Michael Minis Interview über Carsharing

Collaborative Consumption ist derzeit das Thema in der Konsumwelt: In immer mehr Bereichen verzichten viele Verbraucher auf Neuware und nutzen die bestehenden Güter stattdessen lieber gemeinschaftlich, kaufen Gebrauchtes oder tauschen. Im Automobilmarkt schlägt sich dieser Trend in Form von Carsharing nieder. Michael Minis, Gründer und Geschäftsführer von Deutschlands größter privater Carsharing-Plattform tamyca (www.tamyca.de), erläutert die Hintergründe, Vorteile und Wachstumschancen der Bewegung im Interview.

Woher kommt der Trend des Teilens? Was hat sich in den Köpfen der Menschen verändert?
Insgesamt haben viele Faktoren, wie der Klimawandel oder die Wirtschaftskrise zu einem Umdenken innerhalb der Gesellschaft hin zu einem nachhaltigeren Leben geführt. Nutzen statt Besitzen rückt immer mehr in den Fokus vieler Menschen. Verbraucher wollen heutzutage nicht mehr nur über die Herkunft von Produkten informiert sein, sondern auch selbst etwas zur Verbesserung der angespannten Situation tun. Die gemeinsame und nachhaltige Nutzung von Konsumgütern wie Kleidung oder Autos ist dabei leicht umzusetzen und hat einen großen Effekt: Der Konsum wird zunächst bewusster, was meist dazu führt, dass die Menschen weniger konsumieren und somit ihr Leben etwas sozial- und umweltverträglicher gestalten. Nachdem Rachel Botsman dieses Prinzip in ihrem Buch „What's mine is yours“ bereits 2010 beschrieben hat, kommt es langsam in der breiten Gesellschaft an.

Tamyca Car Sharing Screenshot

In welchen Bereichen funktioniert das gemeinsame Konsumieren am besten?
Bisher hat sich der Trend vor allem in den Bereichen Kleidung, Autos, aber auch im Reisesegment sowie beim Abschluss von Versicherungen gut etabliert. Während „Second-Hand“-Ware im Modebereich als begehrte Ware gilt und viele Konsumenten gern auf Flohmärkte und so genannte Swapping-, also Tausch-Partys gehen, nutzen auch viele Verbraucher Carsharing-Angebote oder öffnen ihre Wohnung Touristen als Bleibe zur Miete. Das Internet ist hierbei ein enorm wichtiger Faktor: War die Absprache mit Mitmenschen vor dem Web 2.0 auf einen kleinen Kreis beschränkt und mit großem Aufwand verbunden, finden sich Tauschpartner heutzutage mit wenigen Klicks online.

Welche Vorteile hat das gemeinsame Nutzen für Konsumenten?
Neben den Vorteilen für die Umwelt, profitiert auch jeder Einzelne vom gemeinsamen Konsum. Verbraucher befreien sich von überflüssigem Ballast in ihrem Leben und nutzen nur noch das, was sie wirklich brauchen. Wenn sie selbst einen Gegenstand nicht mehr brauchen oder nicht die ganze Zeit nutzen, geben sie ihn weiter oder lassen andere daran teilhaben und werden auf diese Weise selbst glücklicher. Gerade in Bezug auf das eigene Auto ist auch der finanzielle Aspekt nicht außer Acht zu lassen. In Zeiten von Wirtschaftskrise und finanzieller Unsicherheit kann sich längst nicht mehr jeder die Anschaffung oder Unterhaltung eines eigenen Wagens leisten. Durch Konzepte wie tamyca profitieren mehr Menschen von den bereits gekauften Autos und bleiben so auch ohne eigenes Gefährt mobil. Besitzt man bereits einen Wagen, lässt er sich durch das Teilen mit anderen Fahrern finanzieren.

Michael Minis Interview auf Youtube

Wo ist der Unterschied zwischen kommerziellen Anbietern und privatem Carsharing?
Der größte Unterschied besteht darin, dass kommerzielle Anbieter zusätzliche Fahrzeuge anschaffen, um diese an verschiedenen Carsharing-Stationen in ohnehin schon mit Autos überfüllten Innenstädten zu platzieren. Dadurch werden nicht nur die knappen Anwohnerparkplätze blockiert, sondern immer mehr Fahrzeuge in die Innenstädte gebracht und auf zu wenig Raum verteilt. Wir von tamyca bieten mit der privaten Carsharinglösung die Möglichkeit, bereits vorhandene Fahrzeuge von Privatpersonen, die selten gebraucht werden, sinnvoller zu nutzen. So sorgen wir ohne die Anschaffung von zusätzlichen Fahrzeugen dafür, dass Menschen ohne eigenen Wagen Autos direkt aus der Nachbarschaft mieten können und helfen den Autobesitzern gleichzeitig, die Kosten für das eigene Auto besser decken zu können. Das entlastet auf der einen Seite den Geldbeutel und auf der anderen die Umwelt, da wir keine neuen Autos anschaffen und die Fahrer somit nachhaltig mobil machen. Hinzu kommt, dass die Autos, die auf tamyca angeboten werden mehr „Charakter“ haben als die Fahrzeuge klassischer Anbieter. So findet man bei uns neben Alltagswagen z.B. auch den coolen Campingbus für den Roadtrip mit Freunden oder den Ford Mustang für ein ganz besonderes Fahrerlebnis.

Ausblick: Wie wird sich der Trend des Teilens weiterentwickeln?

Wie wir auf unserer eigenen Plattform beobachten konnten, setzen sich der gemeinsame Konsum und das Teilen von Konsumgütern mehr und mehr durch. Seit der Gründung 2010 konnten wir bereits mehr als 2.500 Nutzer in ganz Deutschland davon begeistern, ihren Wagen auf unserer Plattform anzubieten – und die Zahl wächst stetig. Ich denke, der Trend wird sich auch in nächster Zeit weiter fortsetzen. Generell gibt es noch viele Produkte, die nach dem Kauf durch den Einzelnen viel zu selten genutzt werden, hier werden sich gerade im Online-Bereich noch zahlreiche Ideen etablieren, die den Konsum nachhaltig verändern und das Teilen und Tauschen weiter vereinfachen.

Über Tamyca.de:
Tamyca ist Deutschlands größte private Carsharing-Plattform, die eine kostengünstige Alternative zu kommerziellen Anbietern und herkömmlichen Autovermietungen bietet. Privatpersonen können ihr Fahrzeug über die Plattform einfach und sicher anderen potenziellen Nutzern vermieten. Die Zahlung regelt tamyca im Vorfeld transparent und sicher. Eine bei der Vermietung automatisch eingerechnete Haftpflicht-, Vollkasko-, und Unterschlagungsversicherung sowie ein Schutzbrief der Württembergischen Versicherung garantieren optimalen Schutz für Mieter und Vermieter. Da Tamyca-Nutzer anstelle eines Fuhrparks auf ungenutzte Ressourcen zurückgreifen, trägt tamyca dazu bei, das das Autofahren insgesamt nachhaltiger zu machen. Zusätzlich können interessierte Nutzer am ''Plant-a-Tree''-Programm teilnehmen, wobei in Kooperation mit dem Prima-Klima e.V. mit 0,3 Cent pro gefahrenem Kilometer die Renaturierung der afrikanischen Buschvegetation unterstützt wird.

Die tamyca GmbH wurde 2010 durch die Aachener Studenten Michael Minis, Andreas Krüger, Justus Lauten und Markus Harmsen gegründet und ist in 650 Städten Deutschlands mit rund 2.500 Autos vertreten.


Beitrag zuletzt aktualisiert am 6. Oktober 2014

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