Die Geschichte der Autobeleuchtung

Wo vor 100 Jahren eine kleine Flamme brannte, wird heute das Laserschwert gezückt. Mit einfacher Fahrbahnausleuchtung haben aktuelle Lichttechnologien nichts mehr zu tun. Zwar werden alle Weiterentwicklungen auch als verbesserte Sicherheit deklariert. Doch längst ist der Kampf um die technisch raffiniertesten Scheinwerfer entbrannt: Es geht um Design, Prestige und um viel Geld, das mit üppigen Aufpreisen für begehrte Sonderausstattung verdient werden kann.

Von Acetylen-Brenner zum elektrischen Licht

Die ersten Lichtanlagen an Fahrzeugen waren Karbidlampen. In diesen Lampen wird Calciumcarbid mit Wasser beträufelt, wobei Ethin-Gas entsteht (auch als Acetylen bezeichnet). Dieses Gas wurde entzündet und das entstehende Licht mittels Hohlspiegel fokussiert. Ein extrem aufwendiges Verfahren, was erst 1906 durch die elektrische Beleuchtung mittels Glühbirne ersetzt wurde.

Autobeleuchtung in Oldtimern auf der Royston Car Show
(Bill Halls/Flickr, CC BY 2.0)

Mitte der 1960er Jahre hält die Halogenlampe Einzug in den Fahrzeugbau. Sie ist bis heute als H1, H4 und weiteren Varianten im Einsatz, wobei neuere Fahrzeuge in der Regel H7 Birnen nutzen. H7 erreicht mit etwa 1.500 Lumen die doppelte Lichtmenge im Vergleich zu H4.

Untitled
(Ernest/Flickr, CC BY 2.0)

Xenon revolutioniert die Lichttechnik

Xenonscheinwerfer gab es erstmals 1991. Diese Autobeleuchtung, bei der das Edelgas Xenon zur Lichterzeugung genutzt wird, kann die Lichtmenge im Vergleich zu H7 noch einmal verdoppeln. Nachteil dieser Technik sind die vergleichsweise hohen Kosten für Anschaffung und Wartung. Neben der komplexen Gasentladungstechnik machen vorgeschriebene Assistenzsysteme wie die automatische Leuchtweitenregulierung die Xenon-Technologie sehr aufwendig.

BMW Dynamic Xenon
(themechanic123/Flickr, CC BY 2.0)

LEDs erobern den Automarkt

Die LED-Technologie hat sich im Automobilbereich von einer Nebenrolle als dritte Bremsleuchte bis zum Hauptakteur als Voll-LED Frontscheinwerfer entwickelt. Voll-LED bedeutet, dass neben Blinker und Abblendlicht auch das Fernlicht mit LEDs arbeitet. LEDs sind langlebig, benötigen selbst wenig Energie und reichen in ihrer Lichtleistung mittlerweile an Xenon-Scheinwerfer heran. In einigen Fällen wird die vielgelobte Energieeffizienz von LED-Frontscheinwerfern allerdings durch den Stromverbrauch von Steuerelektronik und Kühlungssystem getrübt.

Derzeit haben Autokäufer die Qual der Wahl bei den Frontscheinwerfern. Erfreulich ist, dass fortschrittliche Lichttechnologie nicht mehr nur der Oberklasse vorbehalten ist. So sind beispielsweise auch Modelle des Kleinwagens Audi A1 mit Xenon und integriertem Tagfahrlicht erhältlich. In der Mittelklasse, etwa beim Audi A3, ist sogar LED-Licht bei jungen Gebrauchtfahrzeugen erhältlich. (Quelle: Audi Shop Dresden)

Audi als Vorreiter bei Voll-LED Scheinwerfern

Der Audi R8 ist Ende 2006 das erste Serienfahrzeug, dass auf Wunsch mit Voll-LED Scheinwerfer verfügbar ist. Blinker, Positionslicht, Tagfahrlicht sowie Abblend- und Fernlicht arbeiteten dort allesamt mit LEDs. Die Technik hatte in Europa allerdings mit zulassungsrechtlichen Problemen zu kämpfen, weshalb der R8 mit Voll-LED Frontleuchten erst ab Sommer 2008 bereitstand. Toyota erkämpfte sich eine Ausnahmegenehmigung und verkaufte ab 2007 den Lexus 600h mit LED-Technik, allerdings nur für das Abblendlicht.

Ab 2009 war der Edel-SUV Cadillac Escalade in den USA mit Voll-LED Scheinwerfern erhältlich. Im gleichen Jahr stellt Audi den A8 mit Voll-LED Scheinwerfern als Sonderausstattung vor. Nach dem R8 und dem A8 prästiert Audi 2010 sein drittes Fahrzeug mit dieser Technik: den Audi A7.

Matrix LED: Blendfreies Fernlicht

Den nächsten Entwicklungsschritt bei der LED-Technologie beschreitet der Hersteller Audi im Premium Modell A8: den Matrix LED-Scheinwerfer. Die einzelnen LEDs sind in einer Matrix angeordnet und können einzeln zu- und abgeschaltet werden. Der Effekt ist, dass der Lichtkegel vor dem Fahrzeug unterteilt werden kann. Kommt ein Fahrzeug entgegen, wird nicht das komplette Fernlicht abgeschaltet, sondern es werden bestimmte Bereiche von der Beleuchtung ausgenommen. So bleibt der Blick in die Ferne weiterhin möglich, ohne dass der Gegenverkehr geblendet wird. Ein manuelles Zu- und Abschalten des Fernlichts ist nicht mehr nötig.

2014 Audi TT TTS 8S Matrix-LED-Scheinwerfer Abblendlicht LED-Tagfahrlicht
(Mario von Berg/Flickr, CC BY 2.0)

OLED für unbegrenzte Formenvielfalt
Organische LEDs, kurz OLEDs, sind die flexiblere Form der LEDs. Im Gegensatz zur herkömmlichen LED, die in der Regel quadratisch oder Rund ist, handelt es sich bei OLEDs um eine dünne leuchtende Fläche. Interessant ist OLED, wegen seiner flachen Bauform und der flächigen Leuchteigenschaft: beispielsweise als Bremsleuchte direkt in der Heckscheibe.

Ultra-Fernlicht mit Laser-Technologie
Laserlicht gilt als der nächste Schritt in der Lichttechnologie. Mit enormer Reichweite und ultrakompakter Bauform werden Laserscheinwerfer als Nachfolger der LED-Scheinwerfer gehandelt. Der Hybrid-Sportwagen i8 von BMW wird die Lasertechnik als zusätzliches Fernlicht nutzen, das bis zu 600 Meter weit leuchtet. Das Ultra-Fernlicht schaltet sich ab etwa 70 km/h automatisch zu, eine Geschwindigkeit, von der Fahrzeuge mit Karbidlampen vor 100 Jahren nur träumen konnten.

BMW i8 laserlicht
(Shane K/Flickr, CC BY 2.0)


Beitrag zuletzt aktualisiert am 15. November 2014

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