Ratgeber: Kindersitz richtig montieren

Von allen Kindern unter sechs Jahren, die im vergangenen Jahr im Straßenverkehr verunglückten, wurden 63 Prozent (3581) im Pkw befördert. Die Straßenverkehrsordnung sagt: Kinder unter 12 Jahren oder die kleiner als 150 Zentimeter sind, in Kraftfahrzeugen mit einem geeigneten Kinderrückhaltesystem gesichert werden müssen. Die Rückhaltesysteme müssen bestimmten Vorschriften entsprechen, amtlich genehmigt sein und richtig montiert werden.

Auf europaweiter Ebene ist der Gebrauch von Kindersitzen mittlerweile eine gesetzliche Pflicht und dient der Sicherheit des Kindes während der Autofahrt. Abhängig von der Nutzungsart und dem Alter des Kindes gibt es heutzutage eine große Vielzahl an verschiedenen Kindersitzen. Wie du den Kindersitz richtig montieren kannst hängt vom Modell entweder auf der Rückbank oder dem Beifahrersitz (siehe dazu auch unsere Fragen und Antworten am Ende der Seite).

Das beste Kindersitz-Modell bringt nichts, wenn dieses nicht richtig eingebaut wird und deshalb Lücken bei der Sicherheit ausweist. Anscheinend sind aber trotz drohendem Bußgeld und Punkten in Flensburg noch nicht alle Fahrer bereit, mitfahrende Kinder im Fahrzeug richtig zu sichern: Nach Beobachtungen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) werden Kinder zwar auf der Autobahn fast immer im Kindersitz gesichert, auf Landstraßen und in der Stadt ist die Sicherungsquote mit 90 beziehungsweise 83 Prozent jedoch deutlich geringer. Das Risiko, bei einem Unfall verletzt oder getötet zu werden, ist bei einem ungesicherten Kind um das Siebenfache höher.

Kinder im Kindersitz
Kinder unter 12 Jahren und kleiner als 150cm, gehören in den Kindersitz.

Wichtige Faktoren bei der Montage von Kindersitzen

Foto: Kind im Kindersitz
Hinten rechts hat man das Kind gut im Blick.
Bei der Montage von Kindersitzen ist vor allem die richtige Platzierung zu beachten. Am sichersten ist das Anbringen des Kindersitzes in der Mitte auf der Rückbank, darüber hinaus ist der rechte Sitzplatz auf der Rückbank eine gute Alternative. Auf diesen beiden Plätzen ist es auch einfacher, zwischendurch das Geschehen beim Kind zu überwachen, außerdem kann es auf diese Weise zur Gehwegseite aussteigen bzw. von dort herausgeholt werden. Vor der Montage ist ein ausführlicher Blick in die Gebrauchsanleitung unumgänglich, diese bietet eine zuverlässige Hilfestellung bei der Befestigung und ist genau zu befolgen, um folgenschwere Fehler zu vermeiden. Bei jedem Model gibt es abweichende Vorschriften für die Gewichtsklasse, die vorgeschriebene Richtung beim Einbau, den erforderlichen Gurtverlauf und die erlaubten und nicht erlaubten Sitzpositionen, welche unbedingt beachtet werden müssen. Einen eingehenden Überblick über die verschiedenen Kindersitz-Modelle und deren Funktionssysteme erhalten sie zum Beispiel auf baby-walz.de am besten mit Kind und Auto zum Händler.

Große Vorsicht sollte bei der Montage eines Kindersitzes auf dem Beifahrersitz gelten, bei einem Unfall kann der Airbag hochgehen und das Kind schwer verletzen. Wenn nicht zu 100% sicher ist, wie der Airbag komplett auszuschalten ist, dann sollten rückwärts montierte Kindersitze auf dem Beifahrersitz besser vermieden werden.

