in der verkürzten Garantiezeit. Diese Garantie, die durch den Hersteller ausgesprochen wurde, gilt in der Regel für fünf Jahre. Eines davon ist durch den Vorbesitzer bereits verstrichen. Zudem ist nicht jeder Händler dazu bereit, selbst für die Verlängerung der Garantie einzustellen. So kommt es in vielen Fällen zu einer schwachen Absicherung des Käufers. Auch die Auswahl der Ausstattung des Wagens und der Blick auf mögliche Extras ist nun nicht mehr möglich. All diese Nachteile müssen in Kauf genommen werden, um sich die Ersparnis der ersten Kilometer zu sichern.

Gebrauchtwagen bergen eigene Risiken

Gebrauchtwagen Angebot
Gebrauchter für unter 10.000 Euro beim Händler
Anhand dieser Faktoren könnten einige Verbraucher auf die Idee kommen, sich direkt dem Markt der Gebrauchten zuzuwenden. Tatsächlich befindet sich dieser aktuell in einer sehr guten Verfassung. Dies ist auf die hohen Zahlen der Neuzulassungen in den letzten Jahren zurückzuführen. Diese trugen ganz wesentlich dazu bei, dass heute zahlreiche Gebrauchtwagen angeboten werden. Aus der Fülle des Angebots ergeben sich immer wieder ansprechende Preise. Dabei ist der Begriff des Gebrauchtwagens eigentlich bereits zu grob gefasst. Denn darunter fallen sowohl hochwertige Fahrzeuge, die kaum mehr als ein Jahr auf den Straßen unterwegs waren, als auch sehr alte Modelle, die ihre technische Zuverlässigkeit längst hinter sich gelassen haben.

Wer sich für einen Gebrauchtwagen entscheidet, tut letztlich gut dran, einen Blick auf die Erfahrungen zu werfen, die andere bereits mit dem Modell gesammelt haben. Oft geht daraus hervor, ob es klare Schwachstellen gibt, die im Laufe der Zeit immer wieder aufbrechen. Sollte etwa die Lenkung der langen Distanz von mehr als 100.000 Kilometern nicht gewachsen sein, oder der Motor beginnt ab dieser Laufleistung Schwierigkeiten zu bereiten, so müssen diese Risiken mit in den Preis einkalkuliert werden. Während es gerade bei zuverlässigen Modellen gut möglich ist, noch über Jahre sicher und ohne hohe Kosten auf den Straßen unterwegs zu sein, bietet sich diese Chance längst nicht bei jedem Wagen. So schwebt hinter dem Kauf eines Gebrauchten stets die Gefahr, schon bald hohen Kosten ins Auge blicken zu müssen und damit das Verhältnis von Preis und Leistung maßgeblich zu verschlechtern.

Autoprüfung vor dem Kauf.
Es gilt oft gekauft wie besichtigt, deshalb lieber auch die offensichtlichen Sachen und Details nochmal nachprüfen. Nach der Zahlung wird das alles komplizierter.

Unter dem Strich spielt deshalb auch ein Stück Glück beim Erwerb eines Gebrauchtwagens mit. Wem es gelingt, zu einem technisch zuverlässigen Auto zu finden, der kann damit sicher und günstig auf der Straße unterwegs sein. Doch die Kosten pro gefahrenem Kilometer erhöhen sich schlagartig, sobald an dieser Stelle die ersten Reparaturen anfallen. Wie groß die Kreise sind, die der Schaden des Verschleißes letztlich nach sich zieht, lässt sich in vielen Fällen nicht sagen. Der Zugriff auf ein technisch zuverlässiges Modell, welches erst vor kurzer Zeit die Hallen des Herstellers verlassen hat, bleibt in den Augen der Käufer dennoch ein gewichtiges Argument, welches gegen den Kauf eines Gebrauchtwagens spricht, dessen Vorgeschichte oft im Dunklen bleibt.

Werkstattkauf oder Privatangelegenheit?

Der wohl größte Dualismus, den es vor dem Kauf des Wagens zu beantworten gilt, ist der Ort des Kaufs. Zunächst gibt es in Deutschland zahlreiche Werkstätten, die ihren Kunden Zugriff auf den Markt der Gebrauchten bieten. Häufig sind diese auch auf den gängigen Portalen im Internet zu finden. Dies macht es leichter, die Auswahl aus einem breit gefächerten Angebot zu treffen. Der Vorteil des Werkstatt Kaufs liegt ohne Zweifel darin, dass die Experten im Vorfeld einen prüfenden Blick auf die Technik werfen. Zeigen sich schon kurz nach dem Kauf starke technische Mängel, so fällt dieser Umstand auch auf den Ruf der Werkstatt zurück. Häufig findet eine Überholung aller wichtigen Verschleißteile statt, die auf den nächsten Kilometern mehr Sicherheit am Steuer gewähren kann.

Negativ zu bewerten sind die höheren Kosten, wie sie zumeist bei professionellen Händlern anfallen. Auch die technischen Prüfungen und Eingriffe am Fahrzeug werden in den Preis für den Wiederverkauf eingerechnet. Da sich die Experten zudem darüber im Klaren sind, wie der Wert des Wagens zu taxieren ist, bietet sich dort praktisch nie die Möglichkeit, ein Schnäppchen zu machen. Der Preis für die technische Sicherheit, die mit diesem Weg verbunden sein kann, ist somit bereits in den Erwerb des Wagens eingerechnet.

