Opel Vectra OPC Testbericht

Ohne die Selbstbeschränkung auf 250 km/h rennt der Vectra OPC offene Türen bei den Sportfahrern ein. 255 PS sorgen für 260 km/h Höchstgeschwindigkeit fragt sich nur ob der Familien-Express neben seinen High-Speed-Ambitionen auch noch andere Qualitäten mitbringt.

Zugegeben: das letzte Mal, als mich ein Opel im wahrsten Sinne des Wortes vom Hocker haute, ist schon eine Weile her. Genau genommen war das im Jahre 1976. Ich zählte zarte sechs Lenze und machte mit meinem Großvater an jeder roten Ampel das gleiche Spiel. Die Regeln in Kürze: Ich stellte eine Frage und er tat so, als würde er sie nicht hören. Daraufhin zog ich mich an den Streben der Kopfstützen auf der Rücksitzbank ganz nach vorn, fragte ihn nochmals – und dann: Wumms! Mein Opa gab seinem Diplomat mit einem Kickdown derart die Sporen, das ich rücklings in den Fond purzelte. Wir haben uns immer kaputt gelacht. Meine Omi fand das ganze Treiben eher weniger komisch…

Opel Vectra OPC

Zeitsprung, wir schreiben das Jahr 2006. Und da ist es wieder, das herrliche Wumms-Gefühl! Eine Begeisterung, für die der Motor des Opel Vectra OPC verantwortlich ist. Und sein Fahrwerk. Und die Sitze. Doch gemach, gemach – eines nach dem anderen. Beginnen wir mit einem Blick unter die Motorhaube, die wie der Rest des Vectras im typischen Blau der OPC-Familie leuchtet. Dort befindet sich der 2,8-l-V6, der dank Turbolader-Technologie über 255 PS und 355 Newtonmeter Drehmoment bereitstellt. Kurzum: ein Prachtwerk. Bereits bei der Lektüre der technischen Eckdaten stellt sich eine wohlige Gänsehaut ein. Spätestens jedoch, sobald der Motor läuft. Denn den beiden Auspuffendrohren entweichen schon im Stand Laute, die auf ein sehr gesundes Selbstbewusstsein der Sound-Ingenieure beim Opel Performance Center schließen lassen. In Summe dieser Eigenschaften wird jede Fahrt im Vectra OPC zum unerwartet herzerweichenden Prozedere. Und man ertappt man sich unentwegt dabei, zu hinterfragen, warum ein Auto mit dem Image des Vectra so viel Spaß machen kann. Sei´s drum. Mehr noch als der Klang überzeugt beim Super-Vectra die Kraftentfaltung des Aggregates, die wirklich nichts mit den wilden Manieren seiner Vorvorgänger gemeinsam hat. Zwischen 1800 und 4500 Umdrehungen pro Minute liegt bereits das maximale Drehmoment an. Die Frage nach dem eingelegten Gang wird damit überflüssig. Doch auch im oberen Drehzahlbereich geht dem Motor nicht die Luft aus, im Gegenteil: bei 5000 geht es noch mal mit einem deutlichen Satz nach vorn. Hätte der OPC-Vectra nicht so viele karosserieseitige Hinweise auf seine Kraft zu bieten, man würde wegen der Leistungsshow als unbedarfter Beifahrer schlicht vom Glauben abfallen.

Doch der Vectra spielt die Rolle des unterschätzten Underdogs gern. Zum Beispiel beim Thema Höchstgeschwindigkeit. Wie steht es mit der Selbstbeschränkung der Konkurrenz bei 250 km/h? Wie bitte, ich hör´ so schlecht! Wumms! Mit exakt 260 km/h schnell pfeilt sich der fünftürige Blitz auf der linken Spur an den Tempo-limitierten Sternen, Ringen und Propellern vorbei. Ein Heidenspass – die Jungs bei Opel scheinen sehr genau zu wissen, wie man die schönsten Momente am Lenkrad erlebt. Eine Freude, die durch das äußerst souverän abgestimmte Fahrwerk auch nicht nur im Geringsten getrübt wird. Lediglich bei wirklich sehr stramm durchfahrenen, engen Kurven löst sich kurzfristig das kurveninnere hintere Rad von der Strasse. Der Fahrer spürt davon nichts, im Inneren herrscht angenehme Ruhe. Wellen, Schläge und auch jeder weitere Rest asphaltierter Unbill steckt die Sport-Limousine so lässig weg, als gäbe es sie gar nicht. In Relation zum Fahrzeuggewicht von immerhin 1,6 Tonnen und der OPC-spezifischen Tieferlegung um 15 Millimeter im Vergleich zum „normalen“ Vectra mitnichten eine Selbstverständlichkeit.

Ebenso wenig selbstverständlich ist der bei der Bremsanlage betriebene Aufwand. Nicht selten stellen die Hersteller ihren stark motorisierte Fahrzeugen hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit wegen ihrer unterdimensionierten Bremsanlage ein Bein. Für den OPC-Vectra trifft das nicht zu, seine belüfteten Bremsscheiben weisen an der Vorderachse einen Durchmesser von 345 Millimetern auf – eine klare Ansage. Das Ergebnis ist eine Bremse, die selbst bei heftiger Inanspruchnahme nicht einknickt und obendrein auch noch nach mehrmaligen Vollbremsungen einen klar definierten Druckpunkt bietet.
Gänzlich rund wird die Vorstellung des Vectra OPC durch die konsequent sportliche Ausstattung im Innenraum. Recaro-Schalensitze, die in in punkto Seitenhalt und Ergonomie Bestnoten verdienen. Dazu werden noch das sauber schaltbare Sechsgang-Getriebe, die bunte OPC-Uhrensammlung und das verstellbare Sportlenkrad serviert. Zutaten, die dem OPC-Vectra eine erfolgreiche Zukunft garantieren sollten. Auf das es bei mir nicht erst wieder 30 Jahre dauern möge, bis es wieder heißt: Wumms! tym/tonne


Beitrag zuletzt aktualisiert am 13. März 2017

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