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Gurt oder ISOFIX für die Befestigung des Kindersitzes

Kindersitze lassen sich mit den gewöhnlichen Autogurten, entweder Drei- oder Zweipunktgurten, oder einem speziellen Gurtsystem, dem sogenannten ISOFIX befestigen. Inzwischen ist der Dreipunktgurt die gängigste Gurtart und wird bei den neuen Modellen an allen Stellen angebracht, bei älteren Autotypen befindet sich der Zweipunktgurt normalerweise auf dem mittleren Sitz der Rückbank. ISOFIX ist ein praktisches und sicheres Befestigungssystem, welches sich innerhalb des Autos nur in Kombination mit einer dafür designierten Verankerung nutzen lässt. Jedoch ist nicht jedes Auto mit dieser besonderen Halterung ausgerüstet und aus diesem Grund oft nicht kompatibel für einen ISOFIX-Kindersitz. Der Anschnallgurt darf weder zu fest noch zu locker angelegt werden, eine erwachsene Hand sollte noch flach zwischen den Gurt und den Brustkorb des Kindes passen. Aus diesem Grund ist dicke Kleidung zwischen dem Gurt und dem Kind zu vermeiden, denn der Kindersitz schützt nur dann, wenn der Gurt eng genug anliegen kann. Babyschalen und spezielle Sitze für Kleinkinder verfügen über eigene Hosenträgergurte, um die Kinder zu sichern, bei diesen Modellen wird der Gurt ganz um den Kindersitz herumgeführt und hält diesen sicher und fest in seiner Position.

Passenden Sitz auswählen
Heute unterscheidet man je nach Gewicht des Kindes verschiedene Arten von Sitzen: Bei den Kleinsten werden Babyschalen benutzt, die rückwärts zur Fahrtrichtung eingebaut werden. Manche Eltern montieren die Babyschale auf dem Beifahrersitz, weil so während der Fahrt ein kurzer Blickkontakt leichter möglich ist. Dabei muss jedoch der Beifahrer-Airbag deaktiviert werden, weil dieser in Kombination mit einer rückwärts gerichteten Babyschale das Kind verletzen kann.

In der Gewichtsklasse I (9 bis 18 Kilogramm) werden Sitze angeboten, bei denen die Kinder entweder durch einen Hosenträger- oder Fünfpunktgurt oder durch ein Fangkörper-System im Sitz gehalten werden. In der Gewichtsklasse II und III (15 bis 25 Kilogramm beziehungsweise 22 bis 36 Kilogramm) gibt es vor allem Sitzerhöhungen mit Rücken- und Seitenstützen. Bei diesen wird das Kind zumeist direkt mit dem Dreipunktgurt gesichert. Die Experten des DVR empfehlen, Sitzerhöhungen erst bei Kindern ab vier Jahren zu benutzen und dabei nicht auf die Rückenstützen zu verzichten, da die Kinder so bei einem Unfall besser geschützt sind. Sehr vorteilhaft ist nach Meinung des DVR das sogenannte „Isofix“- Befestigungssystem. Dabei handelt es sich um fest im Fahrzeug eingebaute Halterungen, in die der Kindersitz mit entsprechenden Gegenstücken eingerastet wird.

Fragen und Antworten zur Kindersitzmontage

Wir haben die Experten vom ADAC und des DVR ans Telefon geholt und die häufigsten Fragen zur Kindersitzmontage gestellt. Andreas Bergmeier vom Referat für Kinder und Jugendliche, Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR), Bonn. Günter Trunz ist ADAC-Verkehrssicherheitsexperte aus Dortmund und Hubert Paulus ist Diplom-Ingenieur für Fahrzeugtechnik im ADAC-Technikzentrum Landsberg am Lech.

Soll ich den Kindersitz in Fahrtrichtung oder entgegen der Fahrtrichtung montieren?
Hubert Paulus: Für kleine Kinder bis etwa drei Jahre ist die rückwärtsgerichtete Beförderung sicherer, weil beim Frontalunfall das Kind breitflächig in die Kindersitzschale gedrückt wird. Das reduziert die Belastungen insbesondere an der Halswirbelsäule.

Platziere ich eine Babyschale besser auf dem Beifahrersitz oder auf einem Rücksitz?
Hubert Paulus: Nur wenn das Baby während der Fahrt unbedingt beobachtet werden muss, sollte es auf dem Beifahrersitz gesichert werden. Ganz wichtig: Schalten Sie auf jeden Fall den Beifahrerairbag ab, denn dieser kann für das Kind bei einem Unfall lebensgefährlich werden. Ansonsten empfehlen wir die Sicherung hinten rechts.

