TÜV Rheinland weiht Versuchsanlage für Rückhaltesysteme ein

TÜV Rheinland hat in Aldenhoven-Siersdorf (Kreis Düren) ein neues Testgelände für Crashversuche mit Rückhaltesystemen wie Leitplanken und mobilen Baustellen-Aufprallabsorbern eingeweiht. Außerdem nehmen die Fahrsicherheitsexperten dort sämtliche Konstruktionen von Straßenlaternen und Signaleinrichtungen unter die Lupe. Auch sie müssen vor der Montage internationale Standards wie die vorgeschriebene europäische „Crash-Norm“ (EN 12767) erfüllen. Auf dem Gelände liefern sich auch Semir und Ben, die Polizisten aus der Serie „Alarm für Cobra 11“ ihre Duelle mit anderen Autofahrern.

Einweihung des Testgeländes von TÜV Rheinland in Aldenhoven.
Einweihung des Testgeländes von TÜV Rheinland in Aldenhoven.

Die neue Prüfanlage soll einen entscheidenden Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten, denn im vergangenen Jahr starben im Schnitt täglich 85 Menschen bei Verkehrsunfällen auf Straßen der EU. Diese Zahl soll bis 2020 halbiert werden. Eine der von der EU vorgeschlagenen Maßnahmen ist die Entwicklung und Installation sicherer Elemente für die Straßenausstattung. Fahrzeug-Rückhaltesysteme wie Leitplanken müssen den europäischen Sicherheitsstandards der Richtlinie EN 1317 entsprechen und dürfen erst von den Herstellern vertrieben und eingesetzt werden, wenn sie durch anerkannte Prüfstellen getestet wurden. In den Prüfverfahren wird nicht nur die Durchbruchsicherheit in verschiedenen Stufen nachgewiesen, sondern auch die Sicherheit für die Passagiere überprüft.

Crashfahrzeug auf dem Testgelände

Auf dem rund 10 000 Quadratmeter großen Areal in Aldenhoven werden beispielsweise säntlliche Bauformen von Leitplanken unter verschiedenen Aufprallwinkeln und Geschwindigkeiten von bis zu 110 km/h getestet. Die Anlaufstrecke beträgt rund 700 Meter. Als Versuchsträger dienen alle Fahrzeugtypen – vom 900 Kilogramm schweren Pkw bis zum 38-Tonner.

Mobile, auf Lkw montierte Dämpfungselemente, so genannte “Truck Mounted Attenuators“, wie sie in zahlreichen Ländern an Autobahnbaustellen eingesetzt werden, müssen beispielsweise dem Aufprall eines zwei Tonnen schweren Lieferwagens mit Tempo 100 widerstehen. Neben weiteren Tests mit gegossenen Ortbeton-Schutzsystemen oder vorgefertigten Beton-Elementen für Baustellenbereiche gehören auch Tests mit Stahlleitplanken, die entweder in den Boden gerammt oder auf einer Betonfläche verschraubt werden, zum Prüfportfolio.

Ein großes Problem stellt nach wie vor die hohe Zahl der Todesopfer bei Motorradunfällen dar, die seit über zehn Jahren in Europa mit rund 5000 jährlich nahezu konstant ist. Die Folgen vieler Motorradunfälle werden durch die scharfen Kanten der Leitplankenpfosten häufig verschlimmert. Ein Unterfahrschutz, der den Raum zwischen Straßenbelag und Leitplanke schließt, minimiert das Verletzungsrisiko, wie Untersuchungen in mehreren Europäischen Ländern zeigten. TÜV Rheinland erledigt hier ebenso die Konformitätsprüfungen nach europäischen oder länderspezifischen Vorgaben – etwa für Frankreich und Spanien.

Das Testgelände in Aldenhoven betreibt die TÜV Rheinland TNO Automotive International B.V. (TTAI), ein Joint Venture zwischen TÜV Rheinland und dem führenden niederländischen Technologie-Unternehmen TNO. Beide Partner sind mit jeweils 50 Prozent daran beteiligt. Der Hauptsitz des Gemeinschaftsunternehmens liegt in Helmond bei Eindhoven (Niederlande). Hier unterhält TTAI eine der modernsten europäischen Crashanlagen für Kraftfahrzeuge. (ampnet/jri)


Beitrag zuletzt aktualisiert am 8. April 2015

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