Strukturwandel in der Autoindustrie

Viele deutsche Unternehmen können das große Potenzial der Industrie 4.0 nicht ausschöpfen. Die Ursache: Es fehlen tausende Experten für die vernetzte Fertigung. „Wir brauchen dringend Spezialisten, die einerseits Produkte und Fertigungslinien kennen und andererseits große Datenmengen analysieren können“, sagte Bosch-Geschäftsführer Dr. Werner Struth am Mittwoch. „Industrie 4.0 erfordert Experten, die über ihr Fachgebiet hinausblicken“, ergänzte er mit Blick auf den Nationalen IT-Gipfel in Berlin. Struth verantwortet bei Bosch unter anderem die Fertigungskoordination in den weltweit mehr als 250 Werken. Beim IT-Gipfel wird unter anderem eine Online-Landkarte mit 100 deutschen Industrie-4.0-Beispielen präsentiert, 15 davon stammen von Bosch. „Sie zeigen, wie Industrie 4.0 Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit steigert“, sagte Struth. Zugleich begrüßte er, dass es mit dem aktuellen Referenzarchitekturmodell Industrie 4.0 eine gemeinsame Grundlage gibt, um die Potenziale der Industrie 4.0 für den Standort Deutschland zu nutzen: „Auf dieser guten Basis kann aus vernetzten Unternehmen die vernetzte Industrie werden.“

Franz Fehrenbach, Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung, sieht momentan die Verlagerung des automobilen Wachstums in Schwellenländer, die Entwicklung neuer Antriebskonzepte und weltweit verschärfte Vorgaben für Umwelt- und Unfallschutz. Die Automobilindustrie bewältige nicht nur die Folgen der seit langem schärfsten Rezession, sie stehe auch vor einem großen Innovationsschub.

Der Umsatz der Bosch-Gruppe sinkt 2009 voraussichtlich um etwa 15 Prozent auf eine Größenordnung von 38 Milliarden Euro. In der Kraftfahrzeugtechnik geht er möglicherweise um rund 20 Prozent zurück. Ende 2009 wird die Bosch-Gruppe mit voraussichtlich 270.000 rund 10.000 Mitarbeiter weniger als zu Beginn des Jahres haben. Die Beschäftigtenzahl in der Kraftfahrzeugtechnik sinkt von 168.000 auf rund 160.000. Derzeit sind im Unternehmen weltweit rund 100.000 Mitarbeiter mit verkürzten Arbeitszeiten tätig.

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In den jüngsten Monaten sieht Fehrenbach, ausgehend von sehr niedrigem Niveau, eine leichte Aufwärtstendenz. Er erwartet, dass der Umsatz im vierten Quartal, gemessen am schwachen Vorjahreszeitraum, wieder zunimmt. Grundsätzlich dürfte ein Basiseffekt auch im nächsten Jahr das Wachstum begünstigen.

An erster Stelle stehen bei Bosch die Maßnahmen zur Umwelt- und Ressourcenschonung. Dafür gibt das Technologieunternehmen die Hälfte des Gesamtaufwands für Forschung und Entwicklung aus. Dabei gilt es, beim Verbrennungsmotor den Kraftstoffverbrauch um 25 bis 30 Prozent zu senken und dementsprechend die CO2-Emissionen.

Parallel arbeitet Bosch mit Hochdruck an alternativen Antrieben für Hybridfahrzeuge und vollelektrische Automobile sowie an Lithium-Ionen-Batterien als Energiespeicher für diese Fahrzeuge. 400 Mitarbeiter sind derzeit mit Konzepten für Hybrid- und Elektrofahrzeuge beschäftigt. Bis Jahresende werden es annähernd 500 sein. Zusätzlich forcieren derzeit mehr als 400 Beschäftigte im Joint Venture SB LiMotive die Serieneinführung der Batterien für den elektrischen Antrieb. (ampnet/nic)


Beitrag zuletzt aktualisiert am 24. Januar 2017

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