Formel-E  Geschichte, Entwicklung & Kritik

Die Formel-E ist die erste rein elektrische Formel-Rennserie im Motorsport. Sie trug am 13. September 2014 in Peking (China) ihr erstes Rennen aus. Der erste Sieg ging an Lucas di Grassi, der für das Audi Sport Team Abt an den Start ging. Erster Meister wurde sein brasilianischer Landsmann Nelson Piquet junior. Seit der Saison 2020/2021 trägt die Rennserie das offizielle Weltmeisterschaft Prädikat vom Motorsport Weltverband FIA. Der für das Mercedes-Team startende Niederländer Nyck de Vries gewann die erste Saison der Formel-E als Weltmeisterschaft.

Foto: DS Virgin Fahrzeug DSV-02
DS Virgin Racing mit dem DSV-02 Rennwagen für die Formel-E-Saison.

Die Rennwagen der Formel-E

In der ersten Saison traten alle Teams mit identischem technischen Material an. Seit der zweiten Saison setzen die involvierten Fahrzeughersteller eigene Antriebsstränge ein. Daneben ist es möglich, als sogenanntes „Kundenteam“ den Elektromotor von einem anderen Team zu übernehmen. Bei den Chassis handelt es sich hingegen weiterhin um Einheitsmaterial, welches vom italienischen Produzenten Dallara stammt. Seit der Saison 2018/2019 kommen Fahrzeuge der zweiten Generation (Gen2) zum Einsatz. Sie verfügen über ein verändertes Aussehen und mehr Leistung. Diese ist im Qualifying auf maximal 250 kW und im Rennen auf maximal 200 kW begrenzt. Seit 2018 ist zudem der Cockpitschutz „Halo“ vorgeschrieben. Diese Elemente machen die elektrische Formel-1 Serie für die Zuschaue besonders spannend.

Geschichte zu Formula-E Rennen im Video

Die Regeln der Formel-E

Die Rennserie hat in verschiedenen Bereichen neue Akzente gesetzt, um sich vom klassischen Motorsport abzugrenzen:

  • Nahezu alle Rennen werden auf engen Straßenkursen innerhalb großer Metropolen ausgetragen und nicht auf permanenten Rennstrecken.
  • Die Fans können durch ein Internetvoting (Fanboost) ihrem Liebling für einen begrenzten Zeitraum im Rennen zusätzliche Energie zur Verfügung stellen.
  • Die Fahrer müssen mehrmals pro Rennen an einer bestimmten Stelle der Rennstrecke einen kleinen Umweg nehmen. Dabei aktivieren sie den „Attack Mode“, der ihnen für eine gewisse Zeit zusätzliche Energie gibt.
  • Es kommt ein Allwetterreifen zum Einsatz.
  • Das gesamte Programm eines sogenannten ePrix, das aus zwei freien Trainings, einem Qualifying und einem Rennen besteht, findet stets an einem Tag (in der Regel samstags) statt.
  • In den ersten Jahren waren die Saisons kalenderjahrübergreifend. Die Terminologie (beispelsweise Saison 2021/2022) wird auch aktuell noch verwendet, obwohl der Saisonstart inzwischen in das jeweils letztgenannte Jahr verlegt wurde.
  • Auf den meisten Kursen gibt es keine Einführungsrunde. Stattdessen fahren die Piloten vor dem Start lediglich wenige Meter nach vorne, um ihre Startboxen zu erreichen. Weichen der Ort der Startaufstellung und der des Rennstarts von einander ab, drehen die Piloten etwa eine habe Runde um den jeweiligen Kurs.
  • Während der ersten Fahrzeuggeneration war im Rennen ein Wechsel des Rennwagens vorgesehen, da die Kapazität der Batterie nicht ausreichte, um den gesamten ePrix (45 Minuten) zu bestreiten. Dieser ist inzwischen nicht mehr erforderlich.

In der Formel-E sind die Rennen sehr von einer taktischen Fahrweise geprägt. Es ist wichtig, den Anschluss zum Vordermann zu halten und dabei nicht zu viel Energie zu verbrauchen. Der Verbrauch ist aktuell auf 52 kWh begrenzt. Nicht selten müssen Fahrer in der Schlussphase Energie sparen, damit diese für die gesamte Renndistanz reicht. Das gibt dann sparsamen Piloten unter Umständen die Möglichkeit, in der Schlussphase Positionen gutzumachen.

Die Entwicklung der Formel-E

In der ersten Phase der Rennserie war es für kleine unabhängige Teams aufgrund der Einheitstechnik möglich, an der Meisterschaft teilzunehmen. Einige von ihnen bildeten die Vorhut für einen späteren Einstieg eines großen Automobilherstellers. So wurde das Audi Sport Team Abt später zum offiziellen Werksteam von Audi. Die Aufmerksamkeit auf die Meisterschaft stieg in Deutschland zur Saison 2019/2020 massiv an. Damals traten Mercedes und Porsche jeweils mit einem eigenen Werksteam in den Wettbewerb ein. Mit den bereits etablierten Rennställen von Audi und BMW waren vier deutsche Premium-Autobauer in der Meisterschaft am Start. Mercedes gewann bereits in der zweiten Saison den Meisterschaftstitel, kündigte dann aber bereits seinen Rückzug aus der Rennserie zum Ende der folgenden Saison an. Audi und BMW stiegen bereits nach der Saison 2020/2021 aus. Damit steht fest, dass von den deutschen Herstellern nur Porsche in die Gen3-Ära (ab 2022/2023) geht. Allerdings wird dann das Abt-Team zurückkehren und mutmaßlich die Antriebstechnik des indischen Manhindra-Rennstalls als Kunde beziehen.

Für die bevorstehende dritte Fahrzeuggeneration ist wieder eine Leistungssteigerung vorgesehen. Es sollen bei 350 kW Geschwindigkeiten von mehr als 320 km/h erreicht werden können. Außerdem soll die Rekuperation, also das Aufladen der Batterien beim Bremsen, verbessert werden. Damit ist es den Fahrern möglich, während des Rennens mehr Batteriekapazität wieder zu erlangen, wodurch sie insgesamt mehr Leistung abrufen können, wodurch das taktische Fahren reduziert werden dürfte.

Die Kritik an der Formel-E

Mit ihrer Ausrichtung spricht die Formel-E in erster Linie ein junges und urbanes Publikum an. Mit ihren Veranstaltungen geht sie zu den Menschen und lässt diese nicht zu sich an entlegene Rennstrecken kommen. Das bringt der Rennserie an einigen Stellen durchaus Kritik ein. Die engen Rennstrecken, der Fanboost sowie der Attack-Mode kreieren in den Augen von manchen Beobachtern auf künstliche Weise Spannung. Auch das bis zur Saison 2020/2021 genutzte Qualifyingformat sorgte für Unmut, da es Fahrer benachteiligte, die in der Gesamtwertung gut platziert waren. In diesem Punkt wurde das Reglement inzwischen allerdings verändert.

Da der hohe Energiebedarf zum Aufladen der Batterien aller Rennwagen an einigen Orten nicht ausreicht, wird mit zusätzlichen Aggregaten Strom erzeugt. Dafür kommen häufig fossile Brennstoffe wie Diesel zum Einsatz. Kritiker sagen, dass die Rennserie lediglich einen grünen Anstrich trage.


Beitrag zuletzt aktualisiert am 24. Juli 2022
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