Smartcar hacks für dein Auto

Die Digitalisierung macht Autos immer häufiger zu smartcars. Und demokratischer: Das Connected Car unterscheidet nicht zwischen arm oder reich. Kleinwagen, Kompaktklasse, Luxus-SUV – ganz egal, die werksseitige Vernetzung erreicht nahezu jeden Neuwagenkäufer, der will. Und das mittlerweile sogar für überschaubares Geld. Aber das deutsche Durchschnittsauto ist neun Jahre alt. Mit einem modernen Smartcar hat es mangels Hard- und Software in etwa so viel gemeinsam wie Großmutters Tastentelefon mit der neusten Generation Smartphone.

Das Connected-Car-Startup Pace hat sich vorgenommen, das zu ändern – und zapft dafür die OBD-2-Schnittstelle der Autos an. Mit dem „Pace Link Adapter“, einem nur 46 x 27 x 26 Millimeter großen Stecker – „dem kleinsten auf dem Markt“, so Geschäftsführer und Gründer Dr. Martin Kern stolz. Der Pace-Dongle verbindet sich via Bluetooth mit dem Smartphone des Fahrers und versorgt ihn über die bordeigene Diagnoseschnittstelle mit zahlreichen Daten, die das Auto generiert (z.B. exakte Kühlwassertemperatur, Motorlast, etc.), und mit gängigen verkehrsrelevanten Informationen aus dem Internet – stabiles Netz und ausreichendes Datenvolumen vorausgesetzt.

Von Pace stammt eine andere Nachrüstlösung, die ebenfalls Smartphone basiert ist. Dabei wird ein Adapter an den Stecker für die On-Board-Diagnose (OBD) angeschlossen. Vorteil dies Bluetooth-Systems: Das Gerät verwandelt das Auto in ein Smartcar. Zum Funktionsumfang gehören neben dem E-Call unter anderem die Lokalisierung des geparkten Autos aus der Ferne, eine Tankstellen-App, das elektronische Fahrtenbuch und das Abrufen von Fahrzeugdaten in Echtzeit. Der Pace-Link-Adapter kostet einmalig 119 Euro.

„Die Bluetooth-Anbindung spart Kosten und Bauraum“, erklärt Kern die Entscheidung gegen ein internes 3G-System. Laufende Gebühren fallen nicht an. Für einmalig 119 Euro ist man dabei – entweder über den Online-Store von Pace oder ab der zweiten Jahreshälfte 2017 zunehmend auch über den automobilen Einzelhandel. Die Installation ist denkbar einfach: die App kostenlos in den einschlägigen Appstores laden (iOS und Android), OBD-2-Schnittstelle im Auto lokalisieren (übers Bordbuch), Pace-Link-Adapter rein, übers Smartphone-Display koppeln und los geht’s.

Neun Hauptfunktionen bietet das Smartcar-System, das Anfang Mai 2017 seine Betaphase offiziell beendet hat: automatischer Notruf, Fehlercode-Analyse (von Abgaskontroll- bis Zündsystem), finanzamtkonformes automatisches Fahrtenbuch, Spritspartrainer, Find-My-Car-Funktion (wo parkt das Auto?), Performance-Monitor (von Drehzahl über Motorauslastung bis zur Querbeschleunigung), Traffic-Monitor (Internet-Navigation mit Tempolimitanzeige) und Tankstellen-Finder (mit Preisangabe und Öffnungszeiten) sowie Benzinkosten-Tracking (Archivierung und Auswertung).

Wer mehr dazu wissen kann sich das kostenlose eBook smart hacks fürs Auto (ohne email Anmeldung).
Das Buch enthält unter anderem Themen wie Vor- und Nachteile von Apps und Nachrüstgeräten, Installation sowie die Trends der neusten Smartcar-Technologie, uvm. aufgreift.

„Die entscheidende Frage bei der Vernetzung älterer Autos lautet: Wer besetzt die OBD2-Schnittstelle?“, erklärt Kern. Der direkte Draht zum Nervensystem des Autos ist in der Regel frei zugänglich und meist problemlos vom Fahrgastraum aus erreichbar. Das Fahrzeugdiagnosesystem, Ende der 1980er-Jahre eingeführt im Zuge verschärfter Abgasbestimmungen, wird bislang primär von Kfz-Werkstätten und Prüforganisationen genutzt. Es erlaubt den Zugriff auf alle relevanten Fahrzeugdaten inklusive Fehlermeldungen – eigentlich eine Domäne der Hersteller in die aber immer mehr freie Anbieter drängen.

Gekoppelt werden können nahezu alle Autos ab Baujahr 1996. Pace spricht von 140 Millionen Autos weltweit, die derzeit „offline“ sind. Das entspricht laut Kern 95 Prozent des Bestands. Und Nachfrage scheint vorhanden: Das Finanzierungsziel von 50 000 Euro hatte Pace 2016 auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter innerhalb von 30 Minuten erreicht – ein neuer Rekord. Nach 24 Stunden waren es 250 Prozent. Am Ende kamen 337 347 Euro zusammen. Derzeit steht das System nur in Deutschland „vollumfänglich“ zur Verfügung. Weitere europäische Märkte folgen.

Kern, einst Automotive-Berater bei McKinsey, baute bereits den Online-Reifenhändler Tirendo.com auf. 2013 verkauften er und seine Mitstreiter das boomende Start-up an die Delticom AG (u.a. Reifendirekt.de). Das war der Startschuss für die Pace Telematics GmbH mit Sitz in Karlsruhe und Berlin.

Großen Wert legen die Start-upper auf das Thema Datensicherheit. Chef-Entwickler Philip Blatter: „Das Zentrale bei der Konzeption war, dass wir eine Trennung der personenbezogenen Daten und der Bewegungsdaten sicherstellen können. Alle Daten werden auf unseren eigenen Servern in unserem Rechenzentrum in Karlsruhe gespeichert. Durch die Verschlüsselung aller Verbindungen stellen wir sicher, dass niemand unbefugt auf Daten der Pace-User zugreifen kann.“ Es sei denn, sie wünschen das. Dann können zum Beispiel angeschlossene Werkstätten auf Wartungstermine hinweisen. Auch Kfz-Versicherungen sind potenzielle Partner. Und natürlich die Autohersteller selbst. (ampnet/rb)


Beitrag zuletzt aktualisiert am 8. Oktober 2018