Christine

„Christine“ von John Carpenter nach dem Buch von Stephen King.
Die Verwandlung vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan – Hollywood hat die Geschichte vielfach verfilmt und sich dabei unterschiedlicher Facetten bedient. Auch Kultregisseur John Carpenter nahm sich der Metamorphose an. Doch im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen hat er dabei einen Horrorfilm entworfen: „Christine“ beruht auf der gleichnamigen Romanvorlage von Bestseller-Autor Stephen King. Neben der eindringlichen Atmosphäre und den sehr guten Schauspielern sorgt dabei ein optimal auf das Geschehen abgestimmter Soundtrack für das spezielle Gruselflair. Das liegt vor allem aber auch daran, dass hierbei nicht alleine ein Mensch im Mittelpunkt steht – auch ein Auto verwandelt sich und greift dabei in das Geschehen ein.

Christine Autofilm

Titel Christine
Originaltitel Christine
Genre Spielfilm
Schauspieler Keith Gordon, John Stockwell, Alexandra Paul, Robert Prosky
Regie John Carpenter
Drehbuch Stephen King
Produzent John Carpenter
Music John Carpenter
Land USA
Jahr 1983
Länge 110 Minuten
FSK Ab 16 Jahren


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Vom Verlierer vom Sieger
Eigentlich läuft nichts im Leben von Arnie Cunningham besonders gut: Er befindet sich auf der Highschool, wo er wegen seiner fehlenden Durchsetzungsfähigkeit aber nicht sonderlich geschätzt ist. Sein Hang zu unmodernen Kleidern und Accessoires wird ihm dabei zum Verhängnis: Eine vierköpfige Gang terrorisiert ihn. Bis auf seinen Freund Dennis hat Arnie nichts, woran es sich festzuhalten lohnt. Gerade im Amerika des Jahres 1978 natürlich eine kleine Tragödie, setzen sich doch Frieden, Freiheit und das Miteinander immer weiter durch. Dennoch trifft Arnie eine schicksalsschwere Entscheidung: Er erwirbt ein schrottreifes Auto – und verändert sich mit ihm.


Christine Deutscher Trailer

Denn der Schüler stellt das Gefährt in einer Werkstatt unter. Dort bastelt er an den Einzelteilen, erneuert die Sitze, poliert den Lack und verbessert das Getriebe. Sonderbarerweise hat das Auto – ein Plymouth Fury aus dem Jahre 1958 – aber einen Namen. Seinem Vorbesitzer zufolge hörte er auf „Christine“. Auch Arnie kümmert sich nun liebevoll um seinen neu gewonnenen Schatz. Und ebenso wie sich das Fahrzeug nach und nach entwickelt, so durchlebt auch der einst ungeliebte junge Mann eine stete Verwandlung. Schon bald hat er sich zu einem arroganten Macho gemausert, der mit dem ehemaligen Verlierer nichts mehr zu tun hat.

Rückblende: das Jahr 1958
Dass „Christine“ ein etwas anderes Auto ist, wird schnell klar. Denn eine Rückschau auf das Jahr 1958 lässt schon dessen Sonderbarkeiten bei der Entwicklung erkennen: Während alle Wagen des baugleichen Typs auf einem Laufband zur Endabnahme rollen, hebt sich einer von ihnen hervor. Das aggressive Rot in der Tönung des Plymouth Fury scheint den Arbeitern nicht aufzufallen. Auch sonst deutet nichts daraufhin, dass „Christine“ sich von den anderen Autos unterscheidet. Der Vorarbeiter lässt somit das Laufband ganz gemächlich zu sich heranrollen, ehe er sich dem Gefährt nun eingehender widmet – und schon bald in das Krankenhaus muss.

Denn kaum hat er seine Hand in den Motorraum gesteckt, da schließt sich die Klappe. Beinahe scheint es, als habe der Wagen zugebissen. Nicht besser ergeht es einem jungen Mann, der anschließend das Auto kauft: In unachtsamer Weise setzt er sich an das Steuer, steckt sich zur Entspannung eine Zigarette an und genießt die Ruhe. Dabei bleibt ihm verborgen, dass ein Rest der Asche auf den Sitz fällt. Nur wenig später wird der Plymouth gefunden. Sein am Steuer sitzender Fahrer ist tot. Schnell zeigt es sich, dass „Christine“ eine ganz besondere Zuwendung benötigt und jeden bestraft, der ihr diese nicht gibt.

