Los Angeles 2015: Deutsche Zurückhaltung, amerikanische Zuversicht, italienisches Retro

Es dürfte vor allem das unersprießliche Diesel-Thema sein, das seine Schatten wirft: Vom selbstbewussten Auftritt früherer Zeiten sind die Deutschen auf der Automesse in Los Angeles heuer weit entfernt. Zwei Hochleistungs-Varianten bei Audi, die allenfalls für geringe Stückzahlen gut sein dürften, ein Sondermodell des Volkswagen Beetle und eine weitere Variation der reichlich unübersichtlichen 911-Palette: Es wurde auch schon mal mehr geboten in der südkalifornischen Metropole, die vor Kaufkraft nur so strotzt. Und weder von Bentley noch von Lamborghini war auf der Messe eine Spur zu sehen. Der heckgetriebene, puristische Huracán LP580-2 wurde abseits der Messe enthüllt.
Auch BMW präsentiert sich in Los Angeles eher bescheiden; wichtigstes Debüt ist der Mini Clubman, der nach der Frankfurter IAA nun auch in den USA angekommen ist. Mercedes-Benz startet allerdings durch: Der siebensitzige Geländewagen GL mutiert mit deutlichen Designänderungen zum GLS, und der SL wartet ebenfalls mit einer komplett neuen Frontpartie und modifizierter Technik auf. Der selbstbewusste Auftritt der Stuttgarter passt nach Kalifornien; zuletzt hat der Konzern hier mit dem Wechsel von Stardesigner Stefan Lamm auf sich aufmerksam gemacht. Der gebürtige Dortmunder hatte in herausragender Position bei Ford und Seat gearbeitet, bevor er das Mercedes-Designstudio in Carlsbad nahe San Diego übernahm.

Heimspiel für die Amerikaner

GM und Ford nutzen die Messe, um ihre Luxusmarken weiter zu schärfen. Der Cadillac-SRX-Nachfolger namens XT5 ist nicht nur größer geworden, sondern auch viel leichter als sein Vorgänger – und er überrascht mit einem sehr hochwertigen Interieur und vielen praktischen Ideen. Als echte Weltpremiere bringt GM den Buick Lacrosse mit, eine große und elegant gezeichnete Limousine, die in den USA, vor allem jedoch in China Anklang finden dürfte.

Die Ford-Nobelmarke Lincoln hält mit einem überarbeiteten MKZ dagegen – einer auf dem Mondeo basierenden Limousine, die in Zukunft bis zu 406 PS leisten soll. Der erstmals im Frühjahr mit der Studie Continental gezeigte Vorderwagen soll allen Ernstes zum neuen Gesicht der Marke werden: In Designerkreisen wird kolportiert, dass ein Bentley im Lincoln-Studio parkte – verbunden mit der Maßgabe, die eigene Formensprache doch bitteschön entsprechend anzupassen.

Inspiration von außen verrät auch der frisch geliftete Ford Escape, der in Europa unter der Bezeichnung Kuga vermarktet wird. Seine Form orientiert sich auffällig am aktuellen Hyundai Tucson.

Die kopierten Koreaner wiederum befindet sich in der Warteschleife: Man wartet auf den kommenden Chefdesigner Luc Donckerwolke, der für Peter Schreyer das Design der Kernmarke neu definieren und ausgestalten soll. Noch immer ist das Design der Schwestermarke Kia konsequenter und moderner als das von Hyundai; in Zukunft werden die Markenprofile geschärft, und die Hyundai-Genesis-Modelle sollen zur Sub-Marke avancieren.

Mit dem erstmals in den USA gezeigten, kompakten Crossover QX30 will sich die Nissan-Tochter Infiniti erneut als Premium-Anbieter profilieren; die Voraussetzungen dafür sind gut, denn unter dem extravagant geformten Blech steckt der Mercedes-Benz GLA. Dass es bei Infiniti ein Pendant der AMG-Variante GLA 45 AMG geben wird, ist kaum zu erwarten; einem entsprechend befragten Infiniti-Ingenieur war das Hochleistungs-Derivat aus Affalterbach nicht einmal geläufig.

Gänzlich anders ist der Ansatz von Alfa Romeo: Die weit verspätete Premium-Limousine Giulia wird derzeit am liebsten als Topmodell mit über 500 PS starkem V6-Biturbo gezeigt; in Los Angeles kündigte die Marke allerdings erstmals einen Zweiliter-Vierzylinder an, der 280 PS leisten soll. Ob es damit gelingt, das Ruder für die momentan im Tiefschlaf befindliche Marke herumzureißen, bleibt abzuwarten. Fiat wiederum schlachtet mit dem neuen 124 Spider gnadenlos die eigene Historie aus. Der zweisitzige Roadster basiert vollständig auf dem Mazda MX-5, wird aber eine eigene Motorisierung bekommen – und später auch eine Abarth-Variante mit rund 200 PS. Diesel-Probleme hat man bei Fiat-Chrysler übrigens nicht – das Geld wird ohnehin mit den Spritfressern von Jeep und Ram verdient. Und über deren Schadstoffausstoß hat man sich in den USA zuletzt wenig diskutiert.(ampnet/jm)

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Mercedes-Benz SL 550.

Foto:
Auto-Medienportal.Net

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Cadillac XT5.

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Cadillac XT5.

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Buick Lacrosse.

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Buick Lacrosse.

Infiniti QX30.

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Lincoln MKZ.

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Lincoln MKZ.

Alfa Romeo Guilia.

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Fiat 124.

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Fiat 124.


Beitrag zuletzt aktualisiert am 19. November 2015

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