Cadillac-Chef: Mit Kriegsrhetorik Richtung Audi, BMW und Mercedes

Picture

Ungewöhnlich martialisch hat Cadillac-Chef Johan de Nysschen die Wachstumsoffensive der GM-Luxus-Marke in Europa verbal untermauert. Wenn man gegen Audi, BMW und Mercedes bestehen wolle, werde das ein „brutaler Krieg“. Und wenn man in den Krieg ziehe, brauche man die richtigen Waffen, zitiert IHS Automotive aus einem Analysten-Gespräch mit dem Top-Manager.

Für den Ex-Audi-Manager und vormaligen Infiniti-Chef ist der Erfolg in Europa ein zentrales Ziel, um Cadillac als wirkliche globale Luxusmarke zu etablieren. Dazu äußerte sich der gebürtige Südafrikaner ebenfalls in Genf gegenüber der AUTOMOBIL PRODUKTION – zwar weniger martialisch, aber nicht weniger deutlich. Defizite für den globalen Erfolg sieht er demnach im Produktportfolio, bei der Motorisierung und im unzureichenden Vertriebsnetz in Europa. Erst vor wenigen Tagen hat Cadillac den Ex-BMW-Manager Andreas Schaaf mit Wirkung zum 1. Juli zum neuen Europa-Chef ernannt. Auf ihn wartet ordentlich Arbeit: aktuell hat die GM-Luxusmarke lediglich 46 Händlerbetriebe in Europa, Russland ausgenommen. Mehr braucht es aber auch nicht: Bis 2018 werde die Marke in Europa beim Absatz unter 1.000 Einheiten verharren, prognostiziert IHS, erst 2019 sehen die Experten einen Sprung auf 2.300 Fahrzeuge – dann soll ein C-Segment SUV und die nächste Generation des ATS den Absatz beleben.

Für de Nysschen sind neue Modelle und neue Motoren der Schlüssel auf dem Weg zu globaler Präsenz. Viel zu stark ist dem seit Herbst amtierenden Cadillac-Chef das Design noch auf den amerikanischen Geschmack zugeschnitten. Damit erreiche man höchstens 55 Prozent der potenziellen Käufer in aller Welt. Zudem fehle es an den richtigen Modellen und Motorisierungen. Mit Blick auf das boomende SUV-Segment bedauerte er gegenüber der AUTOMOBIL PRODUKTION, dass ausgerechnet Cadillac als US-Markenikone im „explosiv wachsenden“ SUV-Segment gerade mal einen SUV und ein Crossover-Modell im Angebot habe, während man die Modelle der deutschen Premiummarken an zwei Händen nicht abzählen könne: „Wir schauen zu und haben keine Möglichkeit, einzugreifen.“

Eingreifen will de Nysschen zeitnah bei den Motoren. Hier kündigte er eine neue Familie an 4- und 6-Zylindern an. Zwar werde man keine eigene Motorenentwicklung aufbauen, man werde aber auf Basis der GM-Motorenpalette Aggregate auf die speziellen Bedürfnisse von Cadillac verfeinern. Diese Motoren sollen dann ausschließlich in Cadillac-Modellen eingesetzt werden. (dpp-AutoReporter)


Beitrag zuletzt aktualisiert am 20. März 2015

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*