Mit der Möglichkeit, eigene Anzeigen zu schalten, ist auch eine große Auswahl an privaten Verkäufern verbunden. Diese Privatpersonen können ebenso für den Kauf ausgewählt werden. In der Praxis sind sie selten dazu in der Lage, den Wert ihres Wagens ganz genau zu bestimmen. Stattdessen richten sie sich nach ähnlichen Angeboten und passen den geforderten Preis daran an. Während manche Verkäufer ihr Fahrzeug mit vielen Erinnerungen in Verbindung bringen und auf diese Weise auf exorbitante Liebhaberpreise kommen, findet an anderer Stelle eine deutliche Unterschätzung statt. Hier kann sich dann die Gelegenheit bieten, den Wagen unter Wert zu kaufen und die Unwissenheit des Verkäufers zu nutzen.

Da der Kauf von Privatpersonen nicht mit einer technischen Prüfung im Vorfeld verbunden ist, ergibt sich daraus ein gewisses Risiko für den Käufer. Tatsächlich kann nicht genau bestimmt werden, ob die Beschreibung des Wagens tatsächlich dem aktuellen Zustand entspricht. Käufer sind deshalb gut damit beraten, sich professionelle Unterstützung für diesen Weg zu holen. Vertraute Personen mit Fachkenntnissen sind dazu in der Lage, mit einem kurzen Blick unter den Wagen dessen Zustand genauer zu beurteilen. Zeigen sich dort akute Mängel, die auf einen baldigen Bedarf für neue Investitionen hinweisen, so ist es noch immer möglich, Abstand von jenem Geschäft zu nehmen und ein anderes Auto als Favoriten zu betrachten.

Der Blick auf die Schwacke-Liste lohnt sich

Wem jegliche Anhaltspunkte für die Taxierung des Gebrauchtwagens fehlen, für den lohnt sich der Blick auf die Schwacke-Liste. Käufer können dort alle wichtigen Grunddaten des Modells eingeben und erhalten eine präzise Preisangabe. Da die Zahl der gefahrenen Kilometer, das Baujahr und die Ausstattung in der Regel aus den Anzeigen hervorgehen, ist es bereits vor der Besichtigung des Wagens möglich, sich einen Eindruck von der Fairness des Angebots zu machen. Geht daraus hervor, dass der Verkäufer den auf der Schwacke-Liste eingetragenen Preis um mehr als fünf Prozent überschreitet, so lohnt es sich kaum mehr, das Angebot weiter in Betracht zu ziehen und auf seine Nutzung zu setzen.

Die Probefahrt nutzen

Im Bereich des Gebrauchtwagenkaufs ist auch die Probefahrt von besonders großer Bedeutung. Bei einem Neuwagen ist sie allenfalls dazu geeignet, sich einen Eindruck vom Fahrgefühl zu verschaffen, welches das Modell des Herstellers bietet. Bei gebrauchten Autos zeigen sich viele akute Mängel erst dann, wenn der Wagen auf seinem eigentlichen Terrain unterwegs ist. Dabei empfehlen Experten immer wieder, den Wagen nicht nur im Schongang zu fahren. Stattdessen lohnt es sich, dessen Beschleunigung zu testen und ihn auch im Geschwindigkeitsbereich über 100 Kilometer pro Stunde zu testen. Das verräterische Klopfen des Motors tritt vielleicht erst in diesem Bereich auf und kann ein wichtiges Argument bei der späteren Verhandlung des Preises sein.

Der passende Kauf für jeden Kunden

In Anbetracht all dieser Faktoren ist es demnach nicht möglich, zu einem eindeutigen Für oder Wider zu kommen. Tatsächlich ist der Kauf eines Neuwagens trotz des gestiegenen durchschnittlichen Preises heute für viele Menschen erschwinglich. Dank passender Finanzierungsangebote kann der deutliche Wertverlust der ersten Kilometer effektiv ausgeglichen werden. Darüber hinaus bieten ungefahrene Autos bis heute die Möglichkeit, über ein Plus an technischer Zuverlässigkeit zu verfügen. Teure Reparaturen liegen zu diesem Zeitpunkt noch weit in der Ferne und müssen deshalb kaum in den Kauf mit eingerechnet werden.

Während die Jahreswagen Preisvorteile bieten, dafür allerdings eine klar verkürzte Garantie an den Tag legen, floriert der Markt der Gebrauchten weiterhin. Ein geringeres Einkommen muss nicht der einzige Grund sein, um sich für diesen Weg zu entscheiden. Das erhoffte gute Verhältnis von Preis und Leistung verbirgt sich bei Weitem nicht hinter jedem Modell, das dort zum Verkauf angeboten wird. Aus diesem Grund muss etwas mehr Zeit in die Auswahl der Angebote investiert werden. Darüber hinaus ist Fachkenntnis von Vorteil, um auch den in den Verhandlungen vorhandenen Spielraum zu den eigenen Gunsten zu nutzen.


Beitrag zuletzt aktualisiert am 5. Dezember 2018