Endlich ab in die Motorrad-Saison

Vom 1. März bis zum 30. Oktober gilt die Motorrad-Saison. Die Maschine muss auf Vordermann gebracht, natürlich muss auch der Fahrer fit sein, wenn es das erste Mal nach der besonders langen Pause auf Tour geht. Diese Liste hilft mit praktische Tipps für Biker und Bike.

„Viele Unfälle passieren beim Motorradsommer, weil den Bikern die Pause noch in den Knochen steckt und sie sich überschätzen“, sagt Lars Krause von TÜV SÜD. „Um das Gefühl für die Maschine und die Straße wieder zu erlangen, eignen sich am besten bekannte und überschaubare sowie einsehbare Strecken. Für die allgemeine Fitness steigen erfahrene Fahrer schon Wochen, bevor es ins neue Motorradjahr geht, öfter Mal aufs Fahrrad. Neben der Konditionssteigerung werden Koordination und Reaktion trainiert. Die beim Motorradfahren besonders beanspruchte Muskulatur von Nacken, Handgelenken, Unterarmen und Fingern bekommt man beispielsweise durch das Drücken eines Tennisballs wieder fit. Die allgemeine Beweglichkeit steigert man mit leichten Dauerläufen oder einem gezielten Fitnesstraining.

Landstraße mit Biker in der Motorradsaison
Die Temperaturen locken zur Ausfahrt, davor sollte man das Motorrad gründlich checken

Die frühsommerlichen Temperaturen dieser Tage locken zur ersten großen Ausfahrt in die Motorradsaison. Bevor jedoch die Maschine an den Start geht, sollten alle Bikerinnen und Biker den technischen Zustand ihres Motorrads gründlich checken und ihr fahrerisches Können auffrischen.

Motorrad vorbereiten

Bevor es das erste Mal auf Tour geht, Motorrad reinigen, alle Flüssigkeiten, die Federung und die Lenkung prüfen. Der Reinigung folgt eine gründliche Sichtinspektion. Sitzen alle Schraubverbindungen fest? Gibt es unentdeckte Beschädigungen? Besonders im Fokus stehen die Sicherheitskomponenten, allen voran die Reifen und die Bremsen. Bei den Belägen auf ausreichend Stärke achten. Faustregel: unter zwei Millimetern wird es kritisch! Auch die Bremsscheiben müssen ausreichend stark sein und dürfen keine tiefen Riefen oder gar Risse haben. Die Mindest-Stärke ist in der Regel auf den Motorrad-Bremsscheiben angegeben und kann mit einem Messschieber von jedem selbst kontrolliert werden.

Dazu zählt ein prüfender Blick auf das Reifenprofil, den Reifenluftdruck, den Zustand der Felgen, den Antrieb, den Kraftstoffvorrat, den Motorölstand, die Bremsflüssigkeit, das Kühlmittel sowie die gesamte Beleuchtungsanlage. Ein häufiger Schwachpunkt ist die Batterie. Hat der Akku während der Winterpause seinen Geist aufgegeben, hilft meist ein passendes Ladegerät der Maschine wieder auf die Sprünge. Auch Reinigung und Pflege der Maschine sollten nicht vernachlässigt werden.

Besonders wichtig sind natürlich die Bremsen: Sind Bremsbeläge und Bremsschläuche in Ordnung? Außerdem müssen häufig Konservierungsstoffe auf den Bremsscheiben entfernt werden. Weiter geht es mit Beleuchtung und Blinkern, dann die Rückspiegel und schließlich der Blick auf die Kette. Die Einstellung der Kette sollte bei abgebockter und belasteter Maschine geprüft und der Antrieb bei Bedarf nachgefettet werden. Ein Blick auf die Kraftstoffleitung und die Prüfung von Federn und Stoßdämpfern runden den Frühlings-Kurzcheck ab.

Genauso sorgfältig wie die Maschine sollte auch die persönliche Schutzausrüstung gecheckt werden. Ist der Helm noch in Ordnung? Auch wenn er keinen Sturz zu verkraften hatte, sollte ein moderner Helm nach etwa fünf Jahren ersetzt werden. Passt die Kombi noch und sitzen die Protektoren an der richtigen Stelle? Und natürlich schützt die Kombi nur, wenn sie nicht zu Hause im Keller hängt und der Biker sich auf Jeans und Windjacke verlässt. Schließlich lohnt sich noch ein Blick auf den Versicherungsschutz.