Die Verwandlung von Mensch und Auto
Natürlich ist sich Arnie nicht bewusst, welches Gefährt er nun sein eigen nennen darf. Zudem wird er auch für diesen Schrotthaufen belächelt – doch wie er ihn anschließend aufpeppt, ringt selbst seinen Kritikern einige Bewunderung ab. In manchen Fällen kommt diese allerdings zu spät. Denn in dem selben Maße wie sich das Auto zu einer wahren Schönheit entwickelt, so reift auch sein Besitzer zu einem selbstbewussten jungen Mann, den die Damen mögen. Aus der Selbstsicherheit wird jedoch bald die reine Arroganz – doch das kümmert Arnie nun nicht weiter. Er tut, was er will und wie es ihm gefällt.

Allerdings sterben immer mehr Personen aus seinem Bekanntenkreis und der Nachbarschaft. Schnell fällt der Verdacht auf den einstmals schüchternen jungen Mann, der sich nun zu einem menschlichen Tyrannen entwickelt und dem Freundschaften oder Sympathien nichts bedeuten. Einzig die Liebe zu seinem Wagen verstärkt sich – und auch „Christine“ zeigt sich erkenntlich. Denn immer häufiger entwickelt sie ein Eigenleben. Sie rächt sich bei den Peinigern ihres Besitzers und erlangt übernatürliche Kräfte. Natürlich wird schnell klar, dass das Gefährt einen engen Bezug zu den Toten aufweist. Nur Arnie erkennt das zerstörerische Ausmaß der Situation nicht. Während er sich von seinen Vertrauten abwendet, sorgen sich diese um sein Leben.

Die Romanvorlage von Steven King
Der Film entstand in enger Anlehnung an den Roman des Bestseller-Autoren Stephen King. Er gilt als Meister des modernen Horror-Genres. Als solcher ist es ihm gelungen, von den typischen Klischees der Materie abzugehen und den Nervenkitzel in die heutige Zeit zu transportieren. Dazu bedient er sich sehr häufig der Macht der Maschinen. „Christine“ ist somit ein weiteres Objekt, das unter der Fantasie Kings zum Leben erwacht und beinahe zu einem denkenden und fühlenden Wesen zu reifen scheint. Diese Grundidee lässt sich in vielen Romanen des Autors finden.

Eine Besonderheit ergab sich allerdings bei der filmischen Umsetzung. Denn als die Kameras die ersten Aufnahmen einfingen, da war das Buch noch nicht veröffentlicht worden. Ein solcher Schritt ist sehr selten, soll doch zunächst dem Schriftsteller selbst die Möglichkeit gegeben werden, sein Werk vorzustellen und das Privileg der anfänglichen Einnahmen zu genießen. Im Jahre 1983 aber besaß er einen derart großen Ruhm, dass der Film noch vor der Erscheinung des Romans gedreht wurde. Stephen King trat nicht zuletzt mit diesem Triumph die unumwundene Spitzenposition unter allen modernen Horror-Autoren an und untermauerte sie auch in den nachfolgenden Jahren noch mit ähnlichen Werken.

Die filmische Umsetzung
Eingedenk der großen Bekanntheit des Autors verwundert es nicht, dass die Adaption für das Kino einem echten Profi überlassen wurde: John Carpenter. Bereits während seines Studiums war er an einem Kurzfilm beteiligt, der den begehrten Oscar gewann. In der Folge arbeitete Carpenter mit vielen aufstrebenden Stars zusammen, zu denen etwa Kurt Russell oder Jamie Lee Curtis zählten. Insbesondere sein Werk „Halloween – die Nacht des Grauens“ zog dabei ein millionenfaches Publikum an und steigerte auch Carpenters Bekanntheit weit über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus. Seine Filme entwickelten sich schnell zu Kassenschlagern, unter denen „Christine“ ebenfalls einzuordnen war.

