VW setzt auf den Mechatroniker Beruf

Kfz-Berufe werden digitalisiert: Die Fabrik der Zukunft sieht, fühlt und kommuniziert. Auch in deutschen Autoschmieden erfolgt die Fertigung zunehmend sensorisch und vernetzt – „Big Data“ und „Industrie 4.0“ sei Dank.

Moderne Internettechnologien werden in die Produktionsprozesse eingebunden, Mensch, Maschine und Produkte vernetzt. Für die Industrie ist das eine tiefgreifende und vor allem rasante Entwicklung, die etablierte Anforderungsprofile und Ausbildungsberufe obsolet erscheinen lässt.

Universitäten stellen sich mit neuen Studiengängen darauf ein, und auch die Hersteller reagieren: Volkswagen Nutzfahrzeuge „digitalisiert“ jetzt seine Berufsausbildung.

Die deutsche Automobilindustrie gilt als attraktiver Arbeitgeber mit stets offenen Armen. Seit 2010 ist die Zahl der Beschäftigten in den Stammbelegschaften der Hersteller und Zulieferer von 700.000 auf mehr als 800.300 gestiegen. Die begehrtesten Fachkräfte sind Kfz-Mechatroniker, Kfz-Mechaniker und Automotive Ingenieure. Immer mehr der Stellenangebote für Mechatroniker erwähnen explizit das Stichwort „Industrie 4.0“.

Gefragt sind Experten zwischen den Disziplinen

Bei den Studiengängen sind besonders die Fachdisziplinen Maschinenbau, Informatik und Elektrotechnik Veränderungen unterworfen. So gibt es mittlerweile spezialisierte Bachelorstudiengänge wie „Embedded Systems Engineering“, Mikrosystemtechnik, Energietechnik oder IT-Sicherheit. Die Fächer werden zunehmend interdisziplinär ausgerichtet, sie wachsen zusammen. Denn gerade der Einsatz von Spezialisten an Schnittstellen, etwa zwischen Maschinenbau und Informatik, wird wichtiger.

Kfz Mechatroniker Ausbildung
Kfz-Mechatroniker in der Ausbildung. Foto VW

Auch Volkswagen setzt bei der Integration neuer Prozesse und Technologien in den Fabriken auf Wissenstransfer zwischen seinen Fachkräften. „Deshalb richten wir auch die Lernformen in der Ausbildung noch stärker auf die neuen Herausforderungen aus“, sagt Olaf Böker, Leiter der Volkswagen Akademie Hannover. „Wir qualifizieren unsere Lehrkräfte gezielt hinsichtlich Medienkompetenz und verstärkter Einbindung digitaler Medien in den Ausbildungsprozess.“

Besonders der Bedarf an Spezialisten in den Bereichen Steuerung, Überwachung und Programmierung steige. Roboter und vernetzte Anlagen müssten programmiert und instandgehalten, überwacht und umgebaut werden. Neben Mechanik und Elektronik würden IT-Kenntnisse immer wichtiger. Daher ist der Mechatroniker Beruf stark gefragt.

Video über den Mechatroniker Beruf

Neue Ausbildungsberufe für Industrie 4.0

Mit dem Programm „Industrie 4.0“ will die Sparte Nutzfahrzeuge des Konzerns seinen Nachwuchs am Standort Hannover darauf vorbereiten. In Kooperation mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung wurden Ausbildungsgänge für neue Berufe erarbeitet.

Die Auszubildenden sollen lernen, Maschinen und Schaltanlagen einzurichten und instandzuhalten sowie automatische Produktionseinrichtungen und komplexe Automatisierungsnetzwerke zu programmieren und zu steuern. Bei der Zentralen Anlagenüberwachung könnten sie die Arbeit in der Praxis simulieren.

Ein entsprechendes System führt VW nach eigenen Angaben aktuell im Werk ein. Das „Frühwarnsystem“ vernetze verschiedenste Produktionsbereiche in Echtzeit. Weitere neue Inhalte seien die virtuelle Inbetriebnahme (3D SPS Simulation), der 3D-Design und Druck, die RFID (Radio-Frequency Identification) und die 3D-Umgebungs-Sensorik (Smart Cams).

Volkswagen setzt auf den Mechatroniker Beruf

Zunächst sollen insgesamt 720 Auszubildende in den Berufsfeldern Elektroniker für Automatisierungstechnik und Mechatroniker in dem Programm arbeiten. Für die Bereiche Fachkraft für Lagerlogistik und kaufmännische Berufe soll die Integration 2016 erfolgen. Perspektivisch werde, so Volkswagen, „Industrie 4.0“ in allen Ausbildungsberufen am Standort integriert.

Das Unternehmen aus Wolfsburg stellt sich darauf ein, dass die modernen Internettechnologien zukünftig wohl aus keinem Bereich des alltäglichen Lebens mehr weg zu denken sein werden.


Beitrag zuletzt aktualisiert am 14. Februar 2017

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