Werner Poggenpohl: Bodenständig und weltoffen

Werner Poggenpohl ist tot. Über Jahrzehnte hinweg war er ein hoch geschätzter Kollege im Motorjournalismus und ein prägendes Element in der Sportberichterstattung. Mit seiner Ausstrahlung kam er überall gut an. Weggefährten mochten ihn als Typ, bodenständig und weltoffen. Sein Namenskürzel „poggi“ bei der „Recklinghäuser Zeitung“ und über Landesgrenzen hinweg wurde zum Markenzeichen für Sachverstand und Fairness. Am 28. Januar verstarb der gebürtige Ostwestfale im Alter von 78 Jahren nach schwerer Krankheit.

Bereits als Schüler zeigte er das Gespür für seine spätere Berufung. Per Anhalter machte er sich 1954 von Bielefeld auf zur Fußballweltmeisterschaft in der Schweiz. Fans und Presse kamen gar nicht auf die Idee, das Quartier der deutschen Mannschaft in Spiez heimzusuchen. Einzig der 17-jährige Werner. Im Hotelpark übernachtete er unter einem kelchförmigen Brunnen. Mit dem ersten Sonnenstrahl standen die Nationalspieler Paul Mebus und Ottmar Walter vor ihm, nahmen ihn mit zum Mannschaftsfrühstück und brachten ihn in die Jugendherberge Thun. „Chef“ Sepp Herberger, der Nationaltrainer, ordnete spontan an, dass Werner von nun an mit dem Team im Mannschaftsbus zu den Spielen ins Stadion fahren durfte.

Später kannte er den Fußball in- und auswendig. Sowohl vor der Haustür als auch draußen in der Welt. Er duzte Pelé im Stadion von Maracana in Rio de Janeiro und wies Schalke 04 oder den VfL Bochum gelegentlich auf die Talente junger Amateurkicker aus der Region hin, die seinem fachmännischen Blick nicht entgangen waren. Rosi Mittermaier und Helmut Schön befragte er im Interview ebenso wie die ehrenamtlichen Manager von Preußen Hochlarmark. Die Handballerinnen des PSV Recklinghausen betreute Werner Poggenpohl trotz knapper Freizeit. Die Mannschaft dankte es ihm mit einem Aufstieg in die zweithöchste Klasse. Maßgeblichen Anteil an den Erfolgen des PSV hatten seine beiden Töchter Andrea und Claudia.

Als im September 1975 in Manila Muhammad Ali und Joe Frazier um den WM-Titel kämpften, waren nur drei deutsche Journalisten live vor Ort, einer davon war „poggi“. Wenige Tage später stand er schon wieder an der Außenlinie beim Fußballspiel „umme Ecke“ in Datteln. Der Mönchengladbacher Trainer Hennes Weisweiler lud „poggi“ ins Trainingslager ein und ließ ihn im Training mitmachen. Tatsächlich brauchten Hennes und Hacki Wimmer jedoch einen dritten Mann „für zum“ Skatkloppen.

Bei Allradtests in der afrikanischen Wüste zeigte er Humor und Stil. Es gab bei „poggi“ am Tisch servierte panierte Hähnchen. Den Tisch hatte er als Rechteck in den Sand gezeichnet und die Pannade war nichts anderes als vom Wüstenwind aufgewirbelter Staub.

Werner Poggenpohl mochte Tiere, nicht nur die Pferde auf der ruhmreichen Trabrennbahn Recklinghausen. Kreuzten während der Testfahrten Hunde waghalsig die Straße oder standen ängstlich am Wegesrand, hielt „poggi“ häufig an. Ein beruhigendes oder aufmunterndes Wort musste sein. Er mochte alle Hunde, nicht nur seine eigenen.

Nicht nur bleibende Eindrücke hinterließ „poggi“ bei der Arbeit, die er korrekt, versiert, souverän und fröhlich wahrnahm. Das Zwischenmenschliche und Fairplay galten ebenso als Markenzeichen wie sein Kürzel „poggi“. So behalten wir Werner Poggenpohl gern in Erinnerung. (ampnet/mb)


Beitrag zuletzt aktualisiert am 8. September 2015

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