Sind Airbags vorne grundsätzlich abschaltbar?
Hubert Paulus: In den meisten neueren Fahrzeugen ist der Beifahrerairbag abschaltbar. In älteren Modellen war der Schalter teilweise jedoch nur gegen Aufpreis erhältlich, weshalb er in Gebrauchten häufig fehlt. Prüfen Sie die Voraussetzungen anhand der Fahrzeugbedienungsanleitung und machen Sie sich am Fahrzeug mit den für die Deaktivierung notwendigen Schritten vertraut.

Wann muß mein Kind in die höhere Sitzklasse?
Andreas Bergmeier: Bei Babyschalen, also Gruppe 0/0+, gilt: Wenn der Kopf über den Rand der Schale ragt, muss in die nächstgrößere Gruppe gewechselt werden. Sind die Beine der Kinder schon so lang, dass sie über die Schale ragen, ist das hingegen unerheblich. Der Wechsel von Gruppe I in die höhere Gruppe II/III ist fällig, wenn der Kopf mehr als circa zwei Zentimeter über den oberen Rand des Kindersitzes hinausragt.

Was versteht man unter einem „i-Size-Sitz“?
Günter Trunz: Dabei handelt es sich um eine neue Norm, die aus der Isofix-Befestigung weiterentwickelt wurde. Der Sitz ist auch hier direkt mit dem Chassis des Autos verbunden. Bei i-Size haben sich Fahrzeug-und Kindersitzhersteller erstmals auf eine gemeinsame Norm verständigt. Das bedeutet: Entspricht ein Auto der i-Size-Norm, passt der Sitz perfekt, egal von welchem Hersteller.

Welche Prüfnorm muss ein Sitz denn nun erfüllen?
Hubert Paulus: Die aktuellen Prüfnormen sind ECE-R 44/04 und ECE-R129, die sogenannte i-Size-Norm. Es dürfen aber auch noch Kindersitze verwendet werden, die die ECE-R 44/03 aufweisen.

Bieten dann nur i-Size-Sitze die optimale Sicherheit?
Andreas Bergmeier: Nein, auch Sitze nach ECE-R 44/04 bieten Kindern eine sehr gute Sicherheit – ein gutes Testergebnis vorausgesetzt. Die Stiftung Warentest prüft regelmäßig die aktuellen Kindersitze am Markt.

Was ist ausschlaggebend: Körpergröße oder Gewicht des Kindes?
Günter Trunz: Bei den Sitzen nach ECE-R 44/03 und 04 ist das Körpergewicht entscheidend. Bei i-Size-Sitzen ist allein die Körpergröße ausschlaggebend. Die Größenangabe ist je nach Hersteller verschieden und wird auf dem i-Size-Sitz angegeben.

Ab wann darf ich ein Kind ohne Kindersitz mitfahren?
Andreas Bergmeier: Das ist klar gesetzlich geregelt: Bis zum zwölften Geburtstag oder bis zur Körpergröße von 150 Zentimetern muss ein geeignetes Kinderrückhaltesystem verwendet werden. Ist Ihr Kind erst elf Jahre alt, aber schon 155 Zentimeter groß, darf es ohne Kindersitz mitfahren.

Foto Günter Trunz
Günter Trunz vom ADAC
Passt ein Isofix-Sitz auch in Autos ohne entsprechende Aufnahme am Fahrzeugsitz?
Günter Trunz: Viele Isofix-Sitze sind auch für die Befestigung mit dem Dreipunkt-Gurt zugelassen. Das ist praktisch, wenn Sie den Sitz in mehreren Fahrzeugen verwenden. Sie sollten beim Kauf beide Einbauvarianten ausprobieren.

