Was nach dem Wildunfall zu tun ist

Das Risiko für einen Wildunfall ist besonders groß im April, Mai sowie im Spätherbst. Nach dem Winter suchen die Tiere Futter und im Herbst suchen sie ein Winterquartier. Jeden Tag passieren mehr als 700 Wildunfälle auf deutschen Straßen, obwohl Verkehrsschilder an bekannten Gefahrenstellen vor Wildwechsel warnen.

Die meisten Wildunfälle passieren bei Morgen- und Abenddämmerung, da sind Tiere besonders aktiv. Gerade am Rand von Wiesen, Feldern und Wäldern überqueren Wildtiere gerne die Straße. Auf der Suche nach Nahrung verlassen sie gerne ihre Deckung und legen weite Strecken zurück.

Laut aktueller Statistik des Deutschen Jagdverbands (DJV) gab es im vergangenen Jagdjahr knapp 228.500 Wildunfälle. Bei 2548 Unfällen kamen Menschen zu schaden nachdem ein Tier sich auf der Fahrbahn befand. Laut des Versicherers HUK-Coburg entstehen Kosten von über 2000 Euro pro Wildunfall.

Höchste Unfallgefahr mit einem Tier

  • Morgens und Abends
  • Im Juli / August zur Brunft des Rehwildes
  • Im Übergangsbereich Feld oder Wald

Kraftfahrer sollten sich dabei nicht allein auf die warnenden Verkehrsschilder verlassen. Der ADAC Berlin-Brandenburg rät grundsätzlich zu erhöhter Vorsicht bei der Fahrt entlang von Wald- und Feldrändern oder auf neu angelegten Landstraßen.

Damit stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um mehr als sechs Prozent. In etwa 80 Prozent der Fälle ereignet sich eine Kollision mit einem Reh, jedes zehnte Tier ist ein Wildschwein.

Wildunfall vorbeugen

  • Umsichtig fahren
  • Die Straßenränder im Auge behalten und bremsbereit sein
  • Sofort abblenden und hupen
  • Hinter einem Tier kann sich noch ein Rudel befinden
PKW Wildunfall mit einem Wildschwein
Nach dem Schock sollten man sofort den Warnblinkler anschalten, die Warnweste anziehen, die Unfallstelle mit einem Warndreieck sichern und die Polizei anrufen.

Sobald ein Reh am Straßenrand auftaucht, gilt es, sofort die Geschwindigkeit zu drosseln und so langsam wie möglich vorbeizufahren. Auch Hupen ist sinnvoll, um das Tier zu vertreiben. Außerdem ist es wichtig, sofort abzublenden, denn im Licht der Scheinwerfer verharrt ein Tier meistens regungslos. Da ein Wildtier selten allein kommt, sollten Autofahrer zunächst nur langsam weiterfahren.

Falls sich der Aufprall nicht vermeiden lässt: Bei einer Kollision scharf bremsen. Das Lenkrad festhalten und die Fahrlinie halten.
Auch wenn es weh tut, lieber auf der Tier drauf halten Der Zusammenprall mit einem anderen Auto oder einem Baum hat meist größere Ausmaße als die Kollision mit einem Tier.

„Auf keinen Fall sollten Fahrer versuchen, im letzten Moment abrupt auszuweichen. Besser einen Zusammenstoß mit dem Wild riskieren, als die Kontrolle über sein Fahrzeug zu verlieren“ ADAC Technik-Experte Jörg Kirst

Grafik Bremsweg bei einem Wildunfall
Je schneller ein Fahrzeug unterwegs ist, desto länger ist der Anhalteweg. Bei Tempo 80 kann ein Autofahrer sein Fahrzeug noch rechtzeitig zum stehen bringen, wenn in 60 Meter Entfernung plötzlich ein Wildtier auf der Straße springt. Bei 100 km/h gelingt dies nicht mehr. Der Fahrer prallt mit einer Restgeschwindigkeit von mehr als 61 Stundenkilometer auf das Tier.
Gefahrzeichen Nr. 142 Wildwechsel an der Autobahn
Auf deutschen Straßen gibt es pro Tag mehr als 700 Wildunfälle. Die Verkehrsschilder waren vor Wildwechsel

Verhalten nach einem Wildunfall

  • Warnblinklicht einschalten
  • Warnweste anziehen
  • Unfallstelle mit Warndreieck absichern
  • Polizei anrufen (110)

Was soll ich beim Anruf bei der Polizei melden? Erstmal ist es wichtig Ruhe zu bewahren und den Unfall klar zu schildern. Nenne deinen Namen, den Ort des Unfalls (Straße / Autobahnabschnitt) und was passiert ist. Gibt es verletzte und wenn ja, welche Art der Verletzung? Bleib unbedingt in der Leitung und warte auf Anweisungen. Die Polizei informiert auch den zuständigen Förster / Jagdpächter. Dieser stellt dann eine Wildbescheinigung aus, die ebenso wie die Fotos vom Unfallort, vom Tier und vom Fahrzeug bei der Schadenbearbeitung hilft. Das verletzte oder tote Tier sollte man wegen möglicher Tollwutgefahr nicht anfassen. Bevor Reparaturen am eigenen Auto vorgenommen werden, sollte mit der Versicherung gesprochen werden. Halte dich möglichst weit vom verletzten Tier auf, denn mit zunehmender Nähe zum verletzten Tier erhöht sich dessen Stresssituation.

