Der Käfer im Sportdress: 60 Jahre Karmann Ghia

„Einer der schönsten Wagen der Welt“. So titelte im September 1955 die „Gute Fahrt – Die Zeitschrift für den VW-Fahrer“. Auch wenn es lediglich ein sportliches Coupé auf Käfer-Basis war, die elegante Linie des Karmann Ghia verzauberte Fachpresse wie Autofahrer der Wirtschaftswunderzeit. Zwei Jahre zuvor hatte der Osnabrücker Karosseriebauer Wilhelm Karmann Volkswagen Generaldirektor Heinrich Nordhoff den Prototypen des Karmann Ghia Coupé (Typ 14) präsentiert. Italienischer Chic, 1953 in Georgsmarienhütte, aber „der Alte“ aus Wolfsburg biss an und Karmann bekam den Auftrag, den Wagen zur Serienreife weiterzuentwickeln. Im Frühjahr 1955 lief der erste Wagen vom Band.
Der Prototyp aus der Sammlung des Osnabrücker Volkswagen Werkes ist der Star der aktuellen Sonderausstellung des Automuseum Volkswagen in Wolfsburg. Bis zum 11. April 2015 zeigt die Schau „Käfer im Sportdress. 60 Jahre Karmann Ghia“ die schönsten Stücke der knapp 20-jährigen Evolutionsgeschichte des legendären Sport-Coupés aus Osnabrück. Sechs Themeninseln warten auf den Besucher: Neben dem Ur-Karmann ist jeder Entwicklungsschritt bis 1974 mit mindestens einem Fahrzeug vertreten. Prototypen geben einen Einblick in die Kunstfertigkeit Karmanns, auf Basis des jeweils aktuellen Käfers andere Karosserien anbieten zu können. Realisiert wurden sie aufgrund des großen Erfolges des Kleinen aus Wolfsburg jedoch nie. Jeweils drei Fahrzeuge erinnern an die Geschichte Karmanns als „Global Player“ mit einem Werk im brasilianischen Sao Paulo und an den Typ 34, den leider wenig erfolgreichen großen Bruders des Typ 14. Einige Fahrzeuge bieten einen Ausblick auf die Beziehungen von Karmann zu anderen deutschen Automobilherstellern.

Drei Unikate runden die liebevoll gestaltete Sonderausstellung ab. Sie stehen für einen ungebrochenen Enthusiasmus zum Karmann Ghia: Ingenieure, Techniker und Kaufleute der ES-Tec GmbH aus Wolfsburg elektrifizierten einen Typ 14 aus dem Jahr 1968 als firmeninternes Projekt der Teambildung, wie Geschäftsführer Marc Wille stolz berichtete. Über ein Jahr hinweg wurden 300 Arbeitsstunden damit verbracht, in der Freizeit am Abend und am Wochenende. 23 kWh einer Lithium-Eisenphosphat-Batterie sorgen für die Energie, die den Osnabrücker auf 135 km/h beschleunigt. Reichweite des E-Karmann: 200 Kilometer. Damit schlägt der Oldtimer viele moderne, auf dem Markt angebotenen E-Fahrzeuge um Längen.

Jochen Bader aus Stuttgart krönte seine Sammlung historischer Volkswagen mit einem echten Wolf im Ghia-Pelz. Ausgangspunkt war ein Sechs-Zylinder-Motor eines Porsche 911 (Typ 993). Nahezu alle Teile seines Karmann Ghia wurden dafür optimiert – von dem Fahrwerk bis zur Karosserie. Unter dem Blechkleid des Karmann versteckt sich eine durchgehende Zelle, um die Kräfte des Motors überhaupt aufnehmen zu können. 292 km/h Spitze – sicherlich einer der schnellsten „Karmänner“ weltweit.

Ohne die tatkräftige Hilfe der Vereinsfreunde der „Karmann Ghia Interessengemeinschaft Südheide“ wäre die Ausstellung nicht möglich gewesen. Tobias Ludwig hat seine Schatzkammer geöffnet und die Vitrinen mit unzähligen Devotionalien bestückt. Darunter Modelle jeglicher Güte aus 60 Jahren Karmann Ghia-Historie. Ein niemals zusammengesetzter Revell-Bausatz lässt es bei Bastlern in den Fingern jucken, wieder einmal den Kleber in die Hand zu nehmen. Und Vereinskollege Dirk Kalis-Clöer aus Wolfsburg unterstreicht mit seinem 1957er Typ 14 die Internationalität des Klassikers: Ursprünglich aus Seattle stammt sein Fahrzeug, welches er innerhalb von zwei Jahren vom Zustand „Note Fünf“ in den Zustand „Eins mit Sternchen“ gebracht hat. Auf der Heckscheibe prangt ein Alumni-Aufkleber der Seattle University – natürlich ebenfalls liebevoll restauriert. Ehrensache. (ampnet/av)

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VW Museum: 60 Jahre Karmann Ghia

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Beitrag zuletzt aktualisiert am 5. April 2015

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