„Christine“ entstand im Jahre 1983 in Anlehnung an die Romanvorlage. Carpenter erbot sich dabei einige Freiheiten, die er nutzte, um das Buch nicht exakt zu kopieren. Kritiker bemängelten diesen Schritt anschließend, erwies sich Kings Werk doch einmal mehr als fesselnde Lektüre. Fans von Carpenters Filmen indes erkennen den unverwechselbaren Charme des Horrors an. Dieser setzt vor allem auf düstere Farben, ohne dabei jedoch grundsätzlich trist zu wirken. Aggressive Noten in der Farbgebung, aber auch in dem Verhalten der Protagonisten – wie etwa Arnie oder seinen Peinigern – sind ein Ausdruck von Carpenters Stil, mit dem der Film deutlich an Nervenkitzel gewinnt.

Besonderheiten des Filmes
Wie bei jedem Film, so entscheidet auch hier zunächst der Geschmack. Mag „Christine“ aus heutiger Sicht ein wenig altbacken wirken, so setzte das Werk vor rund 30 Jahren noch einige deutliche Ausrufezeichen. Denn auch wenn es zu jener Zeit bereits andere Verfilmungen gab, in denen sich Autos selbstständig machten, so scheint „Christine“ der erste Wagen zu sein, der über ein eigenes Leben verfügt und insofern zu Emotionen fähig ist. Diese Neuerung führte Carpenter ein und sie galt als Vorlage vieler Werke, in denen an sich seelenlose Maschinen erwachen und auf ihre Weise am menschlichen Leben teilnehmen.

Als ganz besonders sehenswert erweisen sich dabei gerade die Szenen, in denen das Auto ohne jedweden Einfluss seinen Rachefeldzug beginnt. Denn diese Sequenzen wurden in mühevoller Detailarbeit erstellt und beanspruchten weite Teile des gesamten Drehs. Was sich heute also mit der Hilfe von Computern und wenig Aufwand umsetzen lässt, galt damals noch als echte Herausforderung für den Regisseur. Er kam der Aufgabe aber nach und entwickelte einen Film, der seinerzeit Standards setzte und der insofern auch heute noch zu den Meilensteinen eines modernen Horrors zählt. Aber auch die Autoliebhaber kommen natürlich bei „Christine“ in ganz besonderem Maße auf ihre Kosten.

Spannung bis zum Schluss
Dass der Film aber bis zum Abspann als spannend und sehenswert gilt, liegt auch an den Darstellern. Keith Gordon in der Rolle des Arnie und Alexandra Paul als seine Freundin Leigh hatten sich zu der Zeit der Dreharbeiten zwar schon in anderen Filmen erste Kenntnisse erworben, wurden mit „Christine“ aber beinahe über Nacht zu gefragten Nachwuchsstars. Ihnen kommt somit in dem Werk auch ein wichtiger Aspekt zu – denn neben dem wild gewordenen Auto versuchen Arnies Bekannte natürlich, den nun veränderten Jungen aus der Gewalt des Gefährtes zu ziehen. Eine Macht, von der er selbst noch nichts weiß.

Ob und wie das seinen Weggefährten letztlich gelingt, das sind die Fragen, denen sich der Film widmet. Nervenkitzel und eine stete Spannung gehören dabei ebenso zum Inhalt wie die rasante Action. John Carpenter ist daher mit „Christine“ ein Film gelungen, der auch heute noch sehr sehenswert ist – selbst wenn einige Möglichkeiten der technischen Umsetzung mittlerweile verbessert wurden. Der Meister des Horrors schafft es aber einmal mehr, Gänsehaut und Angstgefühle zu erzeugen, dabei aber auf brutale Szenen oder allzu großes Blutvergießen zu verzichten. „Christine“ ist somit ein Film, den nicht nur Autoliebhaber gesehen haben sollten. Außerdem gilt: Augen auf vor dem nächsten Autokauf.


Beitrag zuletzt aktualisiert am 24. Februar 2014

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