Reifen prüfen

Liegt die Profiltiefe noch bei mindestens 1,6 Millimetern (gesetzliche Mindesttiefe)? Sind Profil und Flanken der Reifen okay – sind Beschädigungen zu sehen oder gar Fremdkörper im Gummi? Sind noch alle Ventilkappen vorhanden? Auch wenn die Sichtkontrolle positiv verläuft: Ab einem Alter von sechs Jahren sollten sie deshalb genauer untersucht werden. Jahr und Kalenderwoche der Herstellung finden sich als DOT-Nummer an den Reifen: DOT 1712 ist gleich 17. Kalenderwoche 2012. Außerdem unbedingt den Luftdruck prüfen. Ist der über den Winter übermäßig abgesackt, kann dies ein Hinweis auf Schäden sein. Krause: „Wer sich technisch nicht wirklich gut auskennt, sollte den Frühjahrs-Check unbedingt in der Fachwerkstatt erledigen lassen.“

Langsam anfangen

Während der ersten Touren bewusst verhalten fahren und eher kurze Strecken ins Visier nehmen. „Sollte es doch gleich eine längere Ausfahrt sein, auf die eigenen Ressourcen achten und unbedingt Pausen einplanen“, so Krause. Am besten aber eine bekannte Tour aussuchen. Auf sicherem Terrain lassen sich die eigene Fahrfähigkeit und das Gefühl für die Maschine am besten wiederfinden.

Laut Statistik gehen die größten Risiken von überhöhter Geschwindigkeit, zu geringem Abstand und riskantem überholen aus. Vor allem die jungen Motorradfahrer sollten es nicht zu ungestüm angehen lassen. Sie haben oft noch wenig Fahrpraxis und neigen dazu, die eigenen Grenzen zu überschreiten. Die Folge ist das höchste Unfallrisiko aller Altersgruppen. Die Experten empfehlen ein regelmäßiges Fahrtraining, am besten zu Beginn der Saison. Zumindest das Bremsen in Notsituationen sollte auf einem wenig befahrenen Parkplatz geübt werden.

Motorrad-Ratgeber

Einfache Hilfestellung leistet der GTÜ-Motorradratgeber. Auf 32 Seiten geben die Experten der Stuttgarter Prüf- und Sachverständigenorganisation fachkundige und praxisgerechte Antworten auf alle wichtigen Fragen rund ums Motorrad und Biken. Die Wahl der richtigen Bekleidung, und Zubehörempfehlungen sind ebenso ein Thema, wie die fahrerische Vorbereitung auf die Saison sowie das Fahren in der Gruppe oder die Ausfahrt mit Kindern. PDF Biker Ratgeber runterladen

GTÜ Motorrad-Ratgeber als PDF

Auto- und Motorradfahrer müssen Rücksicht nehmen

Rund 3,7 Millionen Motorräder auf Deutschlands Straßen erfordern, dass Auto- und Motorradfahrer aufeinander Rücksicht nehmen. Autofahrer müssen jederzeit mit Motorradfahrern rechnen, Vorsicht ist schon beim Ausparken und Fahrten in der Stadt geboten, denn Zweiräder sind trotz Lichtpflicht nur schwer zu erkennen. Und Motorradfahrer sollten vorsichtig fahren, bis sie wieder das richtige Gefühl für ihre Maschine entwickeln, rät der Automobilclub von Deutschland (AvD). Die schmale Silhouette eines Motorradfahrers ist leicht zu übersehen. Oft versteckt sich ein Biker im toten Winkel hinter dem Fahrzeug oder ist im Rückspiegel erst auf den zweiten Blick zu erkennen.

Die Unfallsachverständigen von DEKRA empfehlen Autofahrern: lieber einmal zu viel hinschauen als einmal zu wenig. Wichtig ist auch, besonders beim Linksabbiegen immer den Blinker zu setzen und sich durch Schulterblick zu vergewissern, dass kein Fahrzeug zum Überholen angesetzt hat. In solchen Situation wird oft auch die starke Beschleunigung der Maschinen unterschätzt. Unfälle zwischen Pkw und Motorrädern werden zu rund 71 Prozent vom Pkw-Fahrer verursacht. Also Vorsicht!

Motorräder verleiten die meisten Fahrer zu dynamischer Fahrweise, denn sie sind wendig, können gut beschleunigen, werden aber leicht unterschätzt. Im Gegenverkehr ist ihre Silhouette oft nicht genau zu erkennen, deshalb fahren Motorräder mit Licht. Man sollte auf genügend Abstand beim Überholen achten, seitlich lieber eine Lücke lassen. Das Rechtsfahrgebot gilt mehr denn je, denn wegen der Schräglage in Kurven muss man gerade auf Landstraßen mit Motorrädern in Fahrbahnmitte rechnen.

