Richtiges Verhalten bei der Tunnelfahrt

In Deutschland verlaufen rund 250 Kilometer Bundesfernstraße durch 256 Tunnel. Die meisten davon liegen – topografisch bedingt – im Süden des Landes.

Jeder Autofahrer sollte sich darüber informieren, wie er bei Stau, einer Panne oder Feuer im Tunnel handeln sollte. Selbst wenn es Angst machen kann, passieren im Tunnel weniger Unfälle als außerhalb.

Dreispurige Tunnel-Fahrbahn
In Deutschland gibt es über 270 Straßentunnel. Die meisten gibt es in Baden-Württemberg. Foto: ADAC

Für klare Sicht und Informationen sorgen

Schon vor der Einfahrt in den Tunnel schalten Autofahrer das Abblendlicht ein und nehmen gegebenenfalls die Sonnenbrille ab. Außerdem sollten sie das Radio einschalten, um im Notfall rechtzeitig Sicherheitsinformationen zu erhalten. Im Tunnel ist es wichtig, ausreichend Abstand zu halten und regelmäßig den Tachostand zu überprüfen – in den eintönigen Röhren geht schnell das Gefühl für die Geschwindigkeit verloren.

Tunnel Einfahrt mit Verkehrszeichen.
Das blaue Verkehrszeichen 327 kündigt den nächsten Tunnel an. Vor der einfahrt sollte man die Sonnenbrille abnehmen, Verkehrsfunk und Abblendlicht einschalten, auf Ampeln und Verkehrszeichen sowie die anderen Verkehrsteilnehmer achten.

Verhalten bei Stau

Falls es zu Stau im Tunnel kommt, ist es wichtig Ruhe zu bewahren und am Stauende die Warnblinkanlage einzuschalten, um den nachfolgenden Verkehr darauf aufmerksam zu machen. Wichtig ist auch im Tunnel, eine Gasse für Rettungsfahrzeuge zu bilden. Wegen der stehenden Abgase ist es ratsam, die Lüftung bzw. Klimaanlage auf Umluft zu schalten. Sobald der Verkehr vollständig stoppt, stellen Autofahrer den Motor aus und warten im Fahrzeug. Für Motorradfahrer kann es sinnvoller sein, außerhalb der Röhre auszuharren.

Video zum

Alle Erklärungen zum richtigen Verhalten im Tunnel im Video der Fischer Academy

Richtiges Verhalten bei einer Panne

Bei einer Panne oder einem Unfall im Tunnel gelten die gleichen Vorkehrung wie außerhalb der Röhre: Warnblinkanlage einschalten, Motor abstellen, Warnweste anziehen und die Stelle mit einem Warndreieck sichern.

Wer den Wagen nicht mehr aus der Röhre fahren kann, stellt ihn am besten in einer Pannenbucht oder zumindest möglichst weit rechts ab.

Benutzen Sie bei Pannen oder Unfällen im Tunnel immer die Notruftelefone, die ab einer Tunnellänge von 400 Metern alle 150 Meter angebracht sind. Denn dadurch wissen die Rettungskräfte – im Gegensatz zu einem Notruf per Handy – genau, wo im Tunnel Sie sich befinden.

Prof. Kurt Bodewig, Präsident der Deutschen Verkehrswacht und Bundesminister a.D.

Wer das Auto verlassen muss, lässt am besten den Zündschlüssel im unversperrten Fahrzeug stecken, damit die Einsatzkräfte bei Bedarf den Wagen bewegen können. In Tunneln ab 400 Metern Länge befindet sich alle 300 Meter ein Notausgang. Der nächstgelegene wird mit Fluchtwegkennzeichnungen an der Tunnelwand angezeigt.

