Fahrbericht Mitsubishi Space Star 1.2 Shine+: Apfelgrüner Colt

Das A-Segment ist mittlerweile hart umkämpft und wird für die Hersteller zunehmend wichtiger. Rollende Verzichtserklärungen sind längst passé. Wer hier Erfolg haben möchte, muss auch etwas bieten. Mitsubishi mischt seit Jahren mit dem Colt mit. Als Ableger des längst verschwundenen Smart Forfour war es aber endlich Zeit für eine Ablösung. Merkwürdigerweise verabschiedeten sich die Japaner von der alten Modellbezeichnung und nennen ausgerechnet ihren Kleinsten nun Space Star. Das weckt Assoziationen an den gleichnamigen Van von einst. Etikettenschwindel also?
Sicher, der Space Star ist kein Mini-MPV oder Raumwunder, aber sein Platzangebot kann sich dennoch sehen lassen. Trotz der klassenüblichen Länge von 3,71 Metern fühlen sich weder Fahrer und Beifahrer noch zwei Personen im Fond eingeengt. Das schmale und hoch angebrachte Armaturenbrett lässt den Innenraum luftig wirken und erlaubt in der Mittelkonsole ein Ablagefach und zwei Cupholder, die erfreulicherweise vor und nicht hinter dem Schalthebel platziert sind, wo die Getränke die Gangwechsel stören könnten. Nervig ist die allerdings Einstellung der Lüftungstemperatur. Die Wipptaste gibt bei jedem 0,5-Grad-Sprung ein Piepston von sich, obwohl das Display klar den Wert anzeigt. Das muss wirklich nicht sein.

Durchdacht ist hingegen die Möglichkeit, die Gurtenden in einen Schlitz an der C-Säule zu stecken, damit sie beim Erweitern des Kofferraums nicht im Weg sind. Das Gepäckabteil bietet ein klassenübliches Grundvolumen, bereits ab Basis lässt sich die Rückenlehne aber geteilt umklappen. Der Teppich kaschiert dabei geschickt die bei anderen Modellen dieser Klasse nicht immer hübsch anzusehende Stufe.

Die Topausstattung Shine+ für knapp 14 000 Euro bietet Annehmlichkeiten wie einen Start-Knopf, Klimaautomatik, CD-Radio, Navi und Bluetooth und geizt allenfalls etwas bei der Materialanmut. Das schwarze Hartplastik schmeichelt dem Auge aber durchaus und wird durch einige silberfarbene Einfassungen sowie etwas billig wirkendem Klavierlack in der oberen Mittelkonsole aufgelockert. Gewöhnungsbedürftiger sind da schon die neongrünen Mittelstreifen der Sitzbezüge, die mit der Außenfarbe unseres auffällig lackierten Testwagens (Apfel-Grün metallic) bedingt harmonieren: Was von außen in Ordnung geht, muss innen aber nicht genauso schick aussehen.

Der 1,2-Liter-Motor macht aus seiner Zylinderzahl keinen Hehl und fährt mit dem typischen Röhren los. Ab 1500 Umdrehungen in der Minute zieht der Mitsubishi ausreichend kräftig an. Bei 2000 darf sogar schon die nächst höhere Getriebestufe eingelegt werden. Im fünften und letzten Gang geht es ab da ebenfalls spürbar voran. Ab 3500 U/min und Autobahn-Richtgeschwindigkeit wird es dann allerdings lauter. Bei noch höherem Tempo melden sich dann auch die Windgeräusche an der A-Säule zu Wort. Mit etwas Anlauf erreicht der Space Star 180 km/h bis 185 km/h auf dem Tacho, wobei die Vorderräder dann nicht mehr ganz so sauber die Spur halten und immer wieder leichte Lenkkorrekturen erforderlich sind. Ohnehin zählt die Lenkung nicht zu den Stärken des Space Star. Sie ist vor allem in der Mittellage recht schwammig ausgelegt. Besser macht es der Schalthebel, der griffgünstig liegt und leichtgängig und präzise durch die Gassen wandert.

Dreizylinder schneiden im EU-Normzyklus per se stets relativ gut ab. In der Praxis verlangen die Motoren aber meist nach Drehzahl, was den Kraftstoffkonsum in die Höhe treibt. Das ist beim Space Star mit einem Papierwert von 4,3 Litern nicht anders. Unsere Teilverbräuche lagen zwischen 7,0 Litern und 8,4 Litern (nach flotter Autobahnfahrt). Angesichts des geringen Gewichts und des klassenbesten cw-Wertes von hervorragenden 0,27 sprechen diese Zahlen aber vor allem dafür, dass man den 59 kW / 80 PS starken Space Star gerne auch etwas schneller bewegt. Beim sparsam(er)en Umgang mit dem Benzin helfen neben der Schaltanzeige und der Start-Stopp-Automatik auch ein Ecometer, das rechts im Instrumententräger förmlich ins Auge springt. Das Aufleuchten der halbkreisförmig angeordneten vier Balken (ein roter und drei grüne) wird vornehmlich durch die Stellung des Gaspedals gesteuert.

Mit der farbenfrohen Lackierung (450 Euro Aufpreis) fällt der Space Star nicht nur Grundschülern gleich auf. Dazu gesellen sich sportive Attribute wie ein Dachspoiler (Serie) und aufgesetzte Seitenschweller (Zubehör). Das macht schon etwas her. Ohnehin setzt Mitsubishi beim Space Star auf zusätzliche Stylingmöglichkeiten wie Spoiler, Blenden und Chromakzente. Deshalb verwundert es umso mehr, dass auf den knackigen Namen Colt verzichtet wurde, der viel besser zu dem sportiven Auftritt des kleinen Wagens passt. Und auch Mirage, wie er außerhalb Europas heißen darf, hätte deutlich besser gepasst als Space Star. Seinem Erfolg steht das aber nicht im Weg. Er ist nach dem ASX inzwischen hierzulande der meistverkaufte Mitsubishi. (ampnet/jri)

Daten Mitsubishi Space Star 1.2 Shine+

Länge x Breite x Höhe (m): 3,71 x 1,67 x 1,49
Radstand (m): 2,45
Motor: 3-Zylinder-Benziner, 1193 ccm
Leistung: 59 kW / 80 PS bei 6000 U/min
Max. Drehmoment: 106 Nm bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 11,7 Sek.
Verbrauch (Durchschnitt nach EU-Norm): 4,3 l
Effizienzklasse: C
CO2-Emissionen: 100 g/km (Euro 5)
Leergewicht / Zuladung: 920 kg / 420 kg
Kofferraumvolumen: 235 – 912 l
Max. Anhängelast: 200 kg
Wendekreis: 9,20 m
Räder / Reifen: 5,0 J x 15 / 175/55 R 15
Luftwiderstandsbeiwert: 0,27
Basispreis: 13 990 Euro

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Beitrag zuletzt aktualisiert am 22. November 2013

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