Im Stau und an Ampeln sollte man sich nicht über Motorradfahrer ärgern, die sich trotz Verbot seitlich an den Wartenden vorbeischieben und leicht im toten Winkel übersehen werden. Wer sich behindernd oder gefährdend verhält, macht sich strafbar. Durchschlängeln im Stau kann als verbotenes Rechtsüberholen bewertet und – außerhalb geschlossener Ortschaften begangen – mit einem Bußgeld von EUR 100,00 sowie einem Punkt geahndet werden.

Biker selbst sollten Rücksicht auf die Fahrzeuge nehmen, die viel schlechter bremsen können. Motorradfahrer, die knapp vor LKW einscheren und bremsen, sind ebenso in Lebensgefahr wie Kolonnenspringer.

Laut StVO ist „versetztes Fahren in Motorradgruppen bei günstigen Verhältnissen unter Berücksichtigung der erforderlichen Verkehrssicherheit zulässig“, wenn wenig Verkehr herrscht, keine Sichtbeeinträchtigung vorliegt und ein übersichtlicher Straßenverlauf gegeben ist. Bei solchen Gruppenfahrten dürfen die Fahrbahnmitte oder Fahrstreifenbegrenzungen nicht überschritten werden.

Autofahrer sollten immer auf Motorräder achten. Vor dem Benutzen der Scheibenwischanlage sollte man sich vergewissern, dass kein Zweiradfahrer hinter oder neben einem ist. Das Spritzwasser setzt sich auf die Visiere der Motorradfahrer und brennt wegen der Reinigungsmittel in den Augen. Ganz wichtig: die achtlos aus dem Fenster geworfene Zigarettenkippe ist für Zweiradfahrer lebensgefährlich – diese Art der Entsorgung ist streng verboten. In dichtem Verkehr und in der Stadt sollte man das Vorfahren der Motorräder tolerieren, denn sie Fahrer sind der Witterung viel intensiver ausgesetzt. Wer ein Motorrad im Rückspiegel sieht, sollte, wo möglich, Platz machen und vor allem am rechten Fahrbahnrand fahren.

Beim Fahren in der Sommerhitze ist trotzdem Kleidung mit Schutzwirkung überzuziehen. Das muss heutzutage nicht zwingend die schwere Lederkombi sein. Mittlerweile wird Schutzkleidung aus leichteren Synthetikstoffen angeboten, in die häufig sogar Protektoren eingearbeitet sind. Der AvD weist Motorradfahrer darauf hin, dass bei intensiver Sonneneistrahlung, wie sie jetzt herrscht, der Kopf im Helm zu heiß werden kann. Kreislaufprobleme bis hin zum Kollabieren können die gefährliche Folge sein! Beim Kauf eines Helms auf eine gute Durchlüftung achten, wo möglich, mit offenem Visier fahren oder im Sommer Jethelme aufsetzen.

Überhitzung kann auch luftgekühlten Motorradmotoren zusetzen. Deshalb sollten die Fahrer bei Halt vor roten Ampeln oder im Stau den Motor abstellen. Auch aus diesem Grund sollten stundenlange Fahrtstrecken vermieden werden. Im Schatten parken. Die einzulegende Pause dient natürlich auch der Regeneration. Ausreichend Flüssigkeit, am besten Wasser, trinken. Auf gesüßte Getränke verzichten, weil sie das Durstgefühl verstärken können.

Motorradfahrern mit Panne sollte man helfen, wenn dies gefahrlos möglich ist, denn die Warnblinkanlagen der Zweiräder sind schwach und viele Maschinen können nur schwer aus dem Verkehrsraum geschoben werden. Oft genügt es schon, Hilfe anzurufen oder den Motorradfahrer bis in den nächsten Ort mitzunehmen.

Der AvD bemängelt, dass viele Motorräder ohne technische Notwendigkeit so laut sind, dass sie ganze Viertel und Landstriche beschallen. Weil Motorradfahrer beschauliche Nebenstraßen mit Kurven lieben, wird so ausgerechnet in landschaftlich reizvollen Gegenden oft viel störender und sogar schmerzhafter Lärm erzeugt. Die StVZO nennt strikte Grenzwerte, die nicht überschritten werden sollten – mehr Lärm bedeutet niemals mehr Leistung. Der AvD bittet deshalb die Biker, dieses Thema untereinander zu regeln, bevor die Polizei bei Schwerpunktkontrollen Fahrzeuge aus dem Verkehr zieht.


Beitrag zuletzt aktualisiert am 25. Mai 2020