Tunnel Notausgang
In Tunneln, die länger als 400 m sind, befinden sich etwa alle 150 m Notrufstationen. Diese sind mit Feuerlöschern und Feuermeldern ausgestattet. Alle 300 m befinden sich Notausgänge zur Flucht. Foto: ADAC

Feuer im Tunnel

Sehr selten kommt es zu Feuer im Tunnel. Kleinere Feuer können Autofahrer mit einem Feuerlöscher löschen. Diese befinden sich bei den Notruftelefonen. Bei größerem Feuer stellen Autofahrer umgehend den Motor aus, verlassen das Fahrzeug und suchen den nächsten Fluchtausgang auf, der entgegen der Rauchentwicklung liegt. Auch hier ist es wichtig, den Zündschlüssel stecken zu lassen und das Auto nicht zu verriegeln.

Neue Sicherheitsmaßnahmen

Neuere Röhren sind unter anderem mit gut gekennzeichneten Flucht- und Rettungswegen ausgerüstet, in die kein Rauch eindringen kann. Dazu kommen eine lückenlose Videoüberwachung und gegen Lärm geschützte Notrufstationen mit Feuerlöschern. Außerdem verfügen neue Tunnel über ein automatisches Brandmeldesystem, befahrbare Rettungswege und durchgehenden Funkverkehr, gut geschultes Personal und sogar über eine eigene Feuerwehr.

Tunnelangst

Dunkelheit, Enge, kein Ende in Sicht – für viele Autofahrer ist die Fahrt durch einen Tunnel unangenehm. Wer aber Angst, Beklemmung oder gar Panik verspürt, für den kann die Fahrt nicht nur zur Qual, sondern sogar gefährlich werden. Tunnelangst ist eine spezifische Form der Angst, die beim Durchqueren von Tunneln auftritt. Sie kann mit Symptomen wie Herzrasen, Schwitzen, Schwindel oder sogar Panikattacken einhergehen.

Generell schützen Ängste vor unnötigen Risiken. Wie bei vielen anderen Ängsten handelt es sich bei der Tunnelangst um eine irrationale Form der Angst, die die Betroffenen stark einschränken kann. Tatsächlich ereignen sich im Tunnel im Vergleich zur Straße weniger Unfälle. Doch Statistiken helfen den Betroffenen nicht.

Die Angst vor dem Tunnel ist eine erlernte Angst. Das Gefühl, sich im Tunnel in einer Stresssituation zu befinden, wird von Symptomen wie starkem Schwitzen und verkürzter Atmung unwillentlich begleitet. Sobald man diese körperlichen Reaktionen wahrnimmt, verschlimmern sie sich oft, wodurch die Angst noch größer wird. Im schlimmsten Fall droht sogar eine Panikattacke. Vor allem als Fahrer kann das schwerwiegende Folgen haben.

Diese Angst hat oft tiefer liegende Ursachen, wie etwa Kontrollverlust oder Klaustrophobie. Es ist, als ob man auf einer dunklen, unbekannten Straße fährt – das Unbekannte und die Enge können überwältigend sein. Viele Menschen fühlen sich in Tunneln eingeschlossen und hilflos. Es ist eine natürliche Reaktion auf eine unnatürliche Umgebung.

Zu den Bewältigungsstrategien gehört es, langsam und schrittweise den Tunnel zu befahren und sich auf positive Gedanken zu konzentrieren. Entspannungstechniken wie tiefe Atmung oder Meditation können helfen, die Symptome zu lindern.

Aus psychologischer Sicht ist es ohnehin sinnvoll, sich seiner Angst zu stellen. Vermeidungsstrategien verschlimmern die Angst meist. Denn mit jedem Mal, wenn man gut und sicher durch den Tunnel kommt, steigern sich die positiven Erlebnisse. Betroffene sollten sich diese guten Erfahrungen im Nachhinein bewusst machen.

Bußgelder für Verkehrsverstöße im Tunnel

Eine Übersicht der Bußgelder bei Vergehen in Tunneln enthält die nachfolgende Tabelle:

VergehenBußgeldPunkte in Flensburg
Abblendlicht nicht eingeschaltet10 €
… und dabei andere gefährdet15 €
… und dadurch einen Unfall verursacht35 €
Im Tunnel gewendet60 €1
… und dabei andere gefährdet75 €1
… und dadurch einen Unfall verursacht90 €1
In einer Nothalte-/ Pannenbucht gehalten20 €
In einer Nothalte-/ Pannenbucht geparkt25 €

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