Gibt es Listen, welche Sitze für welches Auto geeignet sind?
Günter Trunz: Bis mehr Fahrzeuge nach der neuen i-Size-Norm ausgestattet sind, wird noch einige Zeit vergehen. Die Kindersitzhersteller bieten für die Übergangszeit im Internet Informationen an, welche i-Size-Sitze in welchen Isofix-ausgestatteten Autos werden können. Umgekehrt erfährt man auch, ob der einbau eines Isofix-Sitz im i-Size-Auto klappt.

Welche Fehler werden beim montieren von Kindersitzen besonders häufig gemacht?
Andreas Bergmeier: In den meisten Fällen wird der Gurt nicht richtig nachgezogen, nachdem er durch die Führungen am Kindersitz gefädelt wurde. Dann sitzt er zu locker – mit möglicherweise gravierenden Folgen. Auch die Fünfpunkt-Gurte, die im Sitz integriert sind, sind oft viel zu locker. Bei der Babyschale wird häufig statt des Schultergurts der Beckengurt um die Schale gelegt. Der mit Abstand häufigste Fehler ist jedoch, dass der Sitz eingebaut wird, ohne die Bedienungsanleitung gelesen zu haben.

Foto Andreas Bergmeier
Andreas Bergmeier Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR)

Neue Kindersitze können ganz schön teuer sein. Was ist vom Kauf eines Gebrauchten zu halten?
Andreas Bergmeier: Einen gebrauchten Sitz sollten Sie nur kaufen, wenn Sie sicher wissen, dass er nicht beschädigt ist und keinen Unfall hinter sich hat. Er muss zudem der ECE-R 44/03 oder 04 entsprechen. Sitze, die nur die ECE-R 44/02 erfüllen oder noch älter sind, dürfen nicht mehr verwendet werden. Daher bei Ebay und Co. genau nachfragen.

Wo kann ich ausprobieren, welcher Sitz gut zu Kind und Auto passt?
Andreas Bergmeier: Wenn Sie nicht die Katze im Sack kaufen wollen, nehmen Sie Kind und Auto mit zum Fachhändler. Probieren Sie an Ort und Stelle aus, wie gut sich der Sitz einbauen lässt und ob Ihr Kind sich darin wohlfühlt. Bedenken Sie, dass der Sitz vielleicht auch im Zweitwagen oder im Auto der Großeltern eingesetzt werden soll.

Worauf muss ich bei Verwendung eines Sitzerhöhers achten?
Günter Trunz: Die wesentliche Funktion von Sitzerhöhern ist die Stabilisierung des Beckengurtes auf dem Hüftknochen des Kindes. Achten Sie deshalb darauf, dass der Sitzerhöher „Führungshörnchen“ hat und führen Sie den Gurt immer unter diesen hindurch. Übrigens: Sitzerhöher mit Rückenteil bieten zusätzlichen Schutz für den Seitenaufprall.

Mein Kind schläft während der Fahrt häufig ein und dann kippt der Kopf nach vorne oder zur Seite. Was kann ich dagegen tun?
Hubert Paulus: Der ADAC empfiehlt in einem solchen Fall die Verwendung eines speziellen Schlafkissens, wie es beispielsweise von Sandini angeboten wird. Die Kissen werden vorne mit einem Klettverschluss zusammengehalten und mithilfe eines Gegengewichts in der optimalen Position fixiert. Übrigens: Bei einigen Fahrzeugen lässt sich auch die Neigung der Rückenlehne flacher stellen. Das ist zwar gut fürs Schlafen, kann allerdings bei einem Unfall zu höheren Belastungen führen.

Wie aussagekräftig sind die Testergebnisse?
Hubert Paulus: Die Anforderungen der Verbraucherschutz-Tests liegen deutlich über den gesetzlichen Mindestanforderungen. Deshalb sind sie für eine Produktauswahl sehr wichtig. Aber auch mit einem guten Resultat sollten Kindersitze vor dem Kauf ausprobiert werden. Nicht jeder Kindersitz passt gleich gut in jedes Auto.

Welche Gruppen gibt es?

  • Gruppe 0: 0-10 Kilogramm
  • Gruppe 0+: bis 13 Kilogramm oder bis zu einem Alter von 15 Monaten
  • Gruppe 1: von 9 bis 18 Kilogramm

Beitrag zuletzt aktualisiert am 7. Juni 2017

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