Was sofort nach dem Wildunfall zu tun ist

Das Risiko für einen Wildunfall ist besonders groß im April, Mai sowie im Spätherbst. Nach dem Winter suchen die Tiere Futter und im Herbst suchen sie ein Winterquartier. Daher gibt es in dieser Zeit besonders viele Wildunfälle.

Die meisten Wildunfälle passieren bei Morgen- und Abenddämmerung, da sind Tiere besonders aktiv. Gerade an Waldstücken überqueren Wildtiere gerne die Straße. Auf der Suche nach Nahrung verlassen sie gerne ihre Deckung und legen weite Strecken zurück.

In Deutschland gibt es jedes Jahr um die 250.000 Wildunfälle. Laut des Versicherers HUK-Coburg entstehen Kosten von über 2000 Euro pro Wildunfall. Kraftfahrer sollten sich dabei nicht allein auf die warnenden Verkehrsschilder verlassen. Der ADAC Berlin-Brandenburg rät grundsätzlich zu erhöhter Vorsicht bei der Fahrt entlang von Wald- und Feldrändern oder auf neu angelegten Landstraßen. Im vergangenen Jahr ereigneten sich laut Statistischem Bundesamt 2548 Unfälle mit Personenschaden, bei denen die Ursache Wild auf der Fahrbahn war. Damit stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um mehr als sechs Prozent. In etwa 80 Prozent der Fälle ereignet sich eine Kollision mit einem Reh, jedes zehnte Tier ist ein Wildschwein.

Wildunfall vorbeugen

PKW Wildunfall mit einem Wildschwein
Nach dem Unfall mit dem Wildschwein sollte man sofort den Warnblinker anschalten. Trotz Schock sofort die Warnweste anziehen, die Unfallstelle mit einem Warndreieck sichern und die Polizei anrufen.
  • Umsichtig fahren
  • Die Straßenränder im Auge behalten und bremsbereit sein
  • Sofort abblenden und hupen
  • Hinter einem Tier kann sich noch ein Rudel befinden

Sobald ein Reh am Straßenrand auftaucht, gilt es, sofort die Geschwindigkeit zu drosseln und so langsam wie möglich vorbeizufahren. Auch Hupen ist sinnvoll, um das Tier zu vertreiben. Außerdem ist es wichtig, sofort abzublenden, denn im Licht der Scheinwerfer verharrt ein Tier meistens regungslos. Da ein Wildtier selten allein kommt, sollten Autofahrer zunächst nur langsam weiterfahren.

Falls sich der Aufprall nicht vermeiden lässt: Bei einer Kollision scharf bremsen. Das Lenkrad festhalten und die Fahrlinie halten. Das ausweichen führt meistens zu einem schlimmeren Unfall. Jedes gibt es viele tödliche Baumunfälle aufgrund von Wildwechsel. Deshalb, auch wenn es weh tut, lieber auf der Tier drauf halten.

„Auf keinen Fall sollten Fahrer versuchen, im letzten Moment abrupt auszuweichen. Besser einen Zusammenstoß mit dem Wild riskieren, als die Kontrolle über sein Fahrzeug zu verlieren“ ADAC Technik-Experte Jörg Kirst

Grafik Bremsweg bei einem Wildunfall
Je schneller ein Fahrzeug unterwegs ist, desto länger ist der Anhalteweg. Bei Tempo 80 kann ein Autofahrer sein Fahrzeug noch rechtzeitig zum stehen bringen, wenn in 60 Meter Entfernung plötzlich ein Wildtier auf der Straße springt. Bei 100 km/h gelingt dies nicht mehr. Der Fahrer prallt mit einer Restgeschwindigkeit von mehr als 61 Stundenkilometer auf das Tier.
Gefahrzeichen Nr. 142 Wildwechsel an der Autobahn
Immer bremsbereit sein. Dies gilt natürlich besonders, wenn das dreieckige Verkehrszeichen vor dem springendem Rehbock warnt.

Verhalten nach einem Wildunfall

  • Warnblinklicht einschalten
  • Warnweste anziehen
  • Unfallstelle mit Warndreieck absichern
  • Polizei anrufen (110)

Was soll ich beim Anruf bei der Polizei melden? Erstmal ist es wichtig Ruhe zu bewahren und den Unfall klar zu schildern. Nenne deinen Namen, den Ort des Unfalls (Straße / Autobahnabschnitt) und was passiert ist. Gibt es verletzte und wenn ja, welche Art der Verletzung? Bleib unbedingt in der Leitung und warte auf Anweisungen.

Ablauf mit der Versicherung

Jeder Wildunfall ist meldepflichtig, auch wenn du das Tier angefahren hast und das verletzte Tier danach in den Wald flüchtet ist. Du brauchst eine Meldung von der Polizei damit diese den Wildunfall für die Versicherung bestätigen kann.
Die Beamten informieren den Jagdpächter, nehmen den Unfall auf und erstellen eine Bescheinigung über den Wildunfall.

Sobald der Schaden 1000 Euro übersteigt, brauchst du eine Unfallbescheinigung von der Polizei für deine Versicherung. Wenn du zuhause bist, solltest du den Wildschaden unverzüglich deiner Versicherung melden.

Für Schäden, die durch eine Karambolage oder Wildunfälle mit Tieren jeglicher Art, zum Beispiel Haarwild oder Fasane, entstehen, ist die Teilkasko-Versicherung zuständig. Wichtig für Versicherte mit einer Vollkasko-Versicherung: Zwar beinhaltet diese immer eine Teilkasko-Versicherung, jedoch wirkt sich ein hier entstandener Wildschaden in keiner Weise auf den Schadenfreiheitsrabatt der Vollkasko aus.

Unfälle ereignen sich auch, ohne dass das Fahrzeug mit einem großen Wildtier direkt zusammenstößt, wenn der Autofahrende sich erschreckt und das Lenkrad verreißt. Auch gibt es Autofahrer, die einem größeren Tier bewusst ausweichen, um einen größeren Schaden zu vermeiden. Die Teilkasko zahlt in solch einem Fall. Allerdings muss der Fahrer nachweisen, dass das Ausweichen als Rettungsmaßnahme erforderlich war und einen größeren Wildschaden verhindert hat. Gemäß der aktuellen Rechtsprechung muss der Fahrer dafür aber schon den Zusammenprall mit einem Wildschwein, Reh oder Hirsch vermieden haben.

Wer jedoch Kleintier wie einem Hase, Dachs oder Mader ausweicht, steht auch nicht ohne Versicherungsschutz da, vorausgesetzt er hat eine Vollkasko-Versicherung. Sie übernimmt normalerweise die Wildschäden, die durch solch ein Ausweichmanöver entstehen. (dpp-AutoReporter/wpr)


Beitrag zuletzt aktualisiert am 26. Juni 2018