Pferde auf der Fahrbahn
Ab und zu kommt es vor dass Pferde an der Landstraßen langreiten.
Ab besten vorausschauend fahren. Sollten Sie ein Pferd in der Nähe der Fahrbahn sichten, gilt es, das Tempo deutlich zu reduzieren und in einem möglichst weiten Bogen Ross und Reiter zu umfahren, sobald der Gegenverkehr dies zulässt. So braucht man nicht zu befürchten, die Pferde gleich scheu zu machen.

Ablauf mit der Versicherung

Für Zusammenstöße mit Rehen, Wildschweinen und anderem Wild zahlten die Versicherungsgesellschaften 583 Millionen Euro an ihre Kunden.

Jeder Wildunfall ist meldepflichtig, auch wenn du das Tier angefahren hast und das verletzte Tier danach in den Wald flüchtet ist. Du brauchst eine Meldung von der Polizei damit diese den Wildunfall für die Versicherung bestätigen kann.
Die Beamten informieren den Jagdpächter, nehmen den Unfall auf und erstellen eine Bescheinigung über den Wildunfall. Die Tötung eines verletzten Tieres darf nur durch eine berechtigte und fachkundige Person (z. B. den Jagdausübungsberechtigten) durchgeführt werden. Eine tierärztliche Behandlung scheidet in der Regel aus.

Schäden am eigenen Fahrzeug, die durch Haarwild – wie Rehe und Wildschweine – verursacht werden, zahlt die Teilkaskoversicherung. Einige Versicherer haben ihren Schutz sogar auf alle Wirbeltiere ausgeweitet. Bei einem Unfall sind Fotos vom Unfallort, dem Tier und dem Fahrzeug hilfreich für eine schnelle Schadenbearbeitung.

Sobald der Schaden 1000 Euro übersteigt, brauchst du eine Unfallbescheinigung von der Polizei für deine Versicherung. Wenn du zuhause bist, solltest du den Wildschaden unverzüglich deiner Versicherung melden.

Für Schäden, die durch eine Karambolage oder Wildunfälle mit Tieren jeglicher Art, zum Beispiel Haarwild oder Fasane, entstehen, ist die Teilkasko-Versicherung zuständig. Wichtig für Versicherte mit einer Vollkasko-Versicherung: Zwar beinhaltet diese immer eine Teilkasko-Versicherung, jedoch wirkt sich ein hier entstandener Wildschaden in keiner Weise auf den Schadenfreiheitsrabatt der Vollkasko aus.

Unfälle ereignen sich auch, ohne dass das Fahrzeug mit einem großen Wildtier direkt zusammenstößt, wenn der Autofahrende sich erschreckt und das Lenkrad verreißt. Auch gibt es Autofahrer, die einem größeren Tier bewusst ausweichen, um einen größeren Schaden zu vermeiden. Die Teilkasko zahlt in solch einem Fall. Allerdings muss der Fahrer nachweisen, dass das Ausweichen als Rettungsmaßnahme erforderlich war und einen größeren Wildschaden verhindert hat. Gemäß der aktuellen Rechtsprechung muss der Fahrer dafür aber schon den Zusammenprall mit einem Wildschwein, Reh oder Hirsch vermieden haben.

Wer jedoch Kleintier wie einem Hase, Dachs oder Mader ausweicht, steht auch nicht ohne Versicherungsschutz da, vorausgesetzt er hat eine Vollkasko-Versicherung. Sie übernimmt normalerweise die Wildschäden, die durch solch ein Ausweichmanöver entstehen.

Glasbruch bei Pkw kostet Versicherer 1,1 Milliarden Euro

Wie aus der aktuellen Pkw-Teilkasko-Schadenbilanz des GDV hervorgeht, ist Glasbruch der häufigste Teilkasko-Schaden: Knapp 2,2 Millionen Schäden kosteten die Versicherer über 1,1 Milliarden Euro. Nach Glasbruch und Wildunfällen auf Platz 3 lagen Marderbisse, die für 216.000 Schäden und Kosten in Höhe von 63,5 Millionen Euro verantwortlich waren.

Die häufigsten Fälle der Versicherungen

  1. Glasbruch
  2. Wildunfälle
  3. Marderbisse
  4. Sturm- und Hagelschäden
  5. Diebstähle (Radios & Navigationsgeräten)

Beitrag zuletzt aktualisiert am 